Review Vintersorg – Naturbål

Wer mit der progressiv-verspielten Ausrichtung VINTERSORGs auf „Visions From The Spiral Generator“ (2002) und „The Focusing Blur“ (2004) nicht konform ging und die Abkehr der Schweden zurück zu den Folk-Wurzeln im Stile eines „Till Fjälls“ (1998) begrüßte, wird das neunte Album des Duos Hedlund und Marklund verschlingen.

Da es sich bei Andreas „Vintersorg“ Hedlund nicht nur um einen Herren mit grandiosen Stimmbändern handelt, sondern auch um einen Multi-Instrumentalisten, verdankt ihm „Naturbål“ nicht nur (primär) helle Gesangsbögen und (sekundär) markiges Growling, sondern auch angezogenes Riffing, verträumte Akustik-Gitarren-Einlagen sowie eine Vielzahl von spannenden Tönen im Hintergrund. In fließenden Übergängen wechselt sich das Spiel von Klavier und Streichern, Double-Bass und Orgel, weiblichen Gesangeinlagen und Glockenspiel ab, mitunter unterbrochen von einem Solo, eingebettet in einen vom Keyboard kreierten Sound – all diese Komponenten klingen nach einem überfordernden und überladenen Album, der Geniestreich aller Beteiligten zeigt sich jedoch darin, aus diesen musikalischen Sprengseln ein sehr dichtes Klangwerk zu schaffen. Auf „Naturbål“ befinden sich sehr heterogene Songs, denen es trotz ihrer Komplexität nicht an Hymnen, Melodik und Epik fehlt.

„Naturbål“ (Naturfeuer) behandelt thematisch das, was VINTERSORG mit der Titulierung deutlich machen, nämlich das Element Feuer. Das Cover, welches in seiner Schlichtheit dem Vorgänger „Orkan“ (2012) sehr nahe kommt, offenbart das auch für die Hörer, die der schwedischen Sprache nicht mächtig sind. Songs wie „En blixt Från Klar Himmel“ (Ein Blitz aus heiterem Himmel), „Elddraken“ (Der Feuerdrachen) sowie „Själ I Flamma“ (Seele in Flammen) wissen von der zerstörerischen Kraft des Feuers zu berichten, aber auch im übertragenen Sinne von dem Feuer in uns, sobald wir für etwas brennen.

Wofür VINTERSORG brennen, ist auf ihrer aktuellen Veröffentlichung deutlich herauszuhören: Für ansteckende Melodien im Gewand von anspruchsvollen Kompositionen. Irgendeine Art von Schwäche, sei es ein weniger gelungener Lückenfüller oder unausgegorene Parts, finden sich auf „Naturbål“ nicht, ein immer wieder neu zu entdeckendes Zusammenspiel von den Arrangements im Hintergrund hingegen schon. Anspieltipps: Sämtliche Songs!

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Wertung: 9 / 10

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