Interview mit Frank Turner

Mit „Positive Songs For Negative People“ hat FRANK TURNER im August sein bereits sechstes Studioalbum veröffentlicht, welches so direkt und rockig ist, wie noch keines seiner bisherigen Diskographie. In unserem Gespräch per E-Mail erklärt der sympathische Musiker, wie dieser Sound zustande kam, spricht über sein Buch „The Road Beneat My Feet“ und erzählt von seiner große Liebe zu den Emolegenden Mineral.

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Hi Frank, vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst, einmal weiteres Mal ein Interview mit metal1.info zu führen! Wie geht es dir und was passiert derzeit in deinem Leben?
Hey, die Freude ist ganz meinerseits! Mir geht es hervorragend, danke der Nachfrage. Gerade bereite ich mich darauf vor, in ungefähr einer Woche für eine lange Zeit auf Tour aufzubrechen.

Glückwunsch zu deiner neuen, großartigen Platte „Positive Songs For Negative People“! Bist du damit zufrieden, wie das Album geworden ist?
Danke dir! Und ja, ich bin sehr sehr zufrieden damit.

Inwiefern unterscheidet sich „Positive Songs For Negative People“ von deinen anderen Alben?
Es sind andere Songs drauf? Haha, nein, ich glaube, das müssen andere Leute sagen.

Was findest du am gelungensten auf deinem neuen Album und was ist deine Lieblingsnummer darauf?
Ich wollte ein Album aufnehmen, dass die Stimmung der Liveshows mit den Sleeping Souls und mir einfängt und ich glaube, wir waren sehr erfolgreich damit. Ich kann allerdings keinen Lieblingssong auswählen, auch wenn ich sagen würde, dass „Josephine“ wahrscheinlich mein Lieblingstext des Albums ist.

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Für mich klingt das neue Album positiver, punkiger und auch direkter als noch „Tape Deck Heart“ – würdest du dem zustimmen? Wenn ja, wieso ist das so?
Ja, ich würde dir darin absolut zustimmen und das war auch wirklich so geplant. „Tape Deck Heart“ war schon ein ziemlich deprimierendes Album und ich wollte dieses Mal über etwas anderes sprechen. Es war auch ein ziemlich vielschichtiges und und komplexes Album und ich dachte mir, dass es Spaß machen könnte, dieses Mal etwas direkteres zu schreiben.

Ich finde, dass dein neues Album auch eine rohere und dreckigere Produktion aufweist was den Songs gut zu Gesicht steht. Kannst du dazu etwas sagen?
Ja, das ist auf die Live-Geschichte zurückzuführen, die ich gerade angesprochen habe. Wir haben das Album zu Tode geprobt und dann quasi live in neun Tagen aufgenommen. Ich wollte, dass man den Dreck unter den Fingernägeln quasi noch hören kann.

Die Rahmung des Albums mit zwei akustischen Nummern ist sehr stimmig und auffällig. Wieso hast du diese Songs an die erste und letzte Stelle des Albums gestellt und kannst du etwas über die beiden Lieder erzählen?
„The Angel Islington“ habe ich bereits als Intro für das Album geschrieben. Textlich ist es mit dem letzten Song auf „Tape Deck Heart“ verbunden und erklärt die Stimmung dessen, was danach folgt. Ich dachte auch, dass es cool wäre, mit etwas Akustischem anzufangen, da ich „Positive Songs For Negative People“ als reines Rockalbum sehe. „Song For Josh“ ist ein sehr persönlicher Tributsong für jemanden, den ich verloren habe. Wir haben dieses Lied im Club aufgenommen, in dem er gearbeitet hat. So schön es auch ist, dass das Album mit diesem Song mit einer Akustiknummer endet, hatte ich nicht das Gefühl, nach dieses Lied noch irgendetwas anderes stellen zu können.

Frank Turner 03Was ist die Idee hinter dem Cover des Albums, das sich ja doch sehr von deinen bisherigen Alben unterscheidet?
Ja, ich wollte ein bisschen frischen Wind reinbringen und etwas verändern. Abwechslung tut gut! Ich habe mir viele 80er Jahre Stiff-Records-Cover angeschaut, wie beispielsweise die der Specials und dergleichen. Gleichzeitig ist es selbstverständlich auch eine kleine Verbeugung gegenüber „The Shape Of Punk To Come“ von Refused.

Die Bonus-CD deines neuen Albums besteht aus den Akustikversionen der Songs auf „Positive Songs For Negative People“. Wie würdest du den Unterschied zwischen den unterschiedlichen Versionen beschreiben, außer dass die einen eben leiser und die anderen lauter sind?
Meistens schreibe ich meine Songs auf der Akustikgitarre und ich dachte, dass es interessant für die Leute sein könnte, die Songs in diesen Fassungen zu hören. Ich glaube, dass ein guter Song auf viele unterschiedliche Arten arrangiert werden kann.

