CD-Review: HIM - Deep Shadows and Brilliant Highlights

Besetzung

Ville Valo - Gesang
Linde - Gitarre
Migé Amour - Bass
Gas Lipstick - Schlagzeug
Jusoka - Keyboard

Tracklist

01. Salt in our Wounds
02. Heartache every Moment
03. Lose you tonight
04. In Joy and Sorrow
05. Pretending
06. Close to the Flame
07. You are the One
08. Please don't let it go
09. Beautiful
10. In Love and lonely
11. Don't close your Heart
12. Love you like I do


Nach den zwei grandiosen Vorgängern, „Greatest Lovesongs Vol. 666“ und „Razorblade Romance“, war nicht abzusehen, in welche Richtung sich die fünf Finnen im Dienste ihrer infernalen Majestät auf dem sogenannten „Make it or break it“-Album entwickeln würden. Aufschluss gibt es natürlich am ehesten, wenn man das Album dem knallharten und objektivem Metal1-Test unterzieht.
Sehr suspekt ist mir dann direkt der Opener „Salt in our Wounds“, der von irgendwelchen indisch-afrikanischen Instrumenten durchzogen wird. Der Refrain zieht das ganze etwas nach oben, er kommt härtetechnisch zwar nichteinmal an so manch ein „Razorblade Romance“-Stück ran, erfüllt seinen Zweck aber. Höhepunkt dieses an und für sich knapp oberdurchschnittlichen Songs ist ein Gitarrensolo, das allerdings auch jenseits von Innovation anzusiedeln ist.
„Heartache every Moment“, eine Single-Auskopplung, geht da schon vertrautere und letztendlich bessere Wege. Das Klavier / Keyboard findet wieder sinnvolle Verwendung, die Strophen sind eher sachte gehalten. Headbang-Alarm gibt es beim Refrain nicht, was aber auch reichlich unangebracht wäre. Netter Song, auf jeden Fall eine Steigerung zum Opener.

Hm, scheinbar packt man die feine Kost Stück für Stück aus, denn „Lose you tonight“ geht riffig los, geht in eine groovige, düster-ernste Strophe über und überzeugt mit einem Ohrwurm-Refrain. So gefällt mir das!
Track 4 heißt „In Joy and Sorrow“ und wurde damals mit Single und Video bedacht. Beides verwundert kaum, da der Song ausgesprochen ruhig, dennoch nicht richtig balladesk daher kommt. Video und Single – schön und gut, etwas Feuer unter dem sprichwörtlichen Hintern hätte dem Song aber um einiges besser getan, denn größtenteils schleppt er sich so umher und fesselt nicht wirklich. Musik zum nebenbei hören.
„Pretending“ wurde für würdig gehalten, die erste Single-Auskopllung aus diesem Werke zu sein. Nicht zu Unrecht, der Song ist eingängig und gut, doch fällt hier teilweise besonders auf, was sich schon die ganzen bisherigen Songs her abgezeichnet hat…die Gitarre hört sich einfach nicht mehr richtig rockig an, wirkt stattdessen massenkompatibel gemacht und auch einfach nicht mehr so energisch wie auf dem Vorgänger. Trotz alledem ein ordentlicher Song.
„Close to the Flame“. Nun ja, HIM-Songs handeln eigentlich fast immer von der lieben Liebe, doch über zwei Alben hat man eigentlich davon abgesehen, dass in eine richtige 08/15-Ballade ohne Individualität und Abwechselung zu packen. Über zwei Alben. Was einem hier geboten wird, ist allerdings genau der eben angesprochene Stil einer Ballade. Das hier kann man vielleicht bei Trennungsschmerz und ähnlichem Hören, eine gute Ballade zeichnet sich meiner Meinung nach aber danach aus, dass man sie eigentlich immer hören kann / möchte – das ist hier sicher nicht der Fall.
Songtitel wie „You are the One“ sitzen sicherlich auch nicht auf dem Thron der Innovation, der Song an sich beginnt aber nett und mit einer recht tiefen Gitarre, während im Refrain doch recht poppig geträllert wird. Sicher nicht schlecht, richtig toll aber auch nicht.

An achter Stelle hören wir „Please don’t let it go“. Irgendwie etwas, was man schonmal gehört hat, vielleicht sogar schon auf diesem Album…der Song ist wirklich nicht schlecht, Meister Valo scheint aber keine kreative Hochphase durchlebt zu haben. Allerdings wird’s beim zweiten Refrain und dem Gitarren-Solo noch etwas zügiger und rockiger.Die nächste Ballade hört auf den Namen „Beautiful“, und hier lässt sich fast das selbe sagen wie zur vorhergegangenen. Hier gibt es wenigstens einen gewissen Gothic-Touch, der macht’s aber nicht wieder wett. Ein extrem kitschiger Text (und das soll was heißen, wenn selbst ich als Fan das über HIM sage) verbunden mit einer Melodie, die was für 13-jährige, weibliche Goth-Azubis ist…nö. Nicht schön.
Die Verse von „In Love and lonely“ sind ziemlich gut geworden, würde da jetzt ein fetziger Refrain folgen, hätten wir es mit einem echt guten Lied zu tun, doch genau das bleibt leider aus…so kann sich auch der vor-vor-letzte Track des Albums nicht aus der Durchschnittlichkeit ziehen.
Grausam, wirklich grausam beginnt „Don’t close your heart“. Der Refrain schließt sich da nahtlos an, das ist vermutlich einer der schlimmsten Keyboard-Einsätze, die ich in der Rock-Szene bisher erdulden musste. Das schlimmste: Der Refrain wäre auch ohne das Keyboard Mist! Wenn der Keller den Totalausfall darstellt, klopft dieser Song an der Tür und will rein…
Schlag mich tot, mit „Love you like I do“ gibt es dann noch einmal eine handfeste Abwechselung. Zwar wird auch hier nicht mehr gerockt, sehr tiefe Vocals liegen aber auf einer Orgel und werden im Chorus von einer bluesig-angehauchten Gitarre begleitet. Irgendwie nichts was man sich öfters anhören möchte, aber der gute Wille noch was frisches reinzubringen, gehört angerechnet – ein bisschen zumindest.

Fazit: Ohne großes Geschwafel ist dieses Album einfach eine herbe Enttäuschung. Hörte man auf dem Debüt-Album noch feinsten Gothic Metal und auf dem Vorgänger zumindest sehr guten Rock, werden einem hier poppige Gitarrenmelodien um die Ohren gehauen – wenn es nicht gerade eine Ballade setzt, die an Kitsch kaum zu überbieten ist. Auch wenn es in Metal/Rock-Kreisen unglücklich klingt sich drüber zu beschweren…aber hier wird wirklich Kommerzialisierung jenseits von Gut und Böse betrieben. Die Gitarre ist wie erwähnt kaum noch richtig rockig, die Songs teilweise extrem trivial und es wird ganz klar auf die weibliche Fanschar abgezielt. Das schlimmste daran ist, dass das eigentlich vollkommen unnötig gewesen wäre! „Razorblade Romance“ war ein Nummer 1-Album und sehr gut zugleich, dieses Album war zwar nur einen Platz von der Topplatzierung entfernt, von der Klasse beider Vorgänger jedoch meilenweit. Das einzig gute an diesem Album ist eigentlich, dass es der Band im Nachhinein selber zu mainstream-orientiert und poppig war und man sich teilweise sehr enttäuscht gezeigt hat, da die Demos weitaus besser und rockiger gewesen sein sollen. Zum Glück wurde es mit dem Nachfolger „Love Metal“ wieder um Klassen besser.

Bewertung: 6 / 10

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