Review Erik Cohen – Weisses Rauschen

Aus jedem Abschied keimt auch immer Hoffnung auf, die es uns ermöglicht das Leben weiterzuführen und nach vorne zu blicken. Unter dem Begriff „Doompop“ führt Jack Letten alias ERIK COHEN seine Musik auf der offiziellen Facebook-Präsenz. Bekannt wurde er als Frontmann der Hardcore-/Metalcore-Formation Smoke Blow, die mittlerweile Geschichte ist. Mit dem ersten Werk „Nostalgie für die Zukunft“ konnte der Musiker bereits nennenswerte positive Reaktionen erzielen. Jetzt steht der Nachfolger „Weisses Rauschen“ unmittelbar in den Startlöchern, um das Jahr 2016  möglichst würdevoll einzuläuten.

Die erste wichtige Notiz ist, dass die Musik von ERIK COHEN trotz poppiger Attitüde vorranig im Rock angesiedelt ist. Auch Hard Rock, Metal und Wave blitzen gelegentlich in den Kompositionen auf. In lässiger Herangehensweise schmiedet Letten deutschsprachige Geschichten, die in Songs verpackt wurden und dabei eine gewisse verzweifelte Atmosphäre erschaffen oder zumindest einen depressiven Unterton tragen. Dies beruht aber nicht ausschließlich auf den Inhalten, sondern auch auf der düsteren Stimme des Sängers, die schon im Opener „Hier ist nicht Hollywood“ gekonnt zum Tragen kommt. Auch Songtitel wie „Schattenland“ oder „Regen“ unterstützen diese Herangehensweise. Doch zwischen aller Melancholie scheint immer wieder Hoffnung hindurch, die neue Wege besingt und den Mut beschwört („Neues Blut“). Hinzu kommt höchst melodiöse Gitarrenarbeit, die aber nicht ausschließlich im Hintergrund passiert, sondern sich wiederholt in den Vordergrund spielt und emotionale Soli hervorbringt. Hierfür sei als Beispiel „Totenspinnengeist“ genannt. Im akustischen Gewand kann die Saitenfraktion ebenfalls überzeugen („Regen“) oder setzt auf Blues-Akzente („Der heilige Gral“). Bassist Björn Seitz und Schlagzeuger Normen Rehse komplettieren das musikalische Konzept in einer grundsoliden Rolle, ohne die die neuen Stücke nicht das wären was sie auf dem Endprodukt präsentieren.

Es sei jedoch nochmal erwähnt, dass „Weisses Rauschen“ grundsätzlich ein Album ist, dass vom Erzählen von Geschichten lebt. Diese stammen direkt aus dem Leben, sind immer nachvollziehbar, mal lyrischer und mal ohne Umschweife erzählt. Damit werden emotionale Momente erschaffen, die greifbar gestaltet sind und jeder schon auf die eine oder andere Weise erlebt hat. Das macht das zweite Album von ERIK COHEN und seinen drei Musikerkollegen zu einem sehr persönlich erscheinenden Werk deutschsprachiger Tonkunst.

ERIK COHEN trägt seine musikalische Arbeit auf „Weisses Rauschen“ weiter, die „Nostalgie für die Zukunft“ vielversprechend begonnen hat. Vorrangig im Deutschrock angesiedelt ist es die Vernetzung mit Pop, Wave und härteren Rockgenres, die dieses Zweitwerk zu einem in jeder Hinsicht interessanten Release machen. Des Pudels Kern sind aber die erzählten Geschichten, die zwei emotionale Gesichter haben, die sich Verzweiflung und Hoffnung nennen und die rauchig-interessante Stimme des Fronters. Ein Meilenstein der deutschsprachigen Rockmusik ist das Album wohl nicht, aber für einige schöne Stunden hat es genug Inhalt, musikalisches Können und einigen Ohrwurmcharakter zu bieten.

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Wertung: 7.5 / 10

Publiziert am von Christian Denner

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