CD-Review: The Casualties - Chaos Sound

Besetzung

Jorge Herrera - Gesang
Jake Kolatis - Gitarre
Rick Lopez - Bass
Marc "Meggers" Egger - Schlagzeug

Tracklist

01. Intro
02. Chaos Sound
03. Visions Of Greed
04. Running Through The Night
05. Brothers And Sisters
06. Murder Us All
07. Work Our Lives Away
08. Countdown to Tomorrow
09. Fight For What’s Mine
10. Keep Your Distance
11. In the Lost City
12. Bomb Blast
13. R.A.M.O.N.E.S. (Motörhead-Cover)
14. Halfway To Hell
15. United Streets


1990 gegründet, gehören THE CASUALTIES zwar nicht zur ganz alten Garde des Punk, sind als Konstante aus der Street-Punk-Szene jedoch nicht mehr wegzudenken: Satte zehn Alben haben die New Yorker bislang veröffentlicht, zuletzt 2012 „Resistence“. Nun erscheint mit „Chaos Sound“ der nächste Silberling – und auch wenn das Intro zunächst anderes vermuten lässt, kann zumindest eines vorweggenommen werden: Ruhiger sind die Jungs auch nach 26 Jahren Bandbestehen nicht geworden.

Als Wattie von The Exploited seinerzeit „Fuck The System“ mit einem 42-sekündigen Schrei eröffnete, hatte er das Überraschungsmoment klar auf seiner Seite. Dass das nicht zu toppen wäre, war wohl auch THE CASUALTIES klar – einen Versuch haben sie dennoch gestartet. Und zugegeben: Der opereske Frauengesang, mit dem „Chaos Sound“ die Hörer begrüßt, ist im Kontext einer Punk-CD tatsächlich nur unwesentlich weniger irritierend als Watties Urschrei.
Als die Frauenstimme jedoch nach exakt 38 Sekunden vom Titeltrack abgelöst wird, hat wieder alles seine Richtigkeit: Simple, aber treibende Riffs, kombiniert mit Jorge Herreras bellendem Gesang und einer vierlfalt genretypische Elemente wie Punk-Rock-Chören („Brothers & Sisters“) und Gangshouts („Keep Your Distance“) ergänzen sich zu Street-Punk im typisch britischen Stil, wie er im Buche steht: Die erwähnten The Exploited, nun schon seit 14 Jahren ohne neues Album unterwegs, dürften auf so manchen Song von „Chaos Sound“ neidisch sein.
Doch THE CASUALTIES belassen es nicht bei roher Gewalt und stumpfem Geprügel: Nicht zuletzt durch gelegentlich eingestreute Soli wie in „In The Lost City“ zeigen die Amerikaner, dass sie durchaus zu mehr befähigt sind als bloß in Punkrock-Manier auf ihren Gitarren herumzuschrubben. Das Resultat? Ein Haufen eingängiger Songs, die schlichtweg Spaß machen. Zwar ist sicher nicht jede der 15 Nummern eine potentielle Punk-Hymne, doch für ein Album dieses Härtegrades ist die Hitdichte trotzdem überraschend hoch: Ob „Running Through The Night, „Work Our Lives Away“, „In The Lost City“ und „Halfway To Hell“ – schön gleichmäßig über das Album verteilt finden sich auf „Chaos Sound“ immer wieder echte Perlen, die geradezu süchtig machen.

26 Jahre und kein bisschen leise – so ließen sich THE CASUALTIES im Jahre 2016 am besten beschreiben: Auch auf ihrem elften Studioalbum klingen die New Yorker rabiat, energiegeladen und natürlich stinksauer über soziale Ungerechtigkeiten und die Gesellschaft als Solche. Und das ist auch gut so. Denn genau so hat Punk zu klingen – egal, ob wir das Jahr 1990, 2000 oder eben 2016 schreiben.

Bewertung: 9 / 10

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