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Siberian – Through Ages Of Sleep

2010 gegründet, änderten Shrine zum Release ihres Debüts „Modern Age Mausoleum“ (2014) den Bandnamen in SIBERIAN. Ein Hinweis auf ihre Herkunft versteckt sich darin allerdings nicht, die Truppe kommt aus Linköping in Schweden. Der neue Name hat jedenfalls Bestand: Drei Jahre nach dem Debüt legen SIBERIAN mit „Through Ages Of Sleep“ 2017 den zweiten Teil einer geplanten Trilogie vor.

Schon das phantastische Artwork, das von seiner Stimmung her auch zu The Ocean passen würde, macht Lust auf mehr: Der Blick, von der Wasseroberfläche geteilt, fällt auf eine niederbrennende Welt. Darunter herrscht förmlich sichtbar Stille, eine Hand streckt wie unbewusst den Finger zur Grenze zwischen den (Traum-)Welten. Tatsächlich dreht sich nämlich nicht nur der Titel, sondern auch das Textkonzept von „Through Ages Of Sleep“ ganz um Schlaf und Traum.

Dieses spannende Thema fassen SIBERIAN in ein nicht minder spannendes Klangbild, das Post-Metal und Sludge gelungen vereint: Brachiale Riffs treffen auf griffige Melodien und Screams im Post-Hardcore-Stil („Axis Mundi“). Dazwischen überraschen SIBERIAN den Hörer jedoch immer wieder mit elegant eingepflegten ruhigen Parts („Witness“), mitunter auch mit sphärischem Klargesang („Animan Astray“). Gelegentlich bricht dann auch noch der straightere, groovige Stil vom Debüt durch, bei dem vor allem der Gesang an Sepultura denken lässt  – nicht ohne direkt wieder in einen extrem ruhigen Part umzubrechen („Kingdoms“).

Um mangelnde Abwechslung braucht man hier also nicht besorgt zu sein – eher noch um die Einzigartigkeit. Denn zugegeben, keines der Elemente, vor allem aber auch nicht die Art und Weise, in der SIBERIAN sie verknüpfen, macht „Through Ages Of Sleep“ einzigartig. Tatsächlich ist mancher Part fast schon generisch, wie nach dem „Leitfaden Post-Metal/Sludge“ konstruiert. Wer nicht ausschließlich in diesem Genre unterwegs ist oder nicht mit dem Anspruch an SIBERIAN herantritt, Ungehörtes zu hören, kann darüber jedoch getrost hinwegsehen.

Sollte man sogar – denn sonst beraubt man sich aus reiner Sturheit den Freuden eines extrem gefälligen Albums: SIBERIAN haben „Through Ages Of Sleep“ vielleicht nicht ausgefallen, aber rundum stimmig komponiert. Das Resultat erinnert deswegen hier und da vielleicht an andere Bands oder auch mal ganz allgemein eine imaginäre „Genre-Blaupause“ – macht deswegen aber nicht weniger Spaß. Denn in der Umsetzung – technisch wie kompositorisch – haben SIBERIAN so manch anderer Band aus diesem Sektor einiges voraus.

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Lesser Glow – Nullity

Zwei Jahre ist her, dass die Amerikaner LESSER GLOW ihr durchaus gelungenes, aber etwas kurz geratenes Debüt „Ruined“ auf die Weltöffentlichkeit losgelassen haben. Nun steht mit „Nullity“ der Nachfolger in den Startlöchern – mit 31 Minuten immerhin rund ein Viertel länger als der Vorgänger. Bedeutet „kurz“ auch in diesem Fall „kurzweilig“ oder ist „Nullity“ nur ein belangloser Aufguss des Erstlings von 2018?

Definitiv ist ersteres der Fall: Schon nach wenigen Minuten ist klar, dass LESSER GLOW ihr Ursprungsrezept erfolgreich erweitert und verfeinert haben. Schwere Post-Metal- und Doom-Riffwalzen („The Great Imitator“) wechseln sich mit melodisch-atmosphärischen Passagen („I Am The Island“) ab – ein bisschen mehr Biss in den harten Parts, ein wenig mehr Dynamik und Luft in den ruhigeren Momenten. Die Produktion der live eingespielten Platte ist ähnlich räudig und unterkühlt, aber fett wie die des ersten Albums – wenn nicht sogar ein wenig ausbalancierter und, ohne dass LESSER GLOW hier grundlegende Kompromisse eingehen, ausgereifter.

Gesanglich hat Frontmann Alec Rodriguez anscheinend noch ein bis zwei Briketts draufgelegt: So gibt der gute Mann einerseits den bitterbösen Schreihals und wirkt dabei im positiven Death- und Doom-Metal-Sinne fast ein bisschen oldschool („Versterven“), während er andererseits durchaus stimmtechnisch versiert auch die melodischen Momente wie das Finale des Openers „The Great Imitator“ erfolgreich meistert. In letztgenannten Momenten erinnert er dabei auch mal an Alice In Chains in den neunziger Jahren – wie im mehrstimmigen Gesangspart des vorletzten Albumstracks „The Great Filter“.

