CD-Review: Nightwish - Wishmaster

Besetzung

Tuomas Holopainen – Keyboards
Tarja Turunen - Gesang
Emppu Vuorinen - Gitarre
Sami Vänskä - Bass
Jukka Nevelainen – Schlagzeug

Tracklist

01. She Is My Sin
02. The Kinslayer
03. Come Cover Me
04. Wanderlust
05. Two For Tragedy
06. Wishmaster
07. Bare Grace Misery
08. Crownless
09. Deep Silent Complete
10. Dead Boy’s Poem
11. FantasMic


Nach dem überragendem „Oceanborn“ lastete natürlich ein großer Erwartungs- und Erfolgsdruck auf Nightwish. Kommerziell gesehen konnte „Wishmaster“ diesen Erfolg noch toppen: In Finnland stand man 3 Wochen lang auf Pole Position der Album-Charts, und auch in Deutschland erreichte man einen sehr guten 21. Platz. In ihrem Heimatland wurden das Album der jungen Finnen Ende 2000 mit Platin ausgezeichnet.

Musikalisch blieb man der Linie mit der Verschmelzung von schwermetallischen Klängen und Operngesang treu.
Schon der Opener „She Is My Sin“ kommt mit reichlich Power und Überzeugung rüber, und schon von Beginn an legt Tarja alle Emotionen in die Songs. Nicht ganz so schnell, dafür aber einen Zacken härter geht es mit „The Kinslayer“ weiter: Für die Härte sorgen hier vor allem die vergleichsweise aggressiven Gesänge Tarja’s im Refrain, die sich mit der Stimme von Ike Vil abwechselt. Durch Tuomas’ Keyboardpassagen wird eine richtig dramatische Spannung aufgebaut.
Sanfte Flötentöne läuten den nächsten Track ein, bis die Gitarren einsetzen und daraus eine klasse Powerballade machen. Die früheren Gothic-Einflüsse kann man hier deutlich raushören und Tarja’s gefühlvoller Gesang macht aus diesem Song etwas ganz besonderes.
Mit „Wanderlust“ wird ein Speedkracher Extraklasse geboten, und „Two For Tragedy“ ist eine überwältigend schöne Ballade im Stile von „Swanheart“ des Vorgängers. Hier ist Gänsehaut-Feeling garantiert, wenn Tarja zur sanften Melodiebegleitung alles aus ihrer Stimme rausholt.

Was nun folgt, ist meiner Meinung nach DER Nightwish-Übersong: „Wishmaster“. Der Titeltrack kommt verdammt heavy rüber, ist richtig druckvoll und kann nicht zuletzt durch die genial eingestreuten Keyboard-Melodie-Linien alles vergleichbare in den Schatten stellen. Bildet den Abschluss für die Nightwish-Konzerte, hier kann sich das Publikum noch mal richtig verausgaben, und wenn es nicht so voll wäre, könnte man auch mit Leichtigkeit die Matte kreisen lassen.
Das düster-traurige „Bare Grace Misery“ versetzt in eine schaurig-schöne melancholische Stimmung, während das bombastische und verspielte „Crownless“ mit durchgedrücktem Gaspedal daherkommt.
Viel Gefühl liegt auch in „Deep Silent Complete“, dass geschickt zwischen ruhigen und lauten Stellen wechselt.
Ein weiterer Übersong folgt mit „Dead Boy’s Poem“. Akustische Gitarren läuten den Song ein, bis dann ein geschickter Wechsel zur elektrischen folgt. Viele ruhige Passagen hält der Song in sich bereit, diese wechseln sich ständig mit bombastischem Mid-Tempo ab, und langweilig wird es hier sowieso nie. In den Gesang legt Tarja hier ihre ganze Leidenschaft, wodurch der Song richtig tief geht und absolute Gänsehaut-Garantie mitbringt.
Den Abschluss stellt das neunminütige Epos „FantasMic“: In drei Teile gegliedert, werden zu Beginn wunderbar Mosh-Riffs in Serie vom Stapel gelassen, bis langsam und gemächlich der balladeske und sehr ruhige, entspannende Mittelteil beginnt. Nun wird die Dramatik immer weiter gesteigert und nach einem Flötenpart steht der dritte Teil in den Startlöchern, der instrumental und stimmlich ein weiteres Meisterwerk mit massig Abwechslung darstellt.

Abwechslung gibt es über die gesamte Dauer von 54 Minuten en masse. Balladen wechseln sich mit Up-Tempo-Hymnen und straighten Powerkrachern ab. Dabei steht neben den markanten Keyboard-Melodien immer Tarjas unglaubliche und gnadenlos variantenreiche Stimme im Vordergrund. Die klassische Gesangsausbildung merkt man der Musik-Studentin immer an, einfach unfassbar. Das ist es, was Nightwish so aus der Masse der skandinavischen Bands hervorhebt – viel Abwechslung und die einzigartige Frontfrau machen aus jedem Stück ein neues und eigenständiges Kunstwerk.
Weniger verspielt und erwachsener als im sehr guten Vorgänger geht man hier zu Werke, und es gibt einfach nichts auszusetzen… Ein Meilenstein des melodischen Metals!

Bewertung: 10 / 10

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