Review The Moon And The Nightspirit – Holdrejtek

Gesampelte Waldgeräusche. Vögel singen, Blätter rascheln. Langsam legt sich ruhige, entspannende Perkussion darüber, zu der sich nach einer Weile zarte Zupflaute gesellen. Dann erklingen Gitarre, Zitter und Violine gemeinsam und vermischen sich zu dem einzigartigen, mystischen Sound von THE MOON AND THE NIGHTSPIRIT. Das Duo um die beiden Ungarn Agnes Toth und Mihaly Szabo veröffentlicht mit „Holdrejtek“ bereits seinen fünften Longplayer und lädt den Hörer mit seinem zauberhaften mittelalterlicher Pagan Folk erneut in eine Welt aus alten Legenden, folkloristischen Erzählungen und Naturromantik ein.

Die Band steht mittlerweile bei Prophecy, bzw. Auerbach unter Vertrag, was unter Umständen auch dazu geführt haben könnte, dass sich THE MOON AND THE NIGHTSPIRIT auf „Holdrejtek“ so professionell wie nie zuvor anhören. Doch nicht nur ihre Produktion ist noch einmal auf ein völlig neues Level geklettert, auch die Instrumentalisierung und die Kompositionen sind noch komplexer und durchdachter geworden. Am Ende ist es jedoch die Seele ihrer Musik, die THE MOON THE AND THE NIGHTSPIRIT ausmacht: In jedem Song steckt eine ungeheure Menge an Leidenschaft und Herzblut. Diese Authentizität bewahren sich die beiden zum Glück weiterhin, auch mit ihrem steigenden Bekanntheitsgrad.

Der Sound der Band wird von vielen als „Etherial“, als ätherisch, bezeichnet. Auch wenn dieser Begriff die Wirkung von THE MOON AND THE NIGHTSPIRIT wunderbar einfängt, so ist er doch etwas irreführend: Mit „Etherial“ verbindet der Musik-Hörer in erster Linie Genres wie Dream Pop, Neoclassical oder Ambient Neo Folk, wie ihn etwa Hekate spielen. Bands dieser Stilrichtungen erzielen ihre ätherische Wirkung in der Regel über ihre verklärte bis epische Produktion. Verglichen damit geben sich THE MOON AND THE NIGHTSPIRIT wesentlich „weltlicher“: Auch wenn ihre Produktion klar und sauber ist, kommt sie bis auf einige Ausnahmen ohne jeglichen technischen Schnickschnack aus, ist somit ehrlicher, ja hört sich so an, als könnte sie tatsächlich genau so an einem mittelalterlichen Lagerfeuer irgendwo in den Weiten Ungarns gespielt werden. THE MOON AND THE NIGHTSPIRIT lassen so die Illusion zu, die wunderschöne Musik, die gerade aus den modernen Hightech-Boxen des Hörers klingt, würde direkt aus einer anderen Zeit kommen. Diese atemberaubende, einsaugende Wirkung lässt uns wieder auf den „Etherial“-Begriff zurückkommen, jedoch von einer etwas anderen Seite als Bands wie etwa Dead Can Dance oder Endraum, die diese Wirkung als oberstes Ziel verfolgen und direkt darauf hinarbeiten. So betrachtet ist es dann fast schade, dass die beiden Ungarn den weiblichen Gesang über große Teile des Albums doch recht stark abgemischt haben. Auch wenn es bei diesem umwerfenden Gesamtergebnis vielleicht etwas lachhaft wirkt, ist mir das persönlich in diesem Kontext schon zu überproduziert. Aber natürlich ist das kleinliches Meckern auf alleraller oberstem Niveau.

„Holdrejtek“ ist ein Album, das auf seine Weise an dem vagen Begriff „Perfektion“ kratzt. THE MOON AND THE NIGHTSPIRIT fangen mit ihrer zeitlosen Musik erneut die Schönheit und Magie der Natur ein, bannen ihre Hörer erneut für Stunden in ihre traumhafte Welt, und schaffen es dabei tatsächlich ihr komplettes bisheriges Schaffen in den Schatten zu stellen. Man kann es nicht anders sagen: „Holdrejtek“ ist ein echtes Meisterwerk und ein Traum von einem Album!

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

 

 

Wertung: 9.5 / 10

Publiziert am von Tobias Schultz

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.