CD-Review: Intronaut - Fluid Existential Inversions

Besetzung

Sacha Dunable – Gesang, Gitarre
Dave Timnick – Gesang, Gitarre
Joe Lester – Bass

Gastmusiker:
Alex Rüdinger – Schlagzeug

Tracklist

01. Procurement Of The Victuals
02. Cubensis
03. The Cull
04. Contrapasso
05. Speaking Of Orbs
06. Tripolar
07. Check Your Misfortune
08. Pangloss
09. Sour Everythings


Mit ihrem Mix aus Progressive, Post- und (zuletzt auch wieder deutlich mehr) Sludge Metal haben sich INTRONAUT über die Jahre einen eigenständigen und vielseitigen Sound zugelegt. Vor allem auf ihrem fünften Studioalbum „The Direction Of Last Things“ funktionierte die Kombination aus ausgelassenen Screams, hypnotischen Clean-Vocals, zähen Groove-Riffs, verspielten Jazz-Einlagen und komplexer Polyrhythmik ganz hervorragend. Technisch anspruchsvolle Musik wie diese ist jedoch nicht nur schwer zu spielen, sondern bedarf auch eines wohlüberlegten Schreibprozesses. Es ist daher durchaus nachvollziehbar, dass INTRONAUT sich fünf Jahre Zeit genommen haben, um das Nachfolgealbum „Fluid Existential Inversions“ zu kreieren.

Nicht einmal eine volle Minute brauchen INTRONAUT, um etwaige Vermutungen, die Band hätte in den vergangenen fünf Jahren auf der faulen Haut gelegen, restlos aus dem Weg zu räumen. In seiner knappen Laufzeit entwickelt sich das Intro „Procurement Of The Victuals“ von einem zarten Auftakt mit unverzerrt gespielten Gitarrenakkorden zu einem wuchtigen Sludge-Monstrum und geht schließlich mit hektischen, schnittigen Gitarren in den eigentlichen Opening-Track „Cubensis“ über. Im weiteren Verlauf der gut 50 Minuten langen LP warten INTRONAUT mit sämtlichen Tricks aus ihrem musikalischen Repertoire auf.

Der Klargesang wechselt von kraftstrotzend zu sanft verträumt, die eher heiseren Screams und grobkantigen Gitarrenriffs haben sogar noch ein Stück mehr Durchschlagskraft als auf „The Direction Of Last Things“ und mit ihren vertrackten Drums sowie spacigen Electro-Sounds und Keyboards stellt das Trio einmal mehr sowohl vorbildliches spielerisches Können als auch Ideenreichtum unter Beweis. Besonders schön klingt „Fluid Existential Inversions“ in den ätherischen Post-Rock-Passagen, in denen INTRONAUT sich aus dem Morast der Metal-Instrumentierung lösen und mit effektbeladenen Clean-Gitarren in transzendente Sphären entschweben („Pangloss“).

Davon abgesehen, dass ebendiese Abschnitte auf dem sechsten Album der Amerikaner eher die Ausnahme bilden, hat „Fluid Existential Inversions“ jedoch eine nicht unwesentliche Schwäche: seinen Mangel an Konsistenz. Leider ist es INTRONAUT diesmal nicht so gut gelungen, ihre unterschiedlichen Einflüsse in einen durchwegs stimmigen Kontext zu setzen. Aus diesem Grund machen die neuen Songs einen recht zerfahrenen Eindruck und sind zudem kaum in Erinnerung zu behalten.

Aus rein technischer Sicht vollführen INTRONAUT auf „Fluid Existential Inversions“ abermals einige beeindruckende Kunststücke. Seinem Titel wird die Platte jedoch nicht ganz gerecht – flüssig läuft hier nämlich kaum etwas. So beeindruckend es auch sein mag, den Progressive-Metallern dabei zuzuhören, wie sie verworrene Arrangements aneinanderreihen, so wenig bleibt auf Dauer davon hängen und so gering ist der Antrieb, sich damit wiederholt eingehender zu beschäftigen. Nach einem halben Dutzend Hördurchgängen ohne bleibende Eindrücke findet man sich schlicht damit ab, dass INTRONAUT hiermit ein unterhaltsames, aber wohl nur für die wenigsten längerfristig bedeutsames Werk vorgelegt haben.

Bewertung: 6.5 / 10

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