CD-Review: Pup - Morbid Stuff

Besetzung

Stefan Babcock – Gesang, Gitarre
Steve Sladkowski – Gitarre, Gesang
Nestor Chumak – Bass, Gesang
Zac Mykula – Schlagzeug, Gesang

Tracklist

01. Morbid Stuff
02. Kids
03. Free At Last
04. See You At Your Funeral
05. Scorpion Hill
06. Closure
07. Bloody Mary Kate And Ashley
08. Siblin Rivalry
09. Full Blown Meltdown
10. Bare Hands
11. City


Manche Bands machen es sich nicht allzu leicht. Mit der Veröffentlichung eines Über-Albums wie „The Dream Is Over“ von PUP legen sich Bands kaum zu überwindende Hürden auf. Die schier überquellende Energie des darauf enthaltenen quirligen Pop-Punks und dessen kaum in Worte zu fassende Melodieverliebtheit haben gemeinsam mit schweißtreibenden Liveshows zu riesigen Erwartungen geführt. Mit dem Nachfolger „Morbid Stuff“ wagen PUP nicht das Unmögliche, und versuchen erst gar nicht, die an sie gesteckten Erwartungen zu übertreffen. Stattdessen geht die Band aus Toronto den einzig richtigen Weg: außenherum.

Das bedeutet nicht, dass „Morbid Stuff“ mit spielerischen Melodien, eimerweise Leidenschaft oder Eingängigkeit geizen würde. Sing-A-Long-Momente wie auf dem fast schon euphorischen „Free At Last“ oder das heftige „Full Blown Meltdown“ werden in Zukunft sicherlich den ein oder anderen Mosh Pit anregen. Dennoch lenken PUP den Wahnsinn des Vorgängers in meistens nicht ganz so krachige – dabei aber alles andere als leise – Songs, die dafür mit deutlich ausgefeilterem Songwriting begeistern können. Nur stellenweise gerät die Energie dabei unter die Räder, kann sich aber immer wieder aufrappeln. Mit Plattitüden behaftet könnte man sagen, PUP sind erwachsen geworden. Treffender formuliert kann man sagen, dass die Realität ein weiteres Mal zugeschlagen und „Morbid Stuff“ stark beeinflusst hat.

So überbordend und quirlig sich die elf Songs weitestgehend präsentieren, wird diese spaßige Seite durch die von tiefer Melancholie und Schmerz geprägten Songtexte gebrochen. Bereits der fast schon den Tod herbeiwünschende Titeltrack im Opener zeigt die – nun ja – morbide Richtung auf, die in den folgenden knapp 40 Minuten durchgehalten wird. Der Kampf von Sänger Stefan Babcock gegen Depressionen wird dabei poetisch und direkt, mit einer entwaffnenden Ehrlichkeit geführt. All das garnieren PUP auf „Morbid Stuff“ allerdings mit einer ordentlichen Ladung (schwarzem) Humor – denn manchmal bleibt einem eben nichts anderes übrig, als zu lachen. Entsprechend wechseln die vier Musiker ihren Stil in sich stimmige zwischen (Pop-)Punk, Folk, Americana, Hardcore und sogar Wave hin und her, wie es ihnen gerade beliebt.

„Morbid Stuff“ ist ein weiteres herausragendes Album einer vor Spielfreude nur so sprühenden Band geworden. Die ungezügelte Rohheit des Debüts haben PUP schon länger hinter sich gelassen und anstelle der fast schon rasenden Emotion von „The Dream Is Over“ ist eine wild um sich schlagende und dennoch in sich ruhende Stimmung entsprungen. Zu den Hymnen auf „Morbid Stuff“ wird es in Zukunft entsprechend nicht mehr nur von Bier, sondern auch  von Tränen getränkte Mosh Pits geben. Ob diese dann aus Trauer und Wut über ein Scheißlebend oder vor Freude über dieses Album vergossen werden, spielt dann wirklich keine Rolle mehr.

Bewertung: 8.5 / 10

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