Inhaltlich geben sich LESSER GLOW wenig optimistisch: Die Existenz des Menschen als Parasit des Planeten ist die Basis des lyrischen Konzepts, welches dabei Schöpfungsmythen ebenso berücksichtigt wie das letztlich unvermeidliche Massenaussterben der Menschheit auf der Erde. Tempomäßig bleiben LESSER GLOW im Down- bis Midtempo-Bereich, gerade die Gitarrenarbeit kommt über weite Strecken doomig, aber nicht langweilig daher – was natürlich auch an regelmäßig wiederkehrenden melodischen Songabschnitten liegt, die aber klangästhetisch nicht weniger verzerrt und kaputt sind (schön zu hören im Mittelteil von „Red Ayrag“). Insgesamt sind die Arrangements facetten- und abwechslungsreicher als auf „Ruined“, mit einer durchschnittlichen Laufzeit von vier Minuten werden die Songs nicht unnötig breitgetreten.

Highlights auf „Nullity“ zu benennen, fällt schwer, weil jeder Song großartige Momente bietet. Ausfälle gibt es im Umkehrschluss auch nicht zu verzeichnen – diese wären in Anbetracht der recht kurzen Spielzeit auch schwer zu verzeihen. Wer das Debüt der fünfköpfigen Kombo aus Boston mochte und harten Post-Metal mit melodisch-atmosphärischen Rockpassagen ohne übertriebenem Pathos mag, ist herzlich eingeladen, LESSER GLOWs neuestem Output eine Chance zu geben.

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Together To The Stars – As We Wither

Ihr Bandname mag ein Zuversicht ausstrahlendes Bild zeichnen, tatsächlich spielten die schwedischen Post-Black-Metaller TOGETHER TO THE STARS auf dem 2019 veröffentlichten „An Oblivion Above“ jedoch zutiefst melancholische Musik. Für Fans von Gruppen wie Harakiri For The Sky oder Woods Of Desolation hielt das Debüt des Duos zwar kaum Neues parat, doch mit seinen auffallend eingängigen und emotionsgeladenen Songs war es gerade auf ebenjene Hörerschaft ausgesprochen gut zugeschnitten. Mit „As We Wither“ legen TOGETHER TO THE STARS bereits ein Jahr später eine weitere LP nach – und schon der Titel und das Artwork nehmen vorweg, dass in ihrer Musik zwischen den angestrebten Sternen nach wie vor eine große, trostlose Leere klafft.

Dass seit „An Oblivion Above“ nicht viel Zeit vergangen ist, merkt man dem Opener „Respire“ deutlich an, setzen TOGETHER TO THE STARS hier doch exakt an dem Punkt an, an welchem der Vorgänger endete. Heisere, nicht sonderlich technisch versierte Screams, trübsinnige Post-Metal-Leads, die praktisch sofort ins Ohr gehen, und überwiegend getragenes Schlagzeugspiel sowie Songlängen jenseits der Sieben-Minuten-Marke bestimmen nach wie vor den Stil der Band. Wie sich schon auf dem nachfolgenden „Bioluminescence“ zeigt, sind die beiden Schweden jedoch nicht an ihrem Ausgangspunkt stehen geblieben, sondern haben ihren künstlerischen Horizont ein wenig erweitert.

So stößt man im besagten Track sowie im vergleichsweise kurzen „Som Hängandes Från Världen“ auch auf einfach gestrickte, rockige Beats und schwermütig verhallende Gitarren, während Fronter Franco Fuentes mehr Stimme in seinen Schreigesang legt und sie damit noch schmerzvoller, aufrichtiger und manchmal resignierender, wenn auch nicht gerade sauberer klingen lässt. In ebendiesen Passagen tun sich sogar gewisse Parallelen zu Lifelover auf, die an der Laufzeit von etwa einer Dreiviertelstunde zwar keinen besonders großen Anteil haben, sich aber doch bis zu den tristen Pianotönen am Ende des Abschlusstracks „Endeavour“ immer wieder durch das Album ziehen.

An Einzigartigkeit haben TOGETHER TO THE STARS damit zwar naheliegenderweise nicht zugelegt, wohl aber an Vielseitigkeit und Ausdrucksvermögen. Ein paar kleine Makel hat „As We Wither“ neben der etwas anstrengenden Vocal-Performance allerdings auch – so zum Beispiel die im Kontext der übrigen Musik etwas zu plumpen Blast-Beats und die stellenweise etwas unausgeglichene Produktion.

Alles in allem machen TOGETHER TO THE STARS auf ihrer zweiten Platte ungefähr so viele Schritte vorwärts wie rückwärts. Einerseits passen die in „As We Wither“ neu hervorgekommenen Einflüsse sehr gut in die Songs und verleihen ihnen eine größere gefühlsmäßige Wirksamkeit, andererseits wirken die Stücke zum Teil etwas ungelenker und nicht mehr ganz so einprägsam. Davon abgesehen haben sich die Post-Black-Metaller die meisten der Stärken, aber auch der Schwächen ihres Erstlings bewahrt. Dass TOGETHER TO THE STARS dennoch nicht künstlerisch auf der Stelle treten, ist für sich allerdings durchaus erfreulich, sodass „As We Wither“ den Fans des Genres letztlich in gleichem Maße wie das Debüt nahegelegt werden kann.

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Old Man Gloom – Seminar IX: Darkness Of Being

Die letzten Studioalben liegen sechs Jahre zurück, vor vier Jahren noch ein Lebenszeichen in Form eines Livealbums und schließlich der tragische Tod von Bassist Caleb Scofield (Cave In) im Jahr 2018 – das Erscheinen eines neuem Albums von OLD MAN GLOOM erschien immer unwahrscheinlicher. Aber wie so oft führte der Tod eines geliebten Menschen zu einem Aktivitätsschub im Schaffen der restlichen Band um Aaron Turner (Mastermind der nicht mehr aktiven Post-Metal-Legende Isis) und Nate Newton (Converge). Die Lücke, die Scofield am Viersaiter hinterließ, wurde mit Stephen Brodsky (ebenfalls Cave In) in angemessener Weise geschlossen und neben einer hohen Live-Präsenz brachte man auch Zeit im Studio zu: Das Resultat ist „Seminar IX: Darkness Of Being“, der erste von wohl zwei neuen Longplayern.

