CD-Review: Disturbed - Ten Thousand Fists

Besetzung

David Draiman – Gesang
Dan Donegan – Gitarre, Elektronik
John Moyer – Bass
Mike Wengren – Schlagzeug

Tracklist

01. Ten Thousand Fists
02. Just Stop
03. Guarded
04. Deify
05. Stricken
06. I'm Alive
07. Sons Of Plunder
08. Overburdened
09. Decadence
10. Forgiven
11. Land Of Confusion
12. Sacred Lie
13. Pain Redefined
14. Avarice


DISTURBED’S dritter Streich „Ten Thousand Fists“ gefällt schon optisch mit seinem comicartigem Artwork, dass sogar ein wenig an 80er Jahre Metal erinnert, und so ganz zufällig ist das wohl gar nicht.

An erster Stelle steht hier natürlich weiterhin ein überragend charismatisches und einzigartiges Organ. David Draiman hört man einfach unter Tausenden von Stimmen heraus und man könnte ihm stundenlang zuhören. Was man vor ein paar Jahren vielleicht noch nicht vermutet hatte – er singt! Und zwar fast die gesamte Zeit über. Zwischendurch wird nur noch ein bisschen gerappt (am Anfang von „Forgiven“ etwa) und ab und zu mal geschrieen, sein abgehackter Sprechgesang ist natürlich und glücklicherweise auch noch oft im Einsatz. Ich war selbst sehr positiv überrascht, wie er seine Stimme weiterentwickelt hat, wieviele Emotionen in seinem melodischem Gesang stecken. Das wütende und kratzige ist natürlich geblieben, doch ist Draiman jetzt ein besserer und vielseitigerer Sänger als je zuvor und wirkt einfach unglaublich sympathisch.

Die große musikalische Weiterentwicklung liegt aber vor allem im Instrumentalem. War das Debüt „The Sickness“ vor fünf Jahren noch ein primitiver Hassbrocken, haben nun feine Melodien, hartrockende Riffs, durchdachte Songstrukturen und hier und da sogar Soli eingefunden. Disturbed sind eine reife Band geworden, „Ten Thousand Fists“ ein erwachsenes Album.

Der Opener „Ten Thousand Fists“ ist zwar eine für Disturbed typische Nummer, doch merkt man gleich von Anfang an, dass sich die vier Mannen aus Chicago stark gebessert haben. Die Textstelle „if this disturbes you then walk away“ kann man auch als klare Botschaft an die Hörerschaft auffassen.
Bis einschließlich dem siebten Lied „Sons Of Plunder“ stehen hier ausschließlich potentielle Hitgranaten, denen vor allem mal wieder David Draiman mit seinem tiefgehenden Gesang einen Stempel aufdrückt. „Stricken“ bietet dann das erste Solo des Albums, das auch in einem ruhigerem Nevermore-Stück stehen könnte. Mit „Overburdened“ hat man sogar eine Halbballade am Start, die auch voll überzeugen kann.
Nur gegen Ende der knapp einstündigen Scheibe wird es etwas schwieriger, die Qualität auf dem hohen Level zu halten. Anfangs kommen die hinteren Stücke etwas unscheinbar und eher durchschnittlich daher, entpuppen aber bei weiteren Durchläufen ihre Qualitäten. Das abschließende „Avarice“ ist sogar ein heftiger Wutklotz, den man hier nicht mehr erwartet hätte, bei dem Draiman auch gerne noch ein paar mal ins Mikro kotzt und der im Mittelteil auch eine fast schon orientalisch angehauchte Gitarrenmelodie auftaucht. Eine Coverversion findet man mit „Land of Confusion“ auch noch, und den Genesis-Klassiker haben Disturbed einfach klasse nachgespielt.

Wer Disturbed nach dem umstrittenen 2002er „Believe“ vielleicht schon abgeschrieben hat, muss jetzt schnellstens umdenken. „Ten Thousand Fists“ ist eine reife und erwachsene Scheibe, die sich gerne mal an traditionellen Heavy Metal-Zutaten bedient, aber nie altbacken oder retro wirkt, sondern durch und durch modern klingt. So eine Mischung muss man erstmal hinkriegen, und wenn über all dem noch der geniale Gesang von einem David Draiman thront und von vorne bis hinten ein knappes Dutzend Hits zu finden sind, steht am Ende das bisher beste Disturbed-Album und eine der großen Überraschungen des Jahres 2005!

Bewertung: 9 / 10

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