Interview mit Sebastian Kröckel von Cranial

Mit „Alternate Endings“ haben CRANIAL soeben ihr zweites Album veröffentlicht. Wie weit die Band trotzdem noch als Nachfolger von Omega Massif gesehen werden kann, ob die Platte stellenweise vielleicht zu genretypisch ausgefallen ist und was einen guten Mix ausmacht, haben wir mit Gitarrist Sebastian Kröckel diskutiert.

„Auferstanden aus der Asche der geradezu allmächtigen Omega Massif, nahmen sich CRANIAL die besten Bestandteile jener, kreierten ihren eigenen Sound daraus und entwickelten ihn weiter“ heißt es im Pressetext. Wie steht ihr zu solchen Umschreibungen?
Natürlich kann man solche Formulierungen auch immer ein wenig als Werbung sehen oder als Mittel, um Aufmerksamkeit zu erregen. Aber ich meine schon, dass da was dran ist. Michael [Melchers, A. d. Red.] hat CRANIAL gegründet und er war bei Omega Massif auch für die Grundriffs zuständig. Das macht er nun auch bei CRANIAL – die Grundriffs schreiben. Und ich glaube, da hört man schon auch Omega Massif raus. Zumindest sagen uns das die Leute immer wieder.

Seht ihr CRANIAL denn selbst als Fortführung oder zumindest direkte Nachfolger von Omega Massif?
Ich sehe CRANIAL schon als eigenständige Band und nicht als Fortsetzung von Omega Massif. Es war nie der Plan, Omega einfach fortzuführen, sondern etwas neues, eigenes zu machen. Deshalb ja zum Beispiel der Gesang. Aber wie gesagt: Man hört Michaels Handschrift einfach raus.

Das Album hat ein sehr modernes Artwork. Wer zeichnet dafür verantwortlich und warum ist es das perfekte Cover für das Album?
Das Artwork ist von unserem Freund Ollo aka. Hummelgrafik. Perfekt für uns ist es, weil Ollo den Plattentitel mit diesen verzweigten organischen Strängen, die zum Teil ins Leere laufen und zum Teil verknüpft sind, perfekt umgesetzt hat. Und außerdem soll das Cover auch ein wenig eine Hommage an alte Hydrahead-Releases sein. Hat Ollo wieder super gemacht.

Worauf basieren die Songtitel, wo die Nummern ja kaum Text haben?
Die Titel stehen für die Gefühle und Szenarien die beschrieben werden. Die Texte sind sehr persönlich und eher kryptisch gehalten.

Betitelt ist die CD mit „Alternate Endings“ – was war die Inspiration für diesen Titel, wie steht er mit den Songs in Verbindung?
Der Titel des Albums kam eigentlich erst als bereits alles andere stand. Da die Texte persönliche Gefühlszustände beschreiben und die vier Songs auch von der Stimmung her alle ein wenig unterschiedlich sind, fanden wir, dass er gut passt.

Musikalisch geht ihr euren Weg weiter, könnte man sagen – worin unterscheidet sich das Album deiner Ansicht nach musikalisch vom Vorgänger?
Ich glaube wir haben es geschafft, unser Songwriting zu verfeinern und weiterzuentwickeln. Wir haben mehr auf Details geachtet und versucht, weniger unterschiedliche Riffs in einen Song zu packen. Somit sind die Songs in sich etwas runder, wie ich finde.

© Dominik Morber

Gerade im harschen Riffing finde ich die Songs dafür stellenweise sehr genretypisch, um nicht zu sagen „generisch“. Wie siehst du das?
Das ist sicherlich nicht von der Hand zu weisen. Allerdings finde ich schon, dass wir unterschiedliche Einflüsse mit dazu packen, woraus dann doch ein – zumindest für uns – interessanter Mix entsteht. Letztlich spielen wir die Musik, die wir selber gerne hören möchten – egal, in welches Genre das dann passt.

Sehr gelungen finde ich die atmosphärischen ruhigeren Passagen. Wie läuft da das Songwriting ab, probiert ihr da zuhause, im Proberaum oder erst im Studio herum, auch, was die Sounds angeht?
Dankeschön. Meistens schreibt Michael zuhause die Grundriffs und schickt die dann an alle weiter. Dann kann sich jeder was dazu überlegen und ausprobieren. Im Proberaum arbeiten wir diese groben Gerüste dann weiter aus. Jeder bringt seinen eigenen Einfluss mit dazu und wir verfeinern die Strukturen und überlegen, welche Sounds an welchen Stellen passen könnten. Läuft bei uns alles komplett demokratisch ab. Im Studio entstehen dann auch immer noch kleine Dinge.

Das Mastering hat Magnus Lindberg übernommen. Warum war er der Mann eurer Wahl – und seid ihr mit dem Resultat zufrieden?
Zum einen mögen wir sehr, was er bisher gemacht hat, und zum anderen wollten wir einfach mal was Neues ausprobieren. Bisher haben wir mit Role von der Tonmeisterei gearbeitet, er ist super. Aber für dieses Album wollten wir einen neuen Weg gehen und haben uns für Ghost City Recordings und Magnus entschieden. Er hat unseren Aufnahmen den perfekten Feinschliff verpasst.

Mir gefällt, dass das Album weniger auf Lautstärke gemastert ist als der Vorgänger. War das ein bewusstes Ziel von euch, und was findest du generell soundtechnisch diesmal besser gelungen?
Das Ziel war dieses Mal, die Songs differenzierter klingen zu lassen. Die Platte sollte natürlich brachial klingen, aber wir wollten auch einen ausgewogen Sound. Das haben Jan Kerscher und Nikita Kamprad bei Ghost City perfekt hinbekommen. Magnus hat mit dem Master den Sound des Albums perfektioniert.

© Dominik Morber

Das Album kommt auch auf Tape raus. Ist das ein Gag unserer Tage, oder gibt es dafür tatsächlich einen ernstgemeinten Markt?
Tapes sind sehr beliebt, das merken wir immer wieder am Merch-Tisch. Viele Leute kaufen sich unser Tape, obwohl sie schon die CD oder LP haben. Ist natürlich aber schon so ein Liebhaber-Ding, würd ich sagen.

Besten Dank für Zeit und Antworten. Zum Abschluss ein Brainstorming: Was fällt dir spontan zu folgenden Begriffen ein?
Leichtathletik-WM:
Ich bin nicht sehr sportbegeistert aber ich glaube die findet gerade statt.
Dein aktuelles Lieblingsalbum: Daughters – You Won‘t Get What You Want
E-Scooter: Finde ich gut, weil umweltschonend.
Donald Trump: Geschäftsmann mit dämlicher Frisur.
Punk Rock: Damit bin ich groß geworden. Ist immer noch ein großer Teil von mir.
CRANIAL in zehn Jahren: Da werden wir hoffentlich immer noch Shows spielen und Platten veröffentlichen.

Die letzten Worte gehören dir – gibt es noch etwas, was du unseren Lesern mitteilen möchtest?
Vielen Dank für das Interview, vielen Dank für das Interesse an unserer Band. Hört auf, edgy Musik von rassistischen Vollidioten zu hören. Es gibt genug andere gute Bands!

Dieses Interview wurde per E-Mail geführt.
Zur besseren Lesbarkeit wurden Smilies ersetzt.

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