CD-Review: Mare Cognitum - The Sea Which Has Become Known (Re-Release)

Besetzung

Jacob Buczarski – Gesang, Instrumente

Tracklist

01. Internal Deliquescence
02. A Vain Lament
03. Vehement Coalescence
04. Lustrate
05. The Immortal Plague


Mit seiner 2016er Platte „Luminiferous Aether“ hat Jacob Buczarski zuletzt vermutlich das Magnum Opus seines Soloprojekts MARE COGNITUM geschaffen – ein Atmospheric-Black-Metal-Werk kosmischen Ausmaßes. Dabei gibt es das Projekt eigentlich noch gar nicht so lang. Erst 2011 erschien mit dem gewissermaßen selbstbetitelten „The Sea Which Has Become Known“ das erste musikalische Lebenszeichen des amerikanischen Einzelkünstlers. Sieben Jahre später kann man sich die Entwicklung, die MARE COGNITUM zwischen diesen beiden Alben vollzogen hat, eindrucksvoll vor Augen führen, denn das Debüt wird nun erneut veröffentlicht.

Bis auf das Artwork, das auf dem Re-Release eher dem malerischen, verschrobenen Stil der Nachfolgealben entspricht, hat Buczarski sein Erstlingswerk bewusst unverändert gelassen, um den Fans einen möglichst unverfälschten Eindruck davon zu verschaffen. Hier bekommt man keinen aufwändigen Remaster, keine zusätzlichen Bonustracks oder Demo-Versionen, sondern schlicht die ersten fünf Songs von MARE COGNITUM in ihrer Originalfassung. Tatsächlich ermöglicht dies einen aufschlussreichen Einblick in die Anfänge des Projekts. So offenbart etwa der Opener „Internal Deliquescence“ bereits im ersten Augenblick ein Stilmittel, auf das MARE COGNITUM zuletzt überhaupt nicht mehr zurückgegriffen hatte: ein eisig kaltes, tristes Piano-Arrangement.

Nach diesem stimmigen Einstieg findet man auch im weiteren Verlauf der 40-minütigen Platte das eine oder andere kompositorische Kleinod, wie zum Beispiel die spacigen Electro-Sounds am Ende von „Vehement Coalescence“ oder die gelegentlichen Backing-Keyboards, die durchaus zur Stimmung beitragen. Ansonsten zeigt „The Sea Which Has Become Known“ jedoch bereits weitgehend den Grundriss, nach dem die Songs von MARE COGNITUM auch heute noch aufgebaut sind. Die Kompositionen folgen zumeist einem wirkungsvollen Spannungsbogen, der seinen Höhepunkt in einem Mahlstrom aus tosenden, teils fast schon chaotischen Riffs, gewaltigen Blast-Beat-Eruptionen und kernigem Schreigesang findet.

Vor allem „A Vain Lament“ kann man hinsichtlich seines dramatischen Tremolo-Pickings als frühes Meisterstück bezeichnen. Vergleicht man das Debüt mit „Luminiferous Aether“ wird jedoch unüberhörbar, dass MARE COGNITUM damals noch in seinen Kinderschuhen steckte. Die alten Tracks sind nämlich noch größtenteils kürzer, die vereinzelt doch noch etwas wirren Arrangements nicht so flüssig, sphärisch und überwältigend wie auf späteren Veröffentlichungen und die allzu rohe Produktion lässt ebenfalls Luft nach oben.

Manche Bands schaffen mit ihrem ersten Album bereits ihr größtes Werk, das sie in den Augen der Fans nie übertreffen können, andere hingegen perfektionieren ihren Stil erst nach und nach. MARE COGNITUM fallen ganz offensichtlich in die letztere Kategorie. Doch obschon die erneute Veröffentlichung von „The Sea Which Has Become Known“ den Blick nicht unbedingt auf das stärkste Kapitel des Projekts lenkt, handelt es sich dabei doch um eine interessante Retrospektive. Die kreative Glut, die später zu einem Großbrand werden sollte, war hier jedenfalls eindeutig bereits entfacht, sodass der Re-Release gewiss seine Berechtigung hat.

Bewertung: 6.5 / 10

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