Hier muss man kurz ausholen: OLD MAN GLOOM machten sich schon in der Vergangenheit mit „The Ape Of God“ einen Witz daraus, ein Album anzukündigen und ein zweites gleich mitzuschreiben und zu veröffentlichen. Im genannten Fall sogar mit identischem Artwork, lediglich Katalognummern und Barcodes ließen Rückschlüsse auf die vorliegende Version zu. Für dieses Jahr war der Plan: Im Mai sollte das schon länger angekündigte Album „Seminar VIII: Light Of Meaning“ erscheinen und eine Woche vorher, ohne Ankündigung, Teaser oder ähnlichem das vorliegende Werk „Seminar IX: Darkness Of Being“. Aber dann veränderte ein Virus die Welt und OLD MAN GLOOM zogen das Release für letztgenannte Platte kurzerhand vor.

Lange Rede kurzer Sinn: „Seminar IX: Darkness Of Being“ ist trotz unfreiwilligem Personalwechsel und sechs vergangenen Jahren in vielerlei Hinsicht ein typisches OLD-MAN-GLOOM-Album, bestehend aus harten Sludge-/Post-Metal-Passagen, elektronischen Noise-Collagen, repetitiven Strukturen und den typischen, stilistisch sehr unterschiedlichen Growls von Turner und Newton – cleane Gesangspassagen, wie sie Scofield zu Lebzeiten beigesteuert hat, gibt es nun auch von Brodsky, der sich aber stimmlich merklich von seinem Vorgänger (der auf dem vorliegenden Release aber immer noch mit einzelnen Bassspuren und Vocals, die er vor seinem Tod eingespielt hat, vertreten ist) unterscheidet. Besonders gut hörbar im Albumcloser „Love Is Bravery“, der um Minute drei beinahe Assoziationen zu Alice In Chains weckt und auch insgesamt ziemlich melodisch daherkommt.

„Seminar IX: Darkness Of Being“ ist allgemein (gerade im Vergleich zu den chaotischen, noisigeren Frühwerken) beinahe zugänglich geraten. Harte Prügelpassagen wie im mantra-artigen Opener „Procession Of The Wounded“ oder dem Zehnminüter „Canto De Santos“ wechseln sich mit durchaus melodischen Parts oder sogar Songs wie dem akustischen „Death Rhymes“ (featuring Mamiffers Faith Coloccia) ab. „In Your Name“ wartet sogar mit einer Fuzz-Gitarre und einem ziemlich groovigen Stoner-Riff auf, bevor die Nummer in eine beinahe schmerzhafte Feedback-Effektpedal-Kakophonie umkippt, die sich gewaschen hat.

Abwechslung ist also gegeben, ein gewisses Maß an Zugänglichkeit sicher auch – trotzdem ist „Seminar IX: Darkness Of Being“, wie die anderen OLD-MAN-GLOOM-Alben auch, nicht für jedermann. Die rauhe, ungeschliffene und fette Produktion lässt sogar die schönen Momente in einem düsteren Licht erscheinen und die harten Abschnitte zehren durch ihre sich steigernden Wiederholungen schon auch merklich an den Nerven. Wer sich aber darauf einlässt wird mit einem atmosphärischen, hässlichen, groovigen, modernen, abwechslungsreichen, schönen, schleppenden, repetitiven und noisigen Stück Metal… oder so… belohnt. Fans von Converge oder Sumac können blind zugreifen, sind aber gewarnt.

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Une Misère

  • English Version

    UNE MISÈRE are a young and ambitious Metalcore-band, that released their debut „Sermon“ in late 2019. The five guys played themselves into slots at big European festivals, followed by a few very interesting tours all over the globe, in a very short time. Those are enough reasons catch up with vocalist Jón Már Ásbjörnsson and talk about the quick rise of the band, their first full-length and the underground scene in Iceland.


    Hey, how is it going so far?
    Hey man – it’s going pretty good!

    So many of our readers might not be familiar with UNE MISÈRE. Would you ike to introduce your band?
    We are a band from Iceland that’s signed to Nuclear Blast and is booked through Avocado Bookings. We play heavy, hard music and we like for people to be as miserable as us (laughs).

    As you said, you’re from Iceland. Why did you decide to give your band a French name? What does it mean to you?
    Well, there are a few things to that. For first, we didn’t want to go with the icelandic word – „Eymd“ – because that just sounds like a shitty Black-Metal-Band, which we’re not. In English – „Misery“ – it just doesn’t seem to be enough. It’s kind of a one side of a die. Then we heard it in French from our guitar players, Gunnar, then roommate who is French and we just fell for it. The French language is bigger than others and UNE MISÈRE just sounds more beautiful but at the same time, more painful and difficult.

    The last few weeks you’ve been on tour with Darkest Hour. How were the shows going and how is it supporting a band that is about 20 years longer in the metal-game than you are?
    The shows went really, really great and the boys in Darkest Hour really were amazing. They put on an insane show every damn night and it was a true privilege to be able to watch them perform so many times. Supporting a band that’s been in the game for so long is nothing but an honor. And to see such a cross cut of fans is a lot of fun. You see the younger kids that appreciate the „old dogs“ and you see the older fans that have been there forever. I love it.

