CD-Review: Disturbed - Immortalized

Besetzung

David Draiman - Gesang
Dan Donegan - Gitarre
John Moyer - Bass
Mike Wengren - Schlagzeug

Tracklist

01. The Eye Of The Storm
02. Immortalized
03. The Vengeful One
04. Open Your Eyes
05. The Light
06. What Are You Waiting For
07. You’re Mine
08. Who
09. Save Our Last Goodbye
10. Fire It Up
11. The Sound Of Silence
12. Never Wrong
13. Who Taught You How To Hate

14. Tyrant*
15. Legion Of Monsters*
16. The Brave And The Bold*

* Bonus-Songs der Deluxe-Edition


Kaum eine Band ist so durch einen einzigen Song definiert wie DISTURBED. Auch fast 20 Jahre nach dem Release des Debüt-Albums „The Sickness“ ist es immer noch Draimans legendäres „Uh-ahahahah in „Down With The Sickness“, das durch die Metal-Diskotheken der Welt schallt. Daran konnten trotz ihres kommerziellen Erfolges auch die vier Folgealben nichts ändern. Nachdem sich DISTURBED 2011 zunächst aufgelöst hatten, erscheint nun mit „Immortalized“ das Reunion-Album der Alternative Metaller aus Chicago.

Nach dem Intro „Eye Of The Storm“, das seinem dramatischen Titel nicht ansatzweise entspricht, legen DISTURBED gleich mit der namensgebenden Nummer los – einem Song, der höchstens durch den Gesang überrascht, der bisweilen einer Heavy-Metal-Band alle Ehre machen würde. Ansonsten bleiben sich DISTURBED treu: Durch die starken Akzentuierungen pumpt der Song zwar gehörig aus den Boxen, über die Belanglosigkeit der Riffs täuscht das aber nicht hinweg – DISTURBED lassen hier allenfalls Steroid-Muskeln spielen. Echter Power hört sich anders an …

Dass man mit dem Titeltrack mehr als nur einen Vorgeschmack auf das Album bekommen haben dürfte, ist bei einer Band wie DISTURBED klar. Dass der Song – wie es sich zugegebenermaßen für den Titeltrack gehört – aber tatsächlich zu den stärksten auf dem Album zählt, ist dann doch enttäuschend: Von den folgenden zehn Stücken gelingt es kaum einem, wirklich zu überzeugen oder gar mitzureißen. Zu belanglos, zu cheesy, zu austauschbar, zu brav – und zu guter Letzt schlichtweg schlechter als Five Finger Death Punch, die DISTURBED musikalisch längst den Rang abgelaufen haben, fehlt es den harten Nummern an Biss, den Balladen an echten Emotionen. So gelingen DISTURBED etwa mit „What Are You Waiting For“ oder „Never Wrong“ zwar noch ein paar ganz nette Stücke – von zwingenden Hits ist man damit jedoch noch weit entfernt. Auf der anderen Seite drückt „You’re Mine“ mit seinem Billig-Beat die Waagschale mindestens ebenso stark nach unten wie das Cover der Simon-&-Garfunkel-Ballade „The Sound Of Silence“, zu dem man allerhöchstens seinen Hamster küssen möchte.

Böse Zungen könnten behaupten, dass sich DISTURBED mit „Immortalized“ zurückmelden, bevor ihr Fehlen überhaupt jemandem aufgefallen wäre. Musikalisch tun die Amis jedenfalls, als wäre nichts gewesen: Auch mit Album Numero fünf seit dem umjubelten Debüt liefern DISTURBED absolut generischen Alternative Metal, dem es an vielem, vor allem aber an Profil fehlt.

Dass die Truppe damit zumindest in Amerika auch diesmal kommerziellen Erfolg haben wird, ist klar – genauso klar ist nach „Immortalized“ aber auch, warum die Band zumindest in Europa schon längst unter dem Radar qualitätsbewusster und abwechslungsliebender Metaller durchfliegt. Aufatmen hingegen können zumindest alle Metal-Party-Großraumdisko-DJs. „Immortalized“ bietet keinen Anlass, die über Jahre etablierten Evergreen-Playlists in Frage zu stellen, „Down With The Sickness“ kann getrost der einzige DISTURBED-Track bleiben. In diesem Sinne: Uh-ahahahahrg.

