CD-Review: Nucleus Torn - Nihil

Besetzung

Patrick Schaad - Gesang
Maria D'Allesandro - Gesang
Rebecca Hagmann - Cello
Christoph Steiner - Schlagzeug, Percussion
Christine Schüpbach-Käser - Violine
Anouk Hiedl - Flöte
Fredy Schnyder - Alles Weitere

Tracklist

01. Glass Spirit
02. Traveller´s Rest
03. Night´s Grace
04. Summers Bled
05. Close
06. The Sunclad
07. Peregrina Sublime


NUCLEUS TORN – welch Musik dürfte sich hinter einem derart kryptischen und zugleicht ebenso aussagekräftigen Bandsnamen verbergen? Hierbei wirft sich bereits die erste Problematik bezüglich dieser Rezension auf, welche Stilkerbe würde den vernommenen Klängen am nächsten kommen? Die Antwort stellt eine ebenso einfache wie unspektakuläre dar – in keine mir Bekannte. Doch ist es mir Bedürfnis, ebenso auf die Entstehungsgeschichte dieser ungewöhnlichen Formation einzugehen. NUCLEUS TORN stellt eine junge, schweizer Musikgruppe dar, welche bereits imstande war, sich mit ihren vorhergehenden Veröffentlichungen einen Namen zu machen – einen keineswegs schlechten. Das 1997 aus der Taufe gehobene Musikprojekt fußt im melancholisch – bodenständigen, minimalistischen Neofolk, was sich in ihrem 1998 erstmals veröffentlichten (später über Kunsthall wiedergepressten) Werk „Krähenkönigin“ manifestierte, welches vier unbtitelte, rein akustische Akustikgitarrenstücke enthielt. Das mir vorliegende Werk „Nihil“ jedoch wurde in einer ungewöhnlich langen Entstehungsphase (ganze drei Jahre) realisiert; was die Erwartungen selbstverständlich ebenso in astronomische Höhen schnellen lässt – und das zu recht, wie sich nach siebenunddreißig Minuten geballter Innovation herausstellen sollte.

Eines vorweg: „Nihil“ lässt sich bloß mit größer Mühe (falls überhaupt) in Worte kleiden und wird manch einen Hörer an den Rande der Verzweiflung treiben; die vertrackten Liedstrukturen verlangen dem Interessenten ein hohes Maß an Geduld, Konzentration sowie Aufmerksamkeit ab – und dieser Aufwand wird keineswegs unbelohnt bleiben. Die wohl relevantesten Elemente dieses Werkes stellen wohl Patrick Schaads und Maria D’Alessandros Stimmen dar – ebenso kraftvoll wie glasklar thronen diese über das reichhaltige Instrumentarium, bestehend aus einer Gitarre, Schlagzeug, Bass, einer Violine, einem Klavier sowie einer Flöte. Die Aufnahmequalität ist richtungsweisend, sämtliche Instrumente lassen sich problemlos vernehmen; keines wird in den Hintergrund gerückt oder gar benachteiligt. NUCLEUS TORN gleichen einem Chamäleon, welches durchgehend unzähligen Metamorphosen unterworfen ist; hier mag man bereits das Plätschern des nahegelegenen Waldbaches vernehmen, während in der nächsten Sekunde rasiermesserscharfe Gitarrenriffs die entstehende Atmosphäre zerschneiden und das bis eben noch vollkommene Waldszenario zu einem alptraumartigen, alles Leben verschlingenden Waldbrand mutieren lassen. Hier dürfte sich für manch einen auch ein Kritikpunkt auftun – eine einzige, durchgehende Atmosphäre sucht man auf „Nihil“ vergebens, vielmehr wird einem ein gesamtes Sammelsurium an diversen Atmosphären, Gefühlen und Visionen geboten; was beim ersten Kontakt erschlagend wirken mag, sich jedoch mit jedem weiteren Durchlauf verliert.
Die wahren Stärken des Albums lassen sich jedoch in kurzen, aber umso intensiveren Momenten wie – um ein veranschaulichendes Beispiel zu nennen – dem Ende von „The Sunclad“ ausmachen, welches von einer todtraurigen Klaviermelodie fortgetragen wird – derartige Augenblicke existieren auf „Nihil“ zuhauf, wenngleich sich diese bezüglich der Instrumentalisierung und Emotion von meinem eben erwähnten Beispiel stark unterscheiden.

NUCLEUS TORN haben mit ihrem Debütalbum ein vertracktes, in jeglicher Hinsicht unkommerzielles Werk veröffentlicht, welches definitiv seine Freunde, doch ebenso seine Feinde finden wird – was jedoch bei derart komplexen Strukuren abzusehen war. Trotz alldem ist der Grundstein, welcher mit „Nihil“ gelegt wurde, ein überaus stabiler – dennoch wirft sich die Frage auf, ob die sieben Schweizer es verstehen werden, diesen Grundstein mit den folgenden Werken weiter auszubauen – dass sie dazu imstande sind, wurde mit diesem Werk beeindruckend unter Beweis gestellt.
Abschließend wäre noch erwähnenswert, dass „Nihil“ den ersten Teil einer Trilogie symbolisiert, welche in naher (ferner?) Zukunft von den Alben „Kneel“ sowie „Andromeda Awaiting“ vervollständigt wird.

Redakteur: Andrei Slavescu

Bewertung: 8 / 10

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