Interview mit Nick Kolar von Commander

Stolze zehn Jahre nach ihrem letzten Studioalbum melden sich die Münchner Death-Metaller COMMANDER mit ihrer dritten CD zurück. Was die Band nach dem Split 2012 dazu bewogen hat, die Instrumente zwei Jahre später wieder in die Hand zu nehmen und das größtenteils schon lange fertiggestellte Material von „Fatalis (The Unbroken Circle)“ doch noch zu veröffentlichen, berichtet Bandkopf, Sänger und Gitarrist Nick Kolar.

Erst einmal: Schön, dass wir dieses Interview führen können! Ihr habt euch 2012 ja offiziell aufgelöst, damals meintet ihr, die Luft sei raus. Hättest du damals gedacht, dass es irgendwann weitergehen würde?
Nein, nicht wirklich. Ich möchte betonen, dass ich damals die Band aufgelöst habe, worüber der Rest der Band absolut nicht glücklich war. Für mich fühlte es sich aber in der Zeit danach richtig an, Schluss gemacht zu haben. Ich habe zum Beispiel im Frühjahr 2014 auch erstmalig wieder eine Gitarre in die Hand genommen.

Was ist danach passiert, was habt ihr in der Zwischenzeit musikalisch so gemacht? War das Thema Band für euch durch, oder habt ihr an neuen Projekten gearbeitet?
Unser Basser Toby spielte damals schon bei Grand Massive und unser alter Drummer Willy wechselte direkt zu Ossarium, welche damals im selben Proberaum geprobt haben wie wir. Unser Gitarrist Steffen hat dann musikalisch auch eher weniger gemacht und sich seiner Familie und dem Badminton gewidmet. Ich selber habe dann erstmal ausgiebig Eishockey/Inlinehockey gespielt. Musik war für mich gaaaanz weit weg. Wenn ich musikalisch was gemacht hätte, hätte sich das auch wieder nach COMMANDER angehört. Daher habe ich nie in Erwägung gezogen, eine andere Band aufzuziehen oder einer beizutreten.

Wie kam es dann dazu, dass COMMANDER jetzt wieder aktiv sind? Gab es da einen bestimmten Moment, oder war das eher ein Prozess?
Das war eher ein schleichender Prozess. Unser Gitarrist Steffen und ich standen ja trotzdem in ständigem Kontakt, wo dann halt irgendwann die Frage aufkam: Kann man so ein gutes Material einfach ungehört lassen? Steffen und Toby waren allerdings nicht sofort Feuer und Flamme, die Band wieder auferstehen zu lassen.
Auch der weitere Prozess war erstmal nicht einfach. Da waren einige Gespräche notwendig, bei denen auch die einen oder anderen aufgestauten Nicklichkeiten der Vergangenheit aufgearbeitet werden mussten.

In dem Statement damals hattet ihr auch geschrieben, dass euer drittes Album deswegen bedauerlicherseits nichte mehr realisiert wird. Wie weit waren die Arbeiten an einem dritten Album damals schon fortgeschritten?
Wir hatten 2012 zehn oder elf Songs ohne Texte fertig in der Schublade. Davon sind jetzt 9 auf dem Album gelandet, die weiteren Songs kommen dann auf das vierte Album drauf.

Wann habt ihr angefangen, wieder wirklich fokussiert auf dieses dritte Album hinzuarbeiten, wann war klar, dass ihr weitermachen wollt?
Im Frühjahr 2014 haben wir uns langsam wieder zusammengefunden. Zudem haben wir unseren Wunschkandidaten Flo für den vakanten Drumhocker rekrutieren müssen. Dann fängt man langsam an zu proben, was sich zu Beginn noch richtig beschissen angefühlt hat. Dann kommt man langsam rein, wächst zusammen, acht Monate später dann die Comeback-Show. Leider kam dann wieder das Schludern rein und man schob die offenen Punkte immer weiter und weiter, bis wir uns Anfang 2017 die finale Deadline gesetzt haben. Seitdem haben wir dann wirklich fokussiert bis zum Album-Abschluss gearbeitet.

Hattet ihr beim Proben Probleme, euch wieder in das alte Material einzufinden?
Probleme, sich da wieder reinzufinden, gab es nicht. Für uns war es ein natürlicher Prozess im Umgang mit dem neuen und alten Material. Wir haben 2014 mit unserem (neuen) Drummer Flo auch erstmal das gesamte „Fatalis“-Album einstudiert, bevor wir an den alten Katalog der ersten beiden Scheiben rangegangen sind, da das neue Material die Zukunft darstellt und die alten Songs eher die Zugabe.

