Review Rush – R40 Live

40 jähriges Bandjubiläum – wie feiert man das angemessen? Zugegeben, diese Frage müssen sich nur die wenigsten Truppen stellen, doch RUSH sahen sich genau mit dieser Frage konfrontiert. Die Lösung: Eine Zeitreise durch den eigene Backcatalogue, quasi eine musikalische Zeitreise, aufgeteilt in zwei Sets, an zwei Abenden und nun auch zu Hause: Vorhang auf für „R40 Live“, bestehend aus drei CDs und einer DVD oder Blu-Ray.

Allein das Setting unterstreicht die Bedeutung dieses Abends für RUSH: Eine hochmoderne Bühne, die sich dreht und das Thema des aktuellen Albums „Clockwork Angels“ so farbenfroh wie bombastisch wiedergibt. Doch nicht nur die Gegenwart, auch die Vergangenheit findet sich in dieser Bühne wieder. So gibt es jede Menge Fotowände, an denen Erinnerungen von Band und Fans dokumentiert sind und somit die Geschichte der Kanadier einfangen. Sogar in eine Turnhalle, in der RUSH einst spielten, transportiert „R40 Live“ den Zuschauer.
Dabei setzten RUSH am 17. und 19. Juni 2015 (als die Show aufgezeichnet wurde) natürlich nicht nur auf optische Höhepunkte, sondern zeigten sich auch musikalisch in Höchstform. Geddy Lee, Alex Lifeson und Neil Peart zelebrieren hier ihre gut 40-jährige Karriere mit einer standesgemäßen Retroperspektive. Dabei ist „Working Man“ nicht nur der Titel ihres vielleicht größten Hits, sondern auch Symbol für den Karrierebeginn der Band, mit dem der Abend beschlossen wird – ein gelungener Brückenschlag zwischen Gegenwart und Vergangenheit.
Im ersten Set von „R40 Live“ finden sich viele Songs wieder, die man live sonst eher selten hört, etwa „Roll The Bones“ (seit zehn Jahren das erste Mal wieder in der Setlist), „Subdivision“ oder „Losing It“, das sogar zum allerersten Mal live zu hören ist, und bei dem Violinist Ben Mink auf die Bühne kommt, der auch auf der Originalaufnahme vom 1982er Album „Signals“ zu hören war. Für Fans von RUSH ist diese erste CD sicher eine tolle Sache, wohingegen sich Neulinge vielleicht etwas schwerer tun werden, was allerdings nicht an der Qualität der Songs liegt.
CD bzw. Set 2 enthält wiederum die großen Hits der Band, sei es „Tom Sawyer“, „The Spirit Of Radio“, „Jacob’s Ladder“, „Xanadu“ (bei dem Alex und Geddy natürlich auch ihre doppelhälsigen Klampfen auspacken), und, und, und… Man sieht, an Krachern besteht kein Mangel und RUSH spielen ihre Songs mit so viel offensichtlicher Freude, dass man nicht anders kann, als sich anstecken zu lassen.
Aufgezeichnet wurde „R40 Live“ von satten 14 Kameras, die jeden Aspekt der Show professionell und filmreif einfangen. Der Schnitt ist dabei glücklicherweise weit davon entfernt, hektisch zu sein und lässt den Zuschauer in aller Ruhe die eingefangenen Bilder bestaunen, ehe es weiter geht. Einen kleinen Wermutstropfen gibt es allerdings in Form des Gitarrensounds. Der ist, widererwarten, etwas dumpfe geraten, sodass Alex bei „The Spirit Of Radio“ und „Far Cry“ fast eine wenig untergeht. Im Gegensatz dazu wurde Mr. Peart mit einem Schlagzeugsound versehen, der einfach nur zum niederknien genial ist. Geddy wiederum bietet seine gewohnte Performance, dass sein Gesang gewöhnungsbedürftig ist, sollte mittlerweile bekannt sein. Allerdings klingen die Vocals bisweilen schon arg gekrächzt, etwa bei „Headlong Flight“.

Und trotzdem ist „R40 Live“ ein mächtiges Livedokument einer legendären Band, das unterstreicht, warum sich RUSH auch nach 40 Jahren einer ungebrochener Beliebtheit erfreuen. Denn bei all den möglichen (und auch gerechtfertigten) Kritikpunkten wird eines hier sehr deutlich: Man tut sich schwer eine zweite Band zu finden, die so konstant über eine so lange Zeit aktiv waren und dabei so viele großartige Songs und Alben abgeliefert haben. Vielleicht nocht Motörhead, aber die sind ohnehin eine Klasse für sich.

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Wertung: 9 / 10

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