CD-Review: Nocte Obducta - Totholz (Ein Raunen aus dem Klammwald)

Besetzung

Torsten – Gesang
Flange – Gesang, Keyboard
Stefan – Gesang, Gitarre
Marcel – Gesang, Gitarre, Keyboard, Bass
Heidig – Bass
Matze – Schlagzeug

Tracklist

01. Innsmouth Hotel
02. Die Kirche der wachenden Kinder
03. Trollgott
04. Totholz
05. Ein stählernes Lied
06. Liebster
07. Wiedergänger Blues


Schnell haben sie diesmal gearbeitet, die Mainzer. Nicht einmal ein Jahr nach „Mogontiacum (Nachdem die Nacht herabgesunken…)“, präsentiert NOCTE OBDUCTA die Nachfolgerscheibe „Totholz (Ein Raunen aus dem Klammwald)“. Es handelt sich dabei, das sei vorweggenommen, um eine Platte, wie sie für die eigenwilligen Nachtschattengewächse nicht typischer sein könnte. Zu typisch?

Der Weg in den Klammwald führt zunächst über das instrumentale „Innsmouth Hotel“, das sich fürs Ohr zwar nicht als heruntergekommene Schabracke mit bröckelndem Putz, aber gewiss auch nicht als Fünf-Sterne-Nobelhütte mit Zimmerservice und Wellness-Programm präsentiert. Vielmehr erfüllt es seinen Zweck als angenehme erste Station, um sich wieder hineinzufinden in den urtypischen NOCTE-Sound.

Bereits der zweite Track „Die Kirche der wachenden Kinder“ – der Inbegriff eines Nocte-Signature-Stücks – macht deutlich, wohin die Reise geht: hinein in ein wenig härtere Gefilde als zuletzt. Der Weg dorthin verläuft jedoch stets auf altbekannten Pfaden. Geht es im einen Moment hart zur Sache, sackt das Klangkonstrukt plötzlich in sich zusammen und macht Platz für romantisch-verträumte Clean-Gitarren mit viel Delay und viel Reverb; darüber die Stimme, die den Text rezitiert – besser: wispert – wie ein stoischer Schamane in einer schwülen Sommernacht. Neu ist anders, schlecht aber auch.

Das gilt auch für das Albumhighlight: den abschließenden, über 15-minütigen „Wiedergänger Blues“, der Metal-Screams mit psychedelischen Pink-Floyd-Vibes mischt. Gespenstische Melodieführungen und Synth-Flächen inklusive Geisterorgel treffen auf harte Gitarrenkante. Anlass zur Kritik bietet lediglich die Tatsache, dass sich die Gruppe in den ersten fünf Song-Minuten etwas zu lang und etwas zu beliebig in irrlichternden Piano-Tupfern, kaltem Rauschen, Schrammel-Akustikgitarren und Gefangenenchören ergeht.

Eingängiger geht es in „Trollgott“ oder „Totholz“ zu, das mit seinem beinahe mitgröhltauglichen Chorus und seinem ansehnlichen Groove den „Hit“ des Albums darstellt. Nicht ganz mithalten können da „Ein stählernes Lied“, das nur für Freunde des simpleren 90er-Schwarzstahls wirklich einladend sein dürfte,  und  „Liebster“, das  etwas uninspiriert – weil wenig abwechslungsreich – vor sich hin dudelt.

Ein Schnellschuss ist „Totholz (Ein Raunen aus dem Klammwald)“, dessen Songs zum Veröffentlichungszeitpunkt von „Mogontiacum“ bereits weitgehend fertig geschrieben waren, eindeutig nicht geworden: Kaum ein Fan dürfte nach seinem imaginären Spaziergang durch die modrige Natur unglücklich in die Realität zurückkehren. Und doch: Erstmals hat man bei NOCTE OBDUCTA das Gefühl, die Band laufe Gefahr, sich auf ihren liebgewonnenen Trademarks auszuruhen – ihren Stil nämlich variiert sie hier nur in Nuancen. So ist „Totholz“ im direkten Vergleich zum abwechslungsreichen „Mogontiacum“ zwar das kohärentere, homogenere, stimmigere Album, nicht aber interessantere.

Bewertung: 7.5 / 10

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