CD-Review: Stille Volk - Milharis

Besetzung

Patrick Lafforgue – Gesang, Blasinstrumente
Sarg – Gitarre, Gesang
Yan Arexis – Perkussion, Samples
Patrice Roques – Streichinstrumente

Tracklist

01. Sous La Peau De La Montagne
02. L'Aurost Lunaire
03. Incantation Mystique
04. Le Crépuscule Du Pâtre
05. La Mòrt De Milharis
06. Dans Un Temps Qui N'A Pas D'Histoire
07. La Grotte Du Jadis
08. Sacré Dans La Tourmente
09. Neige Que Versa Le Ciel Noir
10. Parmi Les Monts Oubliés


Selbst, wenn man sich am Ort des eigenen Lebensmittelpunktes gut aufgehoben fühlt, kann einen manchmal das Fernweh packen. Man macht sich also auf, um neue Erfahrungen zu sammeln, steuert frohen Mutes auf das Unbekannte zu und dann und wann gelangt man an einen Platz, an den es einen später wieder zurückzieht. So in etwa verhält es sich wohl bei der über viele Jahre bei Holy Records beheimateten, französischen Pagan-Folk-Formation STILLE VOLK, die im Jahr 2001 ihr drittes Album „Satyre Cornu“ über Prophecy Productions vorlegten und sich nun fast zwanzig Jahre danach für ihr neues Album wieder bei dem Label eingefunden haben. Ganze fünf Jahre sind seit ihrem letzten Release vergangen, sodass man wohl davon ausgehen darf, dass STILLE VOLK mit viel Bedacht an die Arrangements auf „Milharis“ herangegangen sind.

Bereits der Opener „Sous La Peau De La Montagne“ vermittelt den Eindruck, dass STILLE VOLK es gar nicht erwarten können, all ihre vielgestaltigen Einfälle zu präsentieren. Ohne auch nur einen kurzen Moment des Luftholens begrüßen die Franzosen die Hörerschaft sofort mit melancholisch-geschäftigen Clean-Gitarren, sanften Akustiktönen und rollender Perkussion, zu der sich alsbald eine wundersame Klangkulisse, Naturgeräusche und hymnischer Gesang hinzugesellen. Von der für Folk-Musik charakteristischen Genügsamkeit fehlt auf dem verspielten Eröffnungstrack noch jede Spur, erst nach und nach lassen STILLE VOLK ein wenig von ihrer überschwänglichen Herangehensweise ab und besinnen sich auf das geheimnisvolle Element ihrer Klangkunst – so zum Beispiel in lediglich von minimalistischer Perkussion getragenen Zwischenspielen wie „Dans Un Temps Qui N‘A Pas D‘Histoire“.

In den meisten Stücken nutzt das Quartett jedoch sein komplettes, instrumentales Repertoire. Neben der oftmals in schwungvollem Tempo gespielten Akustik- und Clean-Gitarre, den teilweise sogar ziemlich wuchtig herniederhagelnden Schlagzeugeinlagen und dem manchmal etwas übertrieben affektierten Gesang werden auch friedliche Streicher und flöten („Sacré Dans La Tourmente“), eine schnarrende Drehleier und im abschließenden „Parmi Les Monts Oubliés“ sogar schroffe, abgehackte Metal-Gitarren eingesetzt. Das Bindeglied, mit welchem STILLE VOLK ihre doch recht unterschiedlichen Songs miteinander verknüpfen, ist die Aura von Mystik und Ursprünglichkeit, die das ganze Album über spürbar ist.

Dies steht insofern in Einklang mit den Texten, als die Band sich thematisch mit dem Mythenfundus aus den Pyrenäen auseinandersetzt. Ein paar kleine Unstimmigkeiten lassen sich hier dennoch ausmachen: Zum einen gehen STILLE VOLK in ihrem Drang nach möglichst reichhaltigen Songgebilden zum Teil ein wenig zu weit, was die Tracks mitunter überfüllt und schwülstig wirken lässt, zum anderen musiziert die Folk-Truppe stellenweise etwas hölzern, was sich insbesondere in dem allzu abgestumpften Metal-Part am Ende der Platte bemerkbar macht.

Da STILLE VOLK offenbar möglichst viele verschiedenartige Elemente in ihren neuen Kompositionen unterbringen wollten, erscheint „Milharis“ in einigen Abschnitten ein wenig zu aufgebläht. Dies ist insofern etwas bedauerlich, als gerade ihre stilistisch nicht unähnlichen Label- und Genrekollegen Tenhi schon längst unter Beweis gestellt haben, dass eine eklektische Instrumentierung nicht zwangsläufig in einem strukturellen Durcheinander enden muss. Nichtsdestotrotz haben STILLE VOLK mit ihrem Prophecy-Comeback ein durchaus schön anzuhörendes Album kreiert, auf dem es einige interessante, wenn auch nicht immer ganz geschmeidige Klangkombinationen zu entdecken gibt.

Bewertung: 7 / 10

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