Habt ihr nach der Wiederaufnahme der Arbeiten an dem Album wieder bei Null angefangen oder dort, wo ihr 2012 aufgehört hattet?
Nein, wir haben weder bei Null angefangen, noch haben wir unsere Arbeitsweise geändert, warum auch. Los ging es 2014 auch erstmal mit der Fertigstellung des Songs „Shattered Existence“, welchen wir damals exklusiv für den „Chaos Blast Compilation 014“-Sampler aufgenommen haben. Diesen Song haben wir dann für das Album nochmal neu aufgenommen, da der damalige Sound schon deutlich zu dünn war und es noch Luft nach oben gab – sowohl gesanglich, als auch an der Gitarre. Da musst Du die beiden Versionen einfach mal vergleichen … ein Unterschied wie Tag und Nacht. Die Wende im Songwriting hat aber der Song „Fatalis (The Unbroken Circle)“ eingeläutet, da wir hier angefangen haben, aus unserem typischen Song-Muster auszubrechen.

Wie alt ist der älteste, wie neu der jüngste Song auf dem Album?
“Chaos Awakening“ ist der Oldie aus dem Jahre 2009. Der jüngste Song ist „Shattered Existence“ aus dem Jahre 2014. Wobei Teile in „New Slave Democracy“ noch aus der „The Enemies We Create“ Songwriting-Session im Jahre 2007 stammen.

Wie würdest du „Fatalis (The Unbroken Circle)“ in einem Satz beschreiben?
Ein brachialer Melodie-Batzen mit Herz und Verstand.

Für den Sound zeichnet Patrick W. Engel (Temple Of Harmony) verantwortlich. Warum er, wie seid ihr auf ihn gekommen?
Den Engel kennen wir noch aus seiner Zeit bei Atanatos, beziehungsweise ist man sich im Laufe der Zeit ab und an über den Weg gelaufen, als er noch in Tirol gelebt hat. Mir gefällt seine Arbeit recht gut, wobei man erstmal schauen musste, ob es für die eigene Musik dann auch gut klingt. Ich wollte auch nicht unbedingt zu den üblichen zwei Verdächtigen der Szene gehen. Wir sind sehr glücklich mit der Endfassung des Albums.

Was macht für dich ein perfektes Cover-Artwork aus?
Man sieht ein Bild und denkt: Fuck yeah, das ist es!!!

Welche Idee steckt hinter eurem Artwork, und wer ist hier für die überaus gelungene Umsetzung verantwortlich?
Man kann mehrere Querverweise aus den Texten auf das Cover transportieren. Aber alleine zum Album-Titel „Fatalis“ (Schicksalsträchtig) und dem Zusatz „The Unbroken Circle“ passt das Cover relativ gut. Da hat der Remy von Headsplit-Design ganze Arbeit geleistet.

Live stellt ihr das Album erstmalig auf dem Dark Easter Metal Meeting vor – ein besseres Setting könnte es wohl kaum geben. Was kann man sich von der Show erwarten?
Wir haben uns ein neues Bühnen-Design und Bühnen-Klamotten angeschafft. Das Hauptaugenmerk der Show liegt eindeutig auf dem neuen Album „Fatalis (The Unbroken Circle)“. Den Rest müsst Ihr Euch einfach vor Ort selber anschauen.

Sind schon weitere Shows oder gar eine Tour in Planung?
Es wird 2018 noch einige Einzel-Shows und Festival-Auftritte geben. Wir wollen auf alle Fälle im Herbst touren, aber dazu habe ich aktuell noch keine Informationen. Alles Weitere wird sich zeigen. Leider waren wir zu lange aus dem Geschäft, als dass man erwarten könnte, dass es gleich so weiter geht, wie wir 2012 aufgehört haben.

Besten Dank für Zeit und Antworten. Zum Abschluss ein Brainstorming: Was fällt dir spontan zu folgenden Begriffen ein?
Das angekündigte Ende von Slayer: Totaler Mist, aber man wird nicht jünger. Gottseidank oft genug gesehen.
Angela Merkel: Ihre Zeit ist abgelaufen.
Dark-Easter-Band, auf die du dich am meisten freust: Bloodbath
Dein aktuelles Lieblingsalbum: Judas Priest – Firepower
COMMANDER in 10 Jahren: Puh, wird die Zeit zeigen. Wegen mir über die Rente hinaus!

Die letzten Worte gehören dir – gibt es noch etwas, was du unseren Lesern mitteilen möchtest?
Party hard and listen to Metal!!