Review Mayhem – Liturgy Of Death

  • Label: Century Media
  • Veröffentlicht: 2026
  • Spielart: Black Metal

Die Geschichte von MAYHEM ist oft genug erzählt, zuletzt nochmal von MAYHEM selbst im Rahmen ihrer Jubiläumstour zum 40-jährigen Bandbestehen. Spart man die ganze Legendenbildung aus und lässt die turbulenten Anfangsjahre mal außen vor, lässt sich die Band auf einen sehr schnellen Schlagzeuger (Hellhammer), zwei unverwechselbare Sänger (Attila/Maniac) und drei wechselnde, auf ihre ganz eigene Art extrem versierte Songwriter (Euronymous, Blasphemer und Teloch) herunterbrechen.

Jeder aus diesem Trio hatte, aus mehr oder weniger tragischen Gründen, grob gerechnet rund zehn Jahre, um die Geschicke der Band zu prägen: Während Euronymous MAYHEM in drei Releases vom Proto-Metal auf „Pure Fucking Armageddon“ und „Deathcrush“ zum genreprägenden „De Mysteriis Dom Sathanas“ führte, drehte Blasphemer MAYHEM nach der „Wolf’s Lair Abyss“-EP mit „Grand Declaration Of War“ zunächst auf links, um sie dann mit „Chimera“ und „Ordo Ad Chao“ tiefer in die Essenz des Black Metal abtauchen zu lassen, als es so manchem Genre-Puristen recht war. An dieser Stelle übernahm schließlich Teloch und sicherte seinen Job mit dem Winkelzug, die Lager zu vereinen: Schon „Esoteric Warfare“ war zwar verschroben und vertrackt, aber eben auch als klassischer Black Metal erkennbar. Auf „Daemon“ traf das noch mehr zu.

Mit „Liturgy Of Death“ steht nun der dritte Release unter der Ägide von Teloch an. Wenn schon nichts darauf hindeutet, dass dessen Engagement und damit das bislang stabilste Line-up der Bandgeschichte enden könnte, stellt sich doch die Frage, was von diesem dritten Album zu erwarten ist – Stilwechsel oder Kontinuität?

Mit den ersten Tönen von „Ephemeral Eternity“ beantwortet sich diese Frage nicht – denn MAYHEM legen zwar mit recht typischem Black Metal los, der aber vielschichtiger arrangiert ist als beim Gros der anderen Genre-Bands: Zu Beginn überrascht subtiler Klargesang die Hörenden, ehe Attila am Mikrofon „Attila-Dinge“ tut. Der Song selbst pendelt zwischen Uptempo mit maschinengewehrartiger Doublebass und schleppenden Passagen. Das könnte man zerfahren nennen, oder aber ungestüm und wild, wie Black Metal eben klingen sollte. Das folgende „Despair“ schielt überraschend deutlich gen „Grand Declaration Of War“ – wäre da nicht statt Maniac unüberhörbar Attila, der dem Song mit seinem charakteristischen Gurgeln seinen Stempel aufdrückt.

Nach der ersten Viertelstunde sind die Duftmarken gesetzt, ist das Revier abgesteckt, in dem MAYHEM in der folgenden Dreiviertelstunde herumstrolchen. Den rabiaten Stilwechsel braucht nun niemand mehr zu befürchten – wirklich ungewöhnlich wird es tatsächlich erst wieder am Ende des letzten Songs der regulären Version des Albums, „The Sentence Of Absolution“, das MAYHEM mit Tribal-Percussions unerwartet spirituell-rituell zelebrieren. Bis dahin führen MAYHEM einfach auf konstant hohem Niveau weiter, was begonnen wurde.

