Konzertbericht: Mayhem w/ Marduk, Immolation

20.02.2026 Obertraubling, Eventhall Airport

Mit MAYHEM und MARDUK haben sich 2026 zwei der größten Black-Metal-Bands überhaupt für eine Tour zusammengetan. Dass für dieses Package, ergänzt um IMMOLATION, allerdings rund 75 € abgerufen werden, sorgt unter den Fans schon vorab für Unmut. In Deutschland bringt der Preis allerdings eh nicht allzu viele Fans in die Bredouille: Der Tour-Tross macht erstaunlicherweise nur in Herford, Obertraubling (bei Regensburg) und Berlin Halt, hinzu kommen je eine Show in Österreich und der Schweiz.

Dass das Package dort dann aber trotz des Preises zieht, merkt man in Obertraubling schon vor der Halle: Die Kennzeichen der Autos verraten teils längere Anfahrten, etwa aus München, und in der zwar nicht ausverkauften, aber doch gut gefüllten Eventhall Airport Obertraubling wird in einzelnen Grüppchen auch Polnisch gesprochen.

IMMOLATION, die den Abend um 19:30 Uhr beginnen, sind fraglos die Exoten im Billing – in Sachen Herkunft, als New Yorker unter Skandinaviern, und musikalisch, als Deather unter Black Metallern. Die Erklärung für die unerwartete Kombi liefert Fronter Ross Dolan später in einer Ansage: Man kennt und versteht sich von gemeinsamen Touren in den USA. Ob sich IMMOLATION mit dieser Tour unterdessen einen Gefallen getan haben, steht auf einem anderen Blatt: Zwar lauscht das Publikum dem energiegeladenen, aber eben auch recht gleichförmigen Death Metal der Amerikaner aufmerksam – der Merch-Stand jedoch liegt vor und nach der Show ziemlich verlassen da und auch der Jubel zwischen den Songs hält sich in Grenzen.

IMMOLATION selbst kann man nichts ankreiden: Obwohl es auf der Bühne ständig unangenehm pfeift, lassen sich die Routiniers nichts anmerken und arbeiten sich in den ihnen gewährten 40 Minuten quer durch immerhin acht ihrer bald zwölf Alben. Das im April kommende „Descent“ kann dabei getrost mitgezählt werden, denn mit „Adversary“ gibt es auch davon schon einen Track zu hören. Der klingt wenig überraschenderweise nicht viel anders als der Rest – Fans der Band können dem Release also beruhigt entgegensehen. Durch ihr sympathisches Auftreten machen IMMOLATION die Show zudem überraschend kurzweilig. Als Highlight des Abends wird den Auftritt aber wohl niemand in Erinnerung behalten.

  1. An Act Of God
  2. Swarm Of Terror
  3. Majesty And Decay
  4. Adversary
  5. Dawn Of Possession
  6. Blooded
  7. Higher Coward
  8. Rise The Heretics
  9. Nailed To Gold
  10. The Age Of No Light

Man sollte meinen, dass bei einem Package wie diesem mit zwei hochrangigen Hauptbands die Vorfreude zumindest auf diese einigermaßen gleich verteilt sein sollte – doch weit gefehlt. Für MARDUK wird der Abend ein harter Kampf, und das nicht nur in Anspielung auf das vorherrschende Thema ihrer Songs: Das Publikum steht selbst direkt vor der Bühne eher locker, und auch die Reaktionen entsprechen offenkundig nicht den Erwartungen von Einpeitscher Mortuus. Ob es der Sache dienlich ist, das Publikum im Militärstil niederzumachen und etwa als „cowards“ (Feiglinge) zu beschimpfen, sei dahingestellt – die erwünschte Wirkung jedenfalls bleibt von einigen begeisterungsfähigen Einzelfällen abgesehen aus: Bis zuletzt will der sprichwörtliche Funke heute nicht so recht überspringen.

Das überrascht insofern, als MARDUK eigentlich abliefern wie erwartet: Stoisch reihen die Schweden Song an Song, lassen dazwischen aber von ihren insgesamt 55 Minuten auch die eine oder andere verstreichen. Zu sehen gibt es wenig, zum einen, weil das animierte Logo-Backdrop zu guten Teilen hinter dem noch abgedeckten Drumkit des Headliners verschwindet, zum anderen, weil die Band auf Bühnenbeleuchtung weitestgehend verzichtet. Musikalisch gibt es nichts zu meckern, in gewohnt bissigem Sound, der durch die Quartett-Formation mit nur einem Gitarristen nicht grade fett, aber definiert ist, gibt es einen Mix aus Evergreens wie „Wolves“, „Panzer Division Marduk“ oder „Throne Of Rats“ und Live-Raritäten zu hören: So haben die Schweden etwa „Cloven Hoof“ von „World Funeral“ (2003), „Sulphur Souls“ von „Opus Nocturne“ (1994) oder „Infernal Eternal“ von „Heaven Shall Burn… When We Are Gathered“ (1996) wieder im Programm. Für alle in den letzten Jahren hinzugekommenen Fans wird die Show damit eher zur Fortbildung: Das aktuelle Album, „Memento Mori“, ist nur mit einem Song vertreten („Shovel Beats Sceptre“), „Victoria“ (2018) wird komplett ausgespart und das auch schon elf Jahre alte „Frontschwein“ (2015) bildet mit dem Titeltrack als Opener und dem Hit „Blond Beast“ als Zugabe die Klammer um die Show.