    In November you released your debut-album „Sermon“ via Nuclear Blast. Before this you only released a three-song-EP. Could you please explain how it came to the signing with the biggest metal-label in the world before even releasing an album?
    Well, a lot of credit goes to our manager, Simon Fulleman with AISA Music. He’s the smartest man in the world and more often than not, he has more faith in us than we do ourselves. But it was also a lot about being in the right place at the right time. As has happened with a lot of our endeavours. That being said – I won’t ever say that we haven’t worked for this. We’ve worked our asses off and we keep doing so haha. We have a clear goal in mind and we aim to finish it. And then some.

    So „Sermon“ is a hard hitting record – musically and emotionally. On the one hand there are these very heavy Metal- and Hardcore-Riffs, on the other hand there are some parts with an more atmospheric approach to Post-Metal, which results in a very interesting combination one hasn’t heard that often. So where do you get your inspiration from?
    Well, even though each member has been prominent in the Icelandic metal scene before this band, we were all in different sub genres. We come from mathcore, metalcore, grindcore, hardcore – all over. And we’re all listening to such different music but we combine both our past and our present circumstances into our writing. To say it simply – We write the music we think reflects our thinking and that we think sounds good.

    „Sermon“ has been out for three months now. How was the feedback? Are you satisfied with how it turned out?
    Feedback has been great. Better than we had dared to expect I guess. I mean, the album is taking us to North America in march and to the Impericon Festivals (author’s note: Both has been cancelled or postponed due to the Corona-virus) in april so I can’t complain.

    Could you please tell us how the songwriting process for the album was going?
    Well, the process has been all over. All from someone bringing a riff or an almost finished song from home or the songs being built from scratch in the rehearsal space. Even in the studio as well. We don’t have a formula of some sorts.

    Some of your lyrics seem to be about addiction, especially the ones for „Overlooked / Disregarded“. Is there a story behind it and could you please explain?
    Yeah, the lyrics on this album are very personal and written from a personal point of view as they are about addiction, mental health issues, veganism and stuff like that. „Overlooked / Disregarded“ is about being so far in the pit that I started hating people that were really close to me and wanted nothing but good things for me. I just couldn’t see it because I wasn’t myself. I see today though that the blame wasn’t theirs. Nor was it drugs. It was my own and nobody elses. Everyone’s on good terms today though and I’m really thankful for that.

    Does „Sermon“ follow a concept or does every song stand for itself? If it does, could you please explain?
    Well, every song stands for itself but the overall theme is basically „Don’t give up“.

    While the most parts of the record hit right into the face of the listener, there are a few parts that seem uncommon for UNE MISÈRE – for example the clean vocals on „Fallen Eyes“ or the electronic intro of „Beaten“. How came the ideas for these experiments? Do you think about using these elements more often in the future?
    Oh we’ll definitely be using more of those experimental ideas in the future. As I said before, we’re all listening to all kinds of music so the influences are coming from whereever and are deliver in a lot of ways. So for those who like the experimental vibes of the album, expect them to return.


    For a young band as you are, you have an amazing presence on stage. It seems like the whole band is surrounded by a very special aura – especially yours Jón. How does your stage-acting connect to your music? Is it something you think about before the gig or does it just happen when you enter the stage?
    Funny how you say acting. I wouldn’t call it acting as it is just another side of me that I keep repressed until we go to the stage. We’ve often talked about how we take our problems with us up on stage and battle them up there. Sometimes, we win the battle – then we get off the stage quite pleased.

    After your European run with Darkest Hour you will leave for your first American tour as support for Thy Art Is Murder and Fit For An Autopsy. What do you expect from this tour with such an amazing line-up?
    We expect the same things as everyone else who’s going to the shows – a lot of fun. In my personal opinion, Thy Art and FFAA had two of the biggest albums of last year so this is all very, very exciting for us.

    Iceland is not very well known for its Metalcore-scene and none of the bigger tours come over to the island. So could you please tell us something about the scene itself at your home?
    Well, the scene itself is quite vibrant here at home but the difference from other scenes may be the fact that although we have subgenres, they all share a bill together every now and then and there really isn’t that much competition between genres or scenes here in Iceland. We all like to help each other out. It’s better that way. Except if you’re an asshole or a bad, shitty person. Then you won’t get any help.

    What is your personal favourite UNE-MISÈRE-song and why?
    For me personally, I’d have to say „Sin & Guilt“ or „Voiceless“. Those songs are huge.  „Sin & Guilt“ has one of my favorite lyrics ever; „Don’t let me forget my pain“ and that’s kind of a cry-out to the people that I have wronged or have wronged me in the past. „Voiceless“ is close to heart as it touches onto veganism and the welfare of animals. Factory farming is intensely horrible and is really something that people should look into before having their next burger or hot dog.

    Who is the best newcomer right at the moment?
    I don’t know if they count as newcomers but Leeched and Employed To Serve are insanely good.

    2020 just started – to which album are looking forward the most?
    Well – Leeched just released an insanely heavy album, you should check that out. Other than that – I’m not quite sure of what albums are coming out this year. Well, Heaven Shall Burn are releasing an album. And Parkway Drive. That’s always fun.

    In the end of each interview we do the traditional Metal1.info-brainstorming. I give you a few words and you answer with the first that come to your mind:
    German beer – WACKEN
    Sólstafir – Flying V
    Brexit – Actions taken without thinking about the consequenses.
    Mozart – Chocolate haha

    Thanks for your time! I would leave the last words to you:
    If you’re feeling down and like everything is spiralling – talk to someone, contact anyone. There’s no need to go through these things alone.  No wound are too deep.

