Review Escuela Grind – Memory Theater

Grindcore ist wohl eines der (Sub-)Genres, indem es mit am schwersten ist, neue Akzente zu setzen. Denn was soll nach den sich ständig verändernden und weiterentwickelnden Napalm Death oder den unsterblichen Nasum noch groß kommen? Und doch gibt es immer wieder Bands, die sich diesem Genre zuwenden und versuchen, ihren eigenen Weg zu beschreiten. ESCUELA GRIND sind eine dieser Truppen, die nach zwei EPs und einem vielversprechenden Debüt („Indoctrination“, 2020) nun mit „Memory Theater“ ihr zweites Album vorlegen.

Dass sich bei den bisherigen Releases von ESCUELA GRIND sukzessive die Brutalität steigerte, lässt zunächst nicht das Beste für das zweite Album der Band hoffen. Denn immer nur einfach brutaler zu werden, kann kaum als Weiterentwicklung bezeichnet werden. Umso erfreulicher ist der Umstand, dass die Combo auf „Memory Theater“ dem Hörer nicht nur mit stumpfem Geballer begegnet. Allerdings ist dies nicht gleichbedeutend mit einer sanfteren Gangart oder gar entspannten Sounds. Vielmehr durchsetzt die Gruppe ihren brachialen Grindcore auf „Memory Theater“ immer wieder mit anderen Stilmitteln, bricht ihn dadurch auf und hält ihn spannend. Dabei sind diese Elemente jedoch nicht minder harten (Sub-)Genres entlehnt: Hardcore, Death Metal und Power Violence finden ihren Weg in den Sound von ESCUELA GRIND.

Mit „Endowed With Windows” und „My Heart, My Hands” beginnt die Platte mit einem Hardcore-Kickstart, der den Hörer direkt in seinen Bann schlägt. Ohne Unterlass prasselt das Geknüppel aus den Boxen, die Songs gehen nahtlos ineinander über und sind doch klar voneinander unterscheidbar. „Strange Creature Of Nothingness” und „All Is Forgiven” sind Kakophonien der genannten Einflüsse, auf denen Sängerin Katerina Economou mit einem energiegeladenen Gebrüll begeistert, das sich vor niemandem in der Szene verstecken muss. Highlight der Scheibe ist „Forced Collective Introspection“, ein absolutes Biest von einem Song, das einer Naturgewalt gleichkommt.

ESCUELA GRIND haben sich sicher nicht auf die Fahne geschrieben, grundlegend Neues zu wagen. Und doch gelingt ihnen mit ihrem Zweitwerk eine großartige Scheibe, deren Brutalität aus verschiedenen Elementen zusammengesetzt wird und dadurch abwechslungsreich und interessant bleibt. Zudem überzeugt „Memory Theater“ mit seiner Spielzeit von 21 Minuten – get in, destroy, get out. So muss Grindcore sein.

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Wertung: 8.5 / 10

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