Bei den Festivalshows diesen Sommer hast du oft zur E-Gitarre gegriffen, auch bei alten Songs – ist das etwas, das in den nächsten Jahren weiterhin so sein wird, auch auf deinen Alben?
Ja, auf absehbare Zeit auf jeden Fall. Es macht einfach richtig viel Spaß.

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Dieses Jahr hast du auch dein Tourtagebuch „The Road Beneath My Feet“ veröffentlicht, das unglaublich viel Spaß beim Lesen bereitet hat. Wie hat es sich angefühlt, all diese persönlichen Geschichten aufzuschreiben und wie waren die Reaktionen auf das Buch?
Es war deutlich mehr Arbeit, das Buch zu schreiben, als ich erwartet hatte. Ich fand es auch ziemlich merkwürdig, analytisch denkend an die letzte Dekade meines Lebens heranzugehen und diese in einer Art und Weise zu erklären, dass es als ein stimmiges Ganzes funktioniert.
Die Reaktionen waren großartig, wir waren auf dem ersten Platz der UK-Buchcharts, was eine höhere Position ist, als wir jemals mit einem Album hatten!

Planst du so etwas auch nach „the next 1000 shows“ zu schreiben, um deinen Song „The Road“ zu zitieren?
Hm, ich weiß nicht. Ich bin mir nicht sicher, ob es genauso interessant wäre. Die chaotischen ersten Jahre zu schreiben hat mehr Spaß gemacht, als über die Arenashows und dergleichen, und ein Teil des Sinns des Buches war es, zu beschreiben, wie ich dahin gekommen bin, wo ich heute bin, und wo ich angefangen habe. Ich habe aber darüber nachgedacht, ein Buch über etwas anderes zu schreiben, irgendwann mal. Ich bin mir noch nicht sicher, worüber, aber ich habe ein paar Ideen.

Du spielst diesen September einige sehr kleine Clubshows in Deutschland, die innerhalb einiger Minuten ausverkauft waren. In „The Road Beneath My Feet“ schreibst du, dass du eben nicht so ein exklusiver Act sein willst und lieber in größeren Hallen spielst, damit alle dich sehen können. Was war der Grund, doch wieder eine Clubtour zu spielen?
Ich sehe das mehr als eine kleine Promotour für das Album. Wir werden auf jeden Fall sehr bald eine richtige Tour spielen, zu der ich auch bald die Daten veröffentlichen werde!

Frank Turner 01Du hast letztes Jahr in New York City einige Shows mit den wiedervereinigten Legenden von Mineral gespielt. Wie kam diese Kombination zu Stande und wie hat es sich angefühlt, für eine derart einflussreiche Band zu eröffnen? Wie kam dein Set an?
Mineral sind eine meiner absoluten Lieblingsbands und ein großer Einfluss auf die Musik, die ich mache. Ich habe sie nie sehen können als sie damals aktiv waren, und als ich gehört habe, dass sie diese Reunionshows spielen, habe ich ohne eine Sekunde zu überlegen meinen Flug nach New York City gebucht. Schlussendlich durfte ich die erste Show eröffnen, da der Besitzer des Clubs ein Freund von mir ist und mir die Ehre erwiesen hat, mich zu fragen. Den Leuten hat mein Set gefallen, aber genauso wie ich waren alle wegen des Main Acts da.

Gibt es eine andere Band, die genauso wichtig für dich ist und die du gerne supporten würdest?
Oh ja, etliche. Counting Crows, The Weakerthans… ich könnte sehr viele aufzählen.

Ok, zum Schluss noch zwei Fragen: Wird es irgendwann eine Tour von Möngöl Horde außerhalb des Vereinigten Königreichs geben und habt ihr Pläne für ein weiteres Album? Und wird es auch mal eine Frank-Turner-Solo-Tour außerhalb Großbritanniens geben?
Ja und ja, auch wenn ich dir leider nicht sagen kann, wann es so weit sein wird. Der Tourplan für mein neues Album ist wirklich sehr lang.

Frank, noch einmal vielen vielen Dank für deine Antworten! Zum Abschluss möchte ich noch das traditionelle Metal1.info-Brainstorming mit dir spielen. Was kommt dir als erstes in den Kopf, wenn du folgende Begriffe hörst:
Bob Dylan:
Begründer
Leidenschaft: Unausweichlich
Emo: Das Wort hat seine Bedeutung bis zur Unkenntlichkeit verändert
Million-Dead-Reunion: Niemals
Frank Turner in zehn Jahren: Wer weiß?

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