Review Lacuna Coil – Shallow Life

Gleich was man über das Release denken mag, seit dem 2006er „Karmacode“ sind LACUNA COIL zu den ganz Großen im Geschäft zu rechnen, ob man will oder nicht, und dementsprechend ist die Band um Frontfrau Christina Scabbia auch zu einem der größten Zugpferde im Stall von Century Media avanciert. Die Frage, die sich viele Fans im Zuge der „Shallow Life“-Veröffentlichung stellten war folglich, ob die Truppe sich selbst treu bleiben oder ob die Chance nutzen und eine Scheibe voller hauptsächlich gut vermarktbarer Songs abliefern würde. Wie sich heraustellt, ist es im Endeffekt aber irrelevant, wofür sich die Band entschieden hat.

Auf der einen Seite ist erstmal ganz klar: Das hier sind LACUNA COIL. Da haben auch drei lange Jahre nichts dran geändert, sie klingen, wie sie klingen. Der wunderschöne Gesang Christinas, der als Gegenpol fungierende, bisweilen leicht röhrende Andrea, die eingängigen Melodien – alles wie gehabt. Und doch lässt sich bei vielen Songs nicht abstreiten, dass beim Schreiben derselben durchaus auf den Absatz geschielt sein worden könnte. Exemplarisch dafür „I Like It“: Mit starken Pop-Anleihen, tanzbaren Rhythmen, mitgröhlbarem Refrain und einfachen Strukturen erinnert man nicht zu knapp an bekannte alteingesessene Pop-Größen. Der Gesang Christinas mutet hier dann auch gerne girliehaft an, für den knallharten Fan Grund genug, aus vollem Herzen „Ausverkauf!!!“ zu rufen. Wie man LACUNA COIL allerdings einen Strick aus massentauglichen Songs drehen kann, verstehe ich nicht. Auch wenn es untilgbare Schmerzen in der Brust des wahren Fans verursachen mag, gerade die Melodien eben jener Songs gehen umso mehr unter die Haut. Bestes Beispiel ist wiederum „I Like It“, welches zu Beginn mit höchst mitreißender Gitarrenmelodie und in Richtung Refrain mit nachdenklichem, unter die Haut gehendem Gesang Christinas punkten kann. Auch „Spellbound“ oder „I Won’t Tell You“ sind nicht allzu weit vom Chartbreaker entfernt, wirken aber bei aller Eingängigkeit nicht lieblos zusammengeschustert sondern, gerade durch die Zusammenspiele der beiden Gesangsarten, durchdacht.

LACUNA COIL schaffen den Spagat zwischen eingängigen und stimmungsvollen Songs bravourös und überzeugen auch 2009. Zwar finden sich gerade auf der zweiten Hälfte des Albums einige Nummern, die etwas unmotiviert wirken und auch Andreas Gesang ist nicht immer das Gelbe vom Ei, insgesamt hinterlässt „Shallow Life“ trotzdem einen zufriedenstellenden Gesamteindruck. Echte Tiefe fehlt dem Album natürlich komplett, aber darüber kann man großzügig hinwegsehen unter dem Gesichtspunkt, dass stets gute Stimmung verbreitet wird. Wenn man es so wie die Italiener versteht, „Mainstream“ mit guten Songs zu kombinieren, dann bitte!

Wertung: 8 / 10

Publiziert am von Marius Mutz

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