Langweilig wird das so schnell nicht – dafür passiert im dichten Sound auf allen Ebenen konstant zu viel: Das extrem präzise Schlagzeug, die erfreulich gut hörbaren Bass-Lines, das alles andere als durchschnittliche Riffing und eben, immer wieder Attila, der auch diesmal stets für eine Überraschung gut ist. Man muss aber auch sagen: Wer sich zwischendurch einen Kaffee macht, verpasst nichts Entscheidendes. Dieses Fazit lässt sich so zwar auch auf die beiden Bonustracks der limitierten Edition übertragen – dennoch haben MAYHEM für diese exklusive Zugabe nochmal zwei atmosphärische Stücke vorgehalten, die das Album stimmungsvoll erweitern. Die jedoch sind nochmal auf die verschiedenen Limited Editions aufgesplittet: Während der CD-Digipak „Life Is A Corpse You Drag“ enthält, ist „Sancta Mendacia“ exklusiv auf einer Vinyl-EP in der Collectors-Box enthalten.

MAYHEM sind, so gerne und oft sie sich auch dafür feiern lassen, eben nicht bloß die Band mit der verruchten Historie, sondern (anders als viele andere Bands aus ihrem Jahrgang) durch den steten Willen zum Wandel nach wie vor auch musikalisch relevant. Der große Wurf, das Album, das das Genre auf Jahre prägen oder MAYHEM einmal mehr revolutioniert, ist „Liturgy Of Death“ nicht. Doch es vereint die Stärken der beiden bisherigen Alben aus der Teloch-Ära geschickt mit Elementen, die man eher Blasphemer zugerechnet hätte. Das Resultat ist weniger true als „Daemon“, weniger verschroben als „Esoteric Warfare“ und weniger avantgardistisch als „Grand Declaration Of War“ – aber durch den Mix aller Stile unverkennbar und unverbraucht zugleich.

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Wertung: 8.5 / 10

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6 Kommentare zu “Mayhem – Liturgy Of Death

  1. Bin jetzt auch ein paar Mal durch und finde das Album gut, aber nicht überragend. Atilla macht wie immer einen hervorragenden Job, Hellhammer ist wie gewohnt eine Macht, aber dass Mayhem als Wegweiser oder Speerspitze des Black Metal voranschreiten, sehe ich jetzt nicht – erwarte ich aber bei der Geschichte irgendwie. Musikalisch ist dass dann doch zu gewöhnlich, beinahe schon gefällig und die „Gefährlichkeit“, die Mayhem ausstrahlten, ist ein wenig verloren gegangen. Auch das ist wieder ein Album, was etwas zu wenig Ecken und Kanten in der Produktion hat. So kriegt man alle an den Tisch, revolutionär ist es jetzt nicht. Und da können Mayhem noch nicht mal was dafür, es ist wohl meine überbordende Erwartungshaltung. Irgendwo will ich bei Mayhem einfach immer noch ein Stückchen mehr. Mehr Irrsinn. Mehr Chaos. Mehr okkulten Charme. Und mehr „Drumherum“.
    In Punkten wäre ich bei 7,5.

  2. So, konnte mir in der Mittagspause das Album im CD-Laden des Vertrauens holen und hab auf dem Heimweg den ersten Durchlauf geschafft. Spannend. Erinnert mich stark an die Arbeit von „De Mysteriis…“, aber deutlich progressiver, vertrackter, noch mystischer. Mir gefällt es sehr. Besonders Attilas Gesang weiß zu überzeugen, mag auch die leichten Urfaust-Vibes. Dieser verschrobene Opern-Gesang … für mich jetzt schon starker Anwärter zum Album des Jahres.

  3. ich bin sehr gespannt auf das Album. Mayhem ist tatsächlich oft mehr und wesentlich besser als viele der Mythen drumherum. Sehr spannendes Review, danke!

  4. Nach den Vorabsingles bin ich bisher etwas ernüchtert, die Review liest sich nun aber doch sehr vielversprechend. Ich bleibe gespannt und hoffe, dass das Gesamtprodukt dann doch zu überzeugen weiß.
    Immerhin haben Mayhem bisher kein einziges mittelmäßiges Album geliefert.

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