Bewertung: 4 / 10

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3 Kommentare zu “Disturbed – Immortalized”

  1. Andi

    Ich bin ein bisschen überrascht von dieser Rezension. Schade, dass der Platte gar keine Chance gegeben wurde. Disturbed ist weit mehr als „Uh-ahahahah“, vor allem die „Ten Thousand Fists“ ist ein überragendes Album, das durchweg gute Songs bietet. Die Band steht für modernen, melodischen Metal und hat sich aus der anfänglichen Nu-Metal-Ecke früh verabschiedet. Trotzdem haben sie mit Five Finger Death Punch überhaupt nichts zu tun, weswegen ich den Vergleich nicht nachvollziehen kann. Und „The Sound of Silence“ ist so ein unfassbar gutes Cover mit einem solch grandiosen gesanglichen Aufbau über drei sich steigernde Abschnitte hin zum fast schon dramatischen Finale, dass sich Simon & Garfunkel vielleicht sogar ärgern, es nicht selbst schon so gemacht zu haben.

    1. Moritz Grütz Post Author

      „Keine Chance gegeben“ kann man wirklich nicht sagen. Es stimmt, dass mein Bild auf Disturbed sicher nicht das des langjährigen Fans ist, der jedes Album auswendig kennt – allerdings macht das meinen Blick auf dieses Album ja nicht oberflächlicher, sondern nur unvoreingenommener. Ich hätte mich gerne davon überzeugen lassen, dass die Band, vollkommen unabhängig von ihrer bisherigen Diskographie, 2015 spannend klingt. Leider ist dem meiner Ansicht nach nicht so. „Trotzdem haben sie mit Five Finger Death Punch überhaupt nichts zu tun“ halte ich für eine etwas wacklige Aussage – schließlich ist das nicht mehr als deine Meinung, wie es eben andererseits meine Meinung ist, dass sie durchaus in diversen Punkten mit 5FDP vergleichbar sind. Und in diesem Vergleich nicht sonderlich gut wegkommen …
      Last but not least zum Cover: Auch das ist natürlich Geschmackssache – richtig ist vor allem, dass im Review nicht erwähnt war, dass es ein Cover ist, was aber natürlich durchaus von Belang ist – ansonsten kann ich deine Begeisterung für das Stück in dieser Version nicht unbedingt teilen ;) Aber das ist ja auch in Ordnung – es freut mich ja, dass dir das Album gefällt, vor allem aber, dass du uns das über die Kommentarfunktion wissen lässt – nur so kommt es zu einem für alle fruchtbaren Meinungsaustausch!

  2. Andi

    Danke für deine ausführliche Antwort. Ich mag 5FDP übrigens entschieden lieber als Disturbed, denn 5FDP stehen IMO wie kaum eine andere Band für einen gelungenen Mix aus Groove, Härte und Eingängigkeit. Groove und Härte würde ich Disturbed hingegen nicht unbedingt als primäre Merkmale zuschreiben, weswegen ich eben ein bisschen überrascht bei diesem Vergleich war. Wie dem auch sei, wenn man die beiden vergleichen möchte – qualitativ oder wie auch immer – , käme 5FDP wohl bei so ziemlich allen Hörern besser weg.

    Die beiden vorausgegangenen Alben von Disturbed fand ich auch eher uninspiriert, aber hier meine ich deutlich herauszuhören, dass sie große Lust hatten und das Ergebnis klingt im Ganzen ambitionierter und ausgereifter als bei den letzten beiden Alben davor. Aber klar, das ist nur meine Meinung, das darf durchaus anders gesehen werden. :)

    Ich freue mich, dass du einen Hinweis auf das Cover eingebaut hast, das Original hat zu seiner Zeit ja eine ganze Generation/Bewegung begleitet. Ich finde, es gehört schon etwas dazu, einen solchen Welthit zu covern, weil man dabei ganz schnell grandios scheitern kann. Und hier ist für meine Begriffe das genaue Gegenteil der Fall.

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