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  • Deutsche Version

    UNE MISÈRE sind eine aufstrebende, junge Metalcore-Band, die gegen Ende des Jahres 2019 ihr Debüt-Album „Sermon“ veröffentlicht hat. So konnte sich die Truppe neben Slots auf großen Festivals in kürzester Zeit auch als Support in das Line-Up einiger interessanter Touren spielen. Grund genug, um bei Sänger Jón Már Ásbjörnsson bezüglich des schnellen Aufstiegs, des ersten Full-Lengths und der isländischen Underground-Szene nachzuhaken.



    Hallo, wie geht es dir?
    Hey man – alles läuft richtig gut!

    Einige unserer Leser können sich unter UNE MISÈRE nicht viel vorstellen. Könntest Du Eure Band kurz vorstellen?
    Wir sind eine Band aus Island, die bei Nuclear Blast unter Vertrag ist und durch Avocado Bookings gebucht wird. Wir machen harte Musik und wollen, dass es den Leuten so miserabel geht wie uns. (lacht)

    Wie du bereits sagtest kommt ihr aus Island. Warum habt Ihr Euch dazu entschieden, der Band einen französischen Namen zu geben? Welche Bedeutung hat er für euch?
    Also, dafür gibt es mehrere Gründe. Zuallererst wollten wir nicht das isländische Wort „Eymd“ hernehmen, weil es nach einer schlechten Black-Metal-Band klingt, was wir keinesfalls sind. Das englische Wort „Misery“ schien aber irgendwie auch nicht zu genügen. Als wäre es nur die eine Seite eines Würfels. Dann hörten wir es auf französisch von dem damaligen Mitbewohner unseres Gitarristen Gunnar, der Franzose ist, und haben uns sofort verliebt. Die französische Sprache ist viel eindrucksvoller wie andere und UNE MISÈRE hört sich einerseits viel wunderschöner und gleichzeitig aber auch schmerzhafter und komplexer an.

    Die letzten Wochen wart Ihr auf Tour mit Darkest Hour. Wie liefen die Shows und wie ist es mit einer Band zu touren, die 20 Jahre länger im Metal-Geschäft ist, wie Ihr?
    Mit einer Band zu touren, die schon so lange im Metal tätig ist, ist einfach nichts als eine große Ehre. Und so einen bunt gemischten Querschnitt bei den Fans zu sehen ist toll. Da sieht man jüngere Leute, die die „Old Dogs“ bewundern und man sieht ältere Fans, die seit Anfang an dabei sind. Ich liebe es.

    Im November habt Ihr euer Debüt-Album „Sermon“ via Nuclear Blast veröffentlicht. Vorher gab es nur eine 3-Songs-EP. Könntest Du erklären, wie es dazu kam, bei dem größten Metal-Label unter Vertrag zu kommen, ohne überhaupt ein Album herausgebracht zu haben?
    Also, der größte Verdienst geht wohl an unseren Manager, Simon Fulleman mit AISA Music. Er ist der klügste Mensch der Welt und hatte mehr Vertrauen in uns als wir selber. Aber es hatte auch viel mit zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein zu tun. Ich will damit nicht sagen, dass wir nicht hart dafür gearbeitet haben. Wir haben uns nämlich den Arsch dafür abgearbeitet und machen es noch immer. (lacht) Wir haben ein klares Ziel vor Augen, das wir erreichen wollen. Und dann noch ein paar weitere.

    Sermon“ ist eine schwer zu verdauende Platte – sowohl musikalisch als auch emotional. Einerseits gibt es da diese harten Metal- und Hardcore-Riffs und dann aber auch Stellen mit einem eher atmosphärischen Ansatz hin zum Post-Metal. Das Ergebnis ist eine sehr interessante Kombination, die man nicht oft zu Hören bekommt. Wo kommt also Eure Inspiration her?
    Nun ja, da jedes Mitglied von uns schon vor der Band bekannt in der isländischen Metal-Szene war, waren wir alle in unterschiedlichen Sub-Genres. Wir kommen aus dem Mathcore, Metalcore, Grindcore und Hardcore – von überall. Und wir hören alle unterschiedliche Musik und kombinieren dabei unsere Vergangenheit mit aktuellen Einflüssen und lassen das ins Songwriting einfließen. Um es kurz zu sagen: Wir schreiben Musik, bei welcher wir denken, dass sie unsere Einstellungen widerspiegelt und sich gut anhört.

    Sermon“ ist nun schon eine ganze Weile draußen. Wie ist das Feedback? Seid Ihr mit der Entwicklung zufrieden?
    Das Feedback was super, sogar besser als wir uns erhofft haben. Ich meine das Album bringt uns im März nach Nordamerika und im April auf die Impericon Festivals (Anm. d. Red.: Beides wurde aufgrund des Corona-Virus abgesagt bzw. verschoben), ich kann mich nicht beschweren.

    Könntest Du uns verraten wie der Prozess für das Songwriting des Albums abgelaufen ist?
    Also, der Prozess war dauernd und überall. Jemand hat ein Riff mitgebracht oder einen fast fertiggestellten Song von zuhause oder die Songs wurden im Proberaum zusammengekratzt. Genauso wie im Studio. Wir haben da keine bestimmte Formel.