  1. Frontschwein
  2. Wolves
  3. Throne Of Rats
  4. Shovel Beats Sceptre
  5. Cloven Hoof
  6. Sulphur Souls
  7. On Darkened Wings
  8. Infernal Eternal
  9. The Black…
  10. Panzer Division Marduk
  11. The Blond Beast

Dass die Fans wegen MAYHEM gekommen sind, zeigt sich schon in der Umbaupause: Während auf der Bühne zu noisigem Drone-Sound ein sehr cleanes, aber stimmiges Bühnenbild entsteht, wird es vor der Bühne merklich voller – und schon das Erscheinen der Norweger sorgt für lauteren Jubel als ihn MARDUK heute selbst zum Ende ihrer Show gehört haben. Die Euphorie haben MAYHEM aber klar ihrem Legendenstatus und dem mal wieder bizarren Auftreten von Fronter Attila (heute als Papst verkleidet) zu verdanken: Die musikalische Darbietung selbst ist nämlich ob des undifferenzierten Sounds zunächst wenig eindrucksvoll: Dass sich in das ansonsten „aktuelle“ erste Set mit „Buried By Time And Dust“ ein Klassiker von „De Mysteriis Dom Sathanas“ (1993) eingeschlichen hat, irritiert deswegen auch gar nicht weiter – es ist schlicht nicht zu hören.

Dabei handelt es sich jedoch nicht um einen Ausrutscher: Vom bei MAYHEM aufgrund des steten stilistischen Wandels tatsächlich sinnvollen Konzept der chronologisch sortierten Setlist, wie es die Norweger noch 2024 umgesetzt hatten, ist die Band wieder abgekommen: Begleitet von diesmal eher als atmosphärische Untermalung denn als Geschichtsstunde aufgezogenen Visuals geht es (bei nun deutlich besserem Sound) kreuz und quer durch die Diskografie, wobei MAYHEM das Programm im Vergleich mit den letzten Touren erfreulich stark durchgemischt haben: Neben drei neuen Songs von „Liturgy Of Death“ und den unverzichtbaren Songs wie „Freezing Moon“ sind etwa „Whore“ von „Chimeira“ (2004) oder das „De Mysteriis“-Duo „Cursed In Eternity“ und „From The Dark Past“ zu hören, die zuletzt vor rund zehn Jahren regelmäßig zu hören waren. Trotzdem – und obschon MAYHEM in Summe zwei Songs weniger spielen als bei der Show 2024 an gleichem Ort, verliert die Show gegen Ende des zweiten Sets doch merklich an Zug.

Ein Grund dafür ist die Inszenierung: Damit die Bewegtbilder wirken können, darf es auf der Bühne natürlich nicht zu hell sein. Dass die Bühne fast durchweg nur in diffuses Blau oder Rot getaucht ist, lässt die Musiker bisweilen wie Statisten wirken. Das ist insbesondere insofern schade, als Attila – anders als etwa Mortuus zuvor – durchaus Wert auf eine unterhaltsame Performance legt, wenn er sich zwischen den Sets mehrfach umstylt oder mit Utensilien wie einem Schädel, einem Knochenkreuz oder einem Galgenknoten hantiert. Das Publikum jedenfalls reagiert nach „Weep For Nothing“ wie sediert, der dürftige Applaus ebbt viel zu früh ab – und kurz steht in der nun aufkommenden, peinlichen Stille die Frage in der Luft, ob MAYHEM wohl überhaupt nochmal wiederkommen, um ihr drittes und letztes Set zu spielen.

Natürlich folgen die Profis der Choreografie, und so kommt in die Stille doch noch das erlösende „Silvester Anfang“-Sample. Was dann passiert, überrascht allerdings doch: Zum seit Jahren unveränderten Finale aus „Deathcrush“, „Chainsaw Gutsfuck“, „Carnage“ und „Pure Fucking Armageddon“ kommt nochmal Stimmung auf – bis hin zu einem kleinen Moshpit vor der Bühne. Das mag bei Black Metal auch nicht jedermanns Sache sein, zum punkig-rohen Material aus den 1980ern passt es aber gewissermaßen – und gibt MAYHEM zum Abschluss dieser insgesamt schwierigen Show noch ein gutes Gefühl mit auf den Weg.

  1. Realm Of Endless Misery
  2. Buried By Time And Dust
  3. Bad Blood
  4. Life Is A Corpse You Drag
  5. Ancient Skin
  6. Psywar
  7. View From Nihil
  8. Whore
  9. Freezing Moon
  10. Chimera
  11. Cursed In Eternity
  12. From The Dark Past
  13. Weep For Nothing
  14. Deathcrush
  15. Chainsaw Gutsfuck
  16. Carnage
  17. Pure Fucking Armageddon
Mit MAYHEM und MARDUK an einem Abend, hätte diese Tour durchaus Potenzial gehabt, ein Abend der Superlative zu werden. So richtig will das zumindest heute aber nicht gelingen: Ohne etwas falsch zu machen, liefert keine der drei Bands eine wirklich mitreißende Performace ab – die Lethargie des Publikums wiederum schiebt die Band nicht grade über die Ziellinie. Am Ende ist das für alle Beteiligten schade – dürfte die Fans aber angesichts der enttäuschten Erwartungen und des happigen Eintrittspreises mehr schmerzen als die Musiker, die das Erlebte schnell abhaken und bereits Tags darauf mit neuen Eindrücken aus einer anderen Stadt überschreiben können.

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Moritz Grütz

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