Review Intronaut – Void

Wie klingt die Musik einer Band, deren musikalische Vorbilder Bands wie Camel, Yes und King Crimson auf der einen, Slayer, Bolt Thrower und Black Sabbath auf der anderen Seite sind? Im Falle von INTRONAUT lautet die Antwort: modern, hart, progressiv, atmosphärisch. Die vier Amerikaner, im Alter zwischen 25 und 29, bieten auf ihrem Debüt „Void“ einen Ausblick auf die Zukunft der progressiven Musik. Bereits die im gleichen Jahr erschienene EP „Null“ zog begeisterte Kritiken nach sich. Zwar sind ihre Kollegen von Mastodon und Isis einen Schritt voraus, aber INTRONAUT legen mit ihrem Erstling einen weiteren wichtigen Grundstein für die Zukunft des progressiven Metals.

Das Album beginnt mit verzerrten Geräuschen, denen zurückhaltend das Schlagzeug folgt. Langsam baut sich eine unheilvolle Atmosphäre auf, die sich schlussendlich in eine wilde Schlagzeug- und Rifforgie entlädt. Ähnlich wie die Instrumente werden auch die Vocals als alles zerstörende Wirbelstürme voller Gewalt eingesetzt. Nach dem ersten Aufbegehren kehrt erstmal wieder Ruhe ein und der Track endet mit einem melodiösen Outro.
„Gleamer” gibt danach aber gleich ordentlich Gas und auf die Fresse. Hier beeindruckt mich vor allem die Performance des Schlagzeugers Walker, der eine Kreuzung aus Mensch und Tintenfisch sein muss. Dieser Song lässt auch teilweise sehr doomige Passagen durchscheinen, bevor wieder alles dem Erdboden gleich gemacht wird. Der Track endet ähnlich wie der erste, wobei der Schluss technisch etwas hochwertiger rüberkommt.
Wenn man denkt, man hat den Songaufbau und die Herangehensweise der Band einigermaßen verstanden, wird man gleich wieder eines besseren belehrt. „Fault Lines“ beginnt mit undefinierbarem Knistern, das aber schnell in ein atmosphärisches Intro übergeht. Doch wie im echten Leben auch, steht auf dieser Platte die Schönheit mancher Passagen dem absoluten Chaos und der Verwirrung gegenüber. Und das lassen uns die jungen Amerikaner nie vergessen. An dieser Stelle ist auch das Bassspiel Lesters positiv hervorzuheben, das beim nächsten Track “Nostalgic Echo“ sogar etwas Entspannung aufkommen lässt. Das Ende lässt dann das erste Mal meinen Nacken kreisen.

Schön langsam dürfte dem geneigten Hörer auch klar werden, dass die Vocals immer harsch bleiben werden. Cleaner, emotionaler Gesang steht nicht auf dem Plan von INTRONAUT. Die Songs halten sich alle über der fünf Minuten Grenze, wobei „Teledildonics“ mit über sieben Minuten an der Spitze liegt. Der jetzt schon fast obligatorische ruhige Teil des Songs überrascht abermals, als man die im Western-Stil gezupften Gitarren hört. Beim Übergang zu Track 6 „Iceblocks“ merkt man am deutlichsten, dass die einzelnen Songs fast nahtlos ineinander übergehen, weswegen das Album auch in einem Stück genossen werden sollte. „Iceblocks“ bietet Breaks und Melodien soweit das Ohr reicht. Wenn man glaubt, man hat einen Takt gefunden, an dem man sich festhalten kann, wird er einem unter den Füßen weggezogen. Highlight dieses Songs ist das kurze Basssolo, das abermals falsche Gelassenheit vortäuscht. Entlassen werden wir mit „Rise to Midden“, das die ersten Minuten aufgrund der Melodieführung fast an Melodic Death Metal denken lässt, bevor wieder ein Drum- und Riffgewitter auf uns einbricht und der Song seine gewohnten Bahnen geht. Die europäische Version des Albums, die mir leider nicht zur Verfügung stand, enthält zusätzlich noch den Bonustrack „Fragments Of Character“.

Während Bands wie Trivium und Bullet For My Valentine als Zukunft des Metal gehypt werden, entwickelt sich Abseits des Mainstreams eine Szene bestehend aus innovativen jungen Bands, die das Genre wirklich voranbringen und für mich zu den Begründern des Post-Metals zählen werden. Zu diesen Gruppen gehören Namen wie Mastodon, Isis und eben auch INTRONAUT und sie sind lange noch nicht am Ende ihrer Entwicklung angekommen. Auch bei „Void“ gibt es noch einige Kleinigkeiten, die zu verbessern sind. So wirkt der Gesang über die Länge des Albums manchmal etwas zu eintönig und ein wenig Abwechselung würde gut tun. Hier spreche ich aber keinesfalls von schwülstigen cleanen Passagen. Während die stimmungsvollen Teile eines Songs immer sehr kreativ gestaltet sind, wirken die harten Passagen oftmals ähnlich und steril.
Wie vielleicht schon klar geworden ist, ist „Void“ keine leichte Kost. Die Musik fordert immer wieder vehement die Aufmerksamkeit des Hörers und auch einige Anläufe, um sich im Ohr festsetzen zu können. Wer sich aber darauf einlässt, den erwartet eine wilde Achterbahnfahrt der Emotionen. Nach liebevollen Streicheleinheiten bekommt man die Faust mitten ins Gesicht, bevor man wieder getröstet wird. Keine Musik für die Massen, aber die haben sie auch nicht verdient.

Wertung: 8 / 10

Geschrieben am 6. April 2013 von Metal1.info

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