    Manche Eurer Texte scheinen sich um Sucht zu drehen, ganz besonders bei „Overlooked / Disregarded“. Gibt es dahinter eine Geschichte und möchtest du die erzählen?
    Ja, die Texte auf dem Album sind sehr persönlich und aus einer sehr persönlichen Sichtweise auf Sucht, mentale Gesundheitsprobleme, Veganismus und so Sachen. In „Overlooked / Disregarded“ geht es darum, so tief in der Grube zu stecken, dass ich begann, Menschen, die mir nahestanden und nur das Beste für mich wollten, zu hassen. Ich konnte es einfach nicht sehen, weil ich nicht ich selbst war. Heute sehe ich, dass es nicht deren Schuld war. Genauso wenig war es die Schuld der Drogen. Es war meine Schuld und sonst niemand anderes. Heute geht es allen gut und dafür bin ich sehr dankbar.

    Folgt „Sermon“ einem Konzept oder steht jeder Song für sich selbst?
    Nun, jeder Song steht für sich selbst, jedoch unter dem Haupt-Thema: „Gib nicht auf“.

    Während die meisten Stellen der Platte dem Hörer die Ohren weghauen, gibt es einige Teile, die untypisch für UNE MISÈRE sind, z.B. die Clean Vocals in „Fallen Eyes“ oder das elektronische Intro bei „Beaten“. Wie kam die Idee für solche Experimente? Habt Ihr vor solche Elemente zukünftig öfter einzubauen?
    Oh, wir werden definitiv zukünftig mehr solcher experimenteller Ideen benutzen. Wie ich schon sagte, hören wir alle Arten von Musik, daher kommen die Einflüsse von überall und werden in allen möglichen Arten von uns aufgenommen. Deshalb können sich alle, denen diese experimentelle Stimmung auf dem Album gefällt, auf Weiteres freuen.


    Für eine junge Band, die Ihr nun mal seid, habt Ihr eine beeindruckende Präsenz auf der Bühne. Es scheint, als wäre die gesamte Band von einer gewissen Aura umgeben – besonders Deine, Jon, ist einzigartig. Wie verbindet sich das Bühnen-Auftreten mit Eurer Musik? Ist es etwas, worüber Ihr vorher nachdenkt, oder passiert es auf der Bühne ganz spontan?
    Ich würde es nicht unbedingt als besonderes Auftreten oder Choreo bezeichnen, sondern viel mehr als eine Seite von mir, die ich unterdrücke bis ich auf der Bühne stehe. Wir haben schon oft darüber gesprochen, wie wir unsere Probleme mit auf die Bühne hoch nehmen und sie dann dort bekämpfen. Manchmal gewinnen wir diese Kämpfe – dann gehen wir sehr dankbar von der Bühne.

    Nach Eurer Europa-Tour mit Darkest Hour, werdet Ihr das erste Mal in Amerika auftreten als Support für Thy Art Is Murder und Fit For An Autopsy. Was erwartet Ihr von einer Tour mit einem solch großartigen Line-Up?
    Wir erwarten genau das, was jeder erwartet, der auf diese Shows geht: eine Menge Spaß. Meiner persönlichen Meinung nach hatten Thy Art Is Murder und Fit For An Autopsy zwei der fettesten Alben des letzten Jahres, deshalb ist alles sehr, sehr aufregend für uns.

    Island ist nicht gerade bekannt für seine Metalcore-Szene und keine größere Tour kommt dorthin. Könntest du deshalb was über die Szene in Eurer Heimat erzählen?
    Also, die Szene an sich ist zuhause ziemlich dynamisch aber der Unterschied zu anderen Szenen ist der, dass wir Sub-Genres haben, die alle unter einen Hut gehören und daher kein großer Wettbewerb zwischen Genres und Szenen besteht. Wir alle mögen es, einander zu helfen, so lebt es sich besser. Es sei denn, du bist ein Arschloch oder einfach eine schlechte Person, dann kriegst du nämlich keine Hilfe.

    Was ist Dein persönlicher UNE-MISÈRE-Lieblingssong und warum?
    Für mich persönlich würde ich sagen „Sin & Guilt“ oder „Voiceless“. Diese Songs sind großartig. „Sin & Guilt“ hat einen meiner Lieblingstexte: „Don’t let me forget my pain“ und das ist ein Ausruf an alle, denen ich in der Vergangenheit wehgetan habe oder die mir wehgetan haben. „Voiceless“ geht einem nahe ans Herz, weil er Veganismus und das Wohlergehen der Tiere behandelt. Industrielle Landwirtschaft ist grausam und etwas, womit sich die Menschen beschäftigen sollten, ehe sie zu einem Burger oder Hot Dog greifen.

    Wer ist momentan der beste Newcomer?
    Ich weiß nicht, ob die als Newcomer zählen, aber Leeched und Employed To Serve sind wahnsinnig gut.

    2020 hat gerade erst begonnen – auf welches Album freust Du dich am meisten?
    Also – Leeched haben gerade ein irrsinnig gutes Album herausgebracht, das sollte man auschecken. Abgesehen davon bin ich mir nicht ganz sicher, welche Alben dieses Jahr erscheinen. Nun ja, Heaven Shall Burn bringen eins raus und Parkway Drive auch. Das ist eigentlich immer gut.

    Am Ende eines jeden Interviews machen wir das traditionelle Metal1.info-Brainstorming. Ich gebe dir ein paar Stichworte und du antwortest mit dem ersten, das dir dazu einfällt:
    Deutsches Bier: WACKEN
    Sólstafir: Flying V
    Brexit: Es wurde gehandelt, ohne über die Konsequenzen nachzudenken.
    Mozart: Schokolade (lacht)

    Danke für Deine Zeit! Die letzten Worte überlasse ich Dir:
    Wenn Du Dich schlecht fühlst und alles den Bach runter zu gehen droht – rede mit jemandem, kontaktiere jemanden. Es gibt keinen Grund, all diese Dinge alleine durchstehen zu müssen. Keine Wunde ist zu tief.

