Final Light Artwork

Review Final Light – Final Light

Wenn Roadburn-Mastermind Walter Hoeijmakers eine Idee hat, lohnt es sich erfahrungsgemäß, genauer hinzuhören. Das gilt auch für FINAL LIGHT, das Brainchild von Synth-Wave-Postpunk-Chorephäe James Kent alias Pertubator, dem Hoeijmaker 2019 die Möglichkeit eingeräumt hatte, im Rahmen des Roadburn-Festivals mit einem beliebigen Musiker zu kooperieren. Die Wahl fiel auf Johannes Persson, seines Zeichens Gitarrist und Vokalist der Post-Metal-Institution Cult Of Luna. Dann kam Corona und es sollte rund drei Jahre bis zur Präsentation von FINAL LIGHT auf dem Roadburn Festival 2022 dauern. Retro-Keyboardklänge und Post-Metal-Gitarrenwände bzw. -shouts: Kann das gut gehen?

Es kann, wie sich bereits nach dem zweigeteilten Opener „Nothing Will Bear Your Name“ zeigt: Drei Minuten reine Elektronik, quasi als Intro, gefolgt von weiteren drei Minuten dicken Beats, Synths, Gitarren und Growls, die sich in Sachen Intensität, Härte und Tempo kontinuierlich steigern. Blade-Runner-Soundtrack auf Steroide beschreibt das Gehörte recht treffend. Das Fundament der sechs Kompositionen sind in jedem Fall die offensiv elektronischen Beats von Kent, über die sich mehr als nur ein bisschen an die achtziger Jahre erinnernde Synthesizerspuren ausbreiten, die auch einen Großteil des zu Verfügung stehenden Klangspektrums einnehmen. Es bleibt gerade genug Platz für Perssons bestenfalls gedoppelte Gitarren und Vocals, wobei erstere oftmals mit besagten elektronischen Elementen zu verschmelzen scheinen.

Persson erfindet das Post-Metal-Rad in keinem Moment neu, weder in Sachen Gitarrenspiel noch bei der Vocal-Performance – die allerdings gefühlt ein wenig hasserfüllter als bei seiner Hauptband Cult Of Luna wirkt. Dies erklärt sich durch die Thematik, beschreibt Persson in seinen Texten die negativen Erfahrungen, die er mit einer toxischen Persönlichkeit in seinem Umfeld gemacht hat.

Keyboards sind im Postrock bzw. -metal sicher keine Seltenheit, aber so offensiv elektronisch kommen die wenigsten Bands aus dem Segment daher. Das macht das FINAL-LIGHT-Album durchaus zu etwas Besonderem. Die durchgehend filmische Atmosphäre dominiert auf Albumlänge und sorgt in Verbindung mit den fließenden Übergängen zwischen den Stücken für den perfekten Soundtrack für das eigene Kopfkino (oder auch den nächsten Cyberpunk-Dark-Future-Blockbuster) – in dieser Hinsicht Cult Of Luna, gerade wenn man den thematisch auf Fritz Langs Stummfilmklassiker „Metropolis“ basierenden 2013er Output „Vertikal“ betrachtet, natürlich nicht ganz unähnlich.

Wie man es von einer größtenteils elektronischen und im Computer generierten Produktion erwarten darf, kommt der FINAL-LIGHT-Longplayer ziemlich fett daher und dröhnt angenehm rund aus den Boxen – in Sachen Produktion also kein Grund zur Klage, zumal mit Magnus Lindberg ein mehr als bewährter Mastering Ingenieur an den Reglern saß. Nicht zu unterschätzen ist dabei der Umstand, dass die Tracks durch Perssons Beitrag nicht zu steril klingen und noch ein bisschen organisch daherkommen. Trotzdem sollte sich der Zuhörer auf eine industrielle und unterkühlte Soundästhetik einstellen.

Wer den genannten musikalischen Elementen offen gegenüber eingestellt ist, wird schon nach dem ersten Durchgang von „Final Light“ das eine oder andere Highlight wie den Titeltrack oder auch die erste Auskopplung „Into The Void“ ausgemacht haben. Auch das repetitive, mantraartige „It Came With The Water“ überzeugt und erinnert phasenweise ein wenig an die Industrial-Legende Godflesh. Leider fallen die letzten beiden Songs qualitativ ein wenig ab, gerade „the Fall Of A Giant“ wirkt recht generisch. Von einem Totalausfall kann jedoch keine Rede sein, zumal die Spielzeit mit etwas über einer dreiviertel Stunde angenehm bemessen ist und nichts unnötig breitgetreten wird.

Selbst wer nichts für die elektronische Musik von Pertubator übrig hat, könnte an FINAL LIGHT Gefallen finden – zumindest, wenn man kein Problem mit Industrial Metal und artverwandten Genres hat. Wer Cult Of Luna oder frühe Crown-Alben mag, wird sich mit dem Debüt des Duos sowieso schnell anfreunden können. Tatsächlich haben die beiden Musiker es geschafft, dem schon arg strapazierten Post-Irgendwas-Genre eine neue Facette hinzuzufügen, die Spaß und Lust auf mehr macht. Coole Platte!

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Wertung: 8 / 10

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