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Dieses Interview wurde per E-Mail geführt.
Zur besseren Lesbarkeit wurden Smilies ersetzt.

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Skyforest – A New Dawn

Im Jahr 2013 entschied sich der russische Einzelmusiker B.M. dazu, mit seinem Atmospheric-/Post-Black-Metal-Projekt Annorkoth abzuschließen und mit SKYFOREST sogleich ein neues Kapitel aufzuschlagen. Erschien diese Entscheidung angesichts der kaum nennenswerten Stilveränderung anfangs womöglich noch sinnlos, so zeigte sich doch nach und nach, dass der Gründung des neuen Projekts eine nachvollziehbare Überlegung zugrunde lag. Hatte der Solokünstler mit Annorkoth noch eine tiefe Schwermut zum Ausdruck gebracht, so wich diese in den Songs und auch in den Album-Artworks von SKYFOREST langsam einer sanften, sogar durchaus hoffnungsvollen Melancholie. Der Titel des vier Jahre nach „Unity“ (2016) erscheinenden dritten Albums „A New Dawn“ könnte daher im Hinblick auf den Hintergrund des Projekts kaum passender gewählt sein.

Wer es nicht schon aufgrund dieser Vorgeschichte, des Titels und des Coverbilds der Platte erahnt hat, dem sei gesagt, dass „A New Dawn“ definitiv nichts für Kitschverächter ist. Selbst mit Post-Black-Metal, der von vielen Traditionalisten aufgrund seiner vermeintlichen Gefühlsduselei schon gar nicht mehr als Black Metal im eigentlichen Sinn wahrgenommen wird, hat SKYFOREST hier kaum noch etwas zu tun. Zwar setzt B.M. in den zwischen sieben und neun Minuten langen Tracks doch hin und wieder zu einem Befreiungsschlag aus kraftvollem Riffing und Blast-Beats an, in diesen steckt jedoch keine Spur von Zorn oder Bosheit. Vielmehr handelt es sich dabei um den überschwänglichen Ausdruck tief empfundener Zuversicht, die auch in den ruhigeren, etwas betrübenderen Passagen nie ganz verloren geht.

Ansonsten arbeitet SKYFOREST in erster Linie mit getragenen, fast schon sanftmütigen Leadgitarren und Soli, die nicht selten an Saor erinnern („Rebirth“), urig-beschwingten Akustikgitarren („Scattered Ashes“), manchmal tribal-artig klingenden Perkussionen und pompösen Keyboards. Vor allem an letzteren werden sich sicherlich die Geister scheiden, übertreibt es SKYFOREST hierbei mitunter doch etwas zu sehr mit dem Pathos. An manchen Stellen gelingt es der Ein-Mann-Band jedoch ausgesprochen gut, damit das richtige Maß an Epik zu erreichen, was in dem einen oder anderen wirklich packenden Auftakt resultiert („The Night Is No More“).

Auch in gesanglicher Hinsicht zeigt SKYFOREST Mut zur Zärtlichkeit. Seine naturromantischen, sehnsüchtigen Texte trägt B.M. überwiegend in ahnungsvollem Flüsterton vor und selbst die gelegentlichen Screams klingen eher gehaucht als geschrien. Die kräftigsten Vocals kommen auf „A New Dawn“ von Gastsängerin Clare De Lune, die den Stücken mit ihrer gefühlvollen, aber resoluten und nie zu affektierten Stimme eine absolut mitreißende emotionale Sogwirkung verleiht.

Darüber, ob SKYFOREST mit seinem minimalen Anteil an Schreigesang und Highspeed-Riffing und -Drumming überhaupt noch als Black Metal durchgeht, lässt sich gewiss zu Recht debattieren. Ganz unabhängig davon, ob man das Nachfolgeprojekt von Annorkoth bloß noch über seine Folk- und Post-Rock-Einflüsse definieren möchte, steht jedoch außer Frage, dass B.M. mit „A New Dawn“ ein wunderbar ergreifendes Album kreiert hat, das dank seines starken Songwritings und seiner voll und ganz zufriedenstellenden Umsetzung den bisherigen Höhepunkt des Schaffens des russischen Einzelgängers darstellt. Fans von Les Discrets und Saor, die dem Keyboard-Pomp nicht grundsätzlich abgeneigt sind, sollten SKYFOREST spätestens hierdurch unbedingt in ihrer Sammlung willkommen heißen.

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Rosetta – Terra Sola

Rund 15 Jahre hat die Post-Metal-Truppe ROSETTA bereits auf dem Buckel, von Ermüdungserscheinungen allerdings keine Spur. Lediglich ein bisschen ruhiger sind die fünf Jungs aus Philadelphia im Alter geworden – so auch auf der neuen EP „Terra Sola“, auf der ohne Frage entspanntere Klänge im Fokus stehen. Was aber nicht bedeutet, dass so gar keine Zähne gezeigt werden.

Tera Sola“ umfasst drei Songs bei einer Spielzeit von rund 23 Minuten, die Hälfte davon wird dabei vom Opener und Titeltrack beansprucht. Und dieser ist ohne Frage mehr als großartig und macht definitiv Lust auf ein neues ROSETTA-Album: Atmosphärisch-getragen mit cleanem Gesang auf der einen Seite, weiß die Nummer andererseits auch durch ihre härteren Passagen zu gefallen – geshoutete Vocals inklusive. Arrangement und Spannungsbogen sind absolut rund, somit steht dem Soundtrack zum eigenen Kopfkino nichts im Wege.

Die anderen beiden Titel konzentrieren sich dann (bei wesentlich kürzerer Laufzeit) ausschließlich auf die ruhigere Seite von ROSETTA: „57844“ versteht sich dabei als Fortsetzung des Songs „54543“ vom vorangegangenen 2017er Album „Utopioid“, indem es dessen harmonische Struktur aufgreift, während das instrumentale „Where Is Hope?“ von Akustikgitarren und elektronischen Elementen dominiert wird. Beides schöne Songs mit Soundtrackcharakter, wenn auch nicht so stark und abwechslungsreich wie „Terra Sola“.

Musikalisch und tontechnisch hat man nix zu meckern. Vor allem das ausdrucksstarke Schlagzeugspiel von Bruce McMurtrie Jr. im Titeltrack fällt positiv auf, prügelt der gute Mann sich einen Großteil der Zeit die Seele aus dem Leib, was die atmosphärische Gitarrenarbeit hervorragend kontrapunktiert. Die Produktion klingt warm und voll, dabei aber jederzeit differenziert aus den Lautsprechern.

Sollten ROSETTA „Terra Sola“ mit dem Ziel veröffentlicht haben, wieder auf dem Radar des geneigten Zuhörers sichtbar zu sein und Lust auf ein neues Album zu machen: Mission erfüllt. Gerade der Titeltrack zeigt alle Stärken der Band konzentriert auf und lässt auf Großes hoffen. Wer die üblichen Verdächtigen wie Cult Of Luna, Isis, PG Lost oder Mogwai gerne hört, macht hier sicher nichts falsch – zumal „Terra Sola“ auf der bandeigenen Bandcamp-Seite für lau zu haben ist.

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Toundra – Das Cabinet des Dr. Caligari

Mit ihren durchweg starken Alben und konstant packenden Liveshows haben sich TOUNDRA in den letzten 13 Jahren einen mehr als guten Ruf in der Post-Rock-Szene erarbeitet. Als wollten sich die Spanier nun noch eindrücklicher von durchschnittlichen Bands abheben, ist Album Nummer sechs nicht mehr nur ein Album, sondern ein umfassenderes Kunstprojekt geworden: ein Soundtrack zum Stummfilm-Klassiker „Das Cabinet des Dr. Caligari“, der 2020 seinen 100. Geburtstag feiert.

So ist das Werk, das den gesamten Film musikalisch untermalen soll und auf der kommenden Tour begleitend zum Film vorgeführt wird, der Bewegtbild-Vorlage entsprechend rund 70 Minuten lang. Diese verglichen mit den letzten Alben überdurchschnittlich lange Spielzeit füllen TOUNDRA bandtypisch – aber doch anders, als man es von den Madrilenen bislang gewohnt war.

Zwar erkennt man als Fan der früheren Alben TOUNDRA insofern schnell wieder, als die ruhigen Arrangements auf „Das Cabinet des Dr. Caligari“ direkt vertraut klingen. Im Gegensatz zu „Vortex“ gibt es allerdings auch fast nur ebensolche ruhige Arrangements: Nicht nur, dass der Sound etwas dünner und transparenter wirkt, auch sind die verzerrten Gitarren weitgehend verschwunden oder spielen eher in einsam-verlorenen Tonfolgen denn in geschrammelten Riffs eine Rolle.

Getreu dem in sechs Akte geteilten Film ist auch das Album in sechs Stücke (plus die vorangestellte Titelsequenz) unterteilt. Und entsprechend den Akten sind die Stücke allesamt zwischen zehn und 14 Minuten lang. Was man sich als Begleitung zum Film gut vorstellen kann, funktioniert ohne Bewegtbilder leider nicht immer: Zwar entwickeln TOUNDRA die überlangen Stücke sehr elegant über die Zeit weiter. Die eine oder andere Länge in Parts, die TOUNDRA als ungebundene Komponisten sicherlich nicht so arrangiert hätten, schleicht sich leider trotzdem ein. So ist die Musik diesmal quasi vorgabenbedingt nicht so prägnant wie etwa auf „Vortex“. Um sich in TOUNDRAs fast meditativ Klangwelten zu verlieren, eignet sich das Album dafür umso besser.

Alles in allem fließt „Das Cabinet des Dr. Caligari“ nämlich recht beständig dahin – und erinnert in diesem Punkt stark an klassische Stummfilm-Begleitung: Über weite Strecken bleibt die Musik recht gemächlich, auf das filmische Geschehen scheinen TOUNDRA nicht gezielt einzugehen. Allzu dramatisch wird hier jedenfalls nichts inszeniert. Inwieweit das der Atmosphäre des Films entspricht, lässt sich wohl erst bei den Livedarbietungen mit Filmvorführung beurteilen – eine DVD, auf der Bild und Ton auch daheim vereint zu erleben sind, wäre bei diesem Projekt eigentlich ein Muss gewesen.

So krankt das Album an einem grundsätzlichen Problem: „Das Cabinet des Dr. Caligari“ ist keine Sammlung der besten Soundtrack-Themes eines Films, sondern eher eine durchgehende Tonspur zum gesamten Film. Und eine solche kann so liebevoll umgesetzt sein, wie sie mag – ohne die Bilder fehlt dem Werk eine Dimension – und stellenweise auch die Begründung für überlange Songs.

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