Steel Panther w/ Fozzy

  • Hamburg, Mehr!Theater
  • 30. Januar 2018
Konzertfotos: Steel Panther w/ Fozzy

Wer zu einem Konzert von STEEL PANTHER geht, weiß in der Regel, worauf er sich einlässt. Die Glam-Rocker aus Kalifornien sind einzigartig, wobei artig sicherlich nicht ganz richtig ist. Thematisch dreht sich so ziemlich jeder Song um Sex, Drugs and Rock´n´Roll, und zwar auf die derbe Tour. Diese Show ist nichts für zartbesaitete Seelen. Die ebenfalls amerikanische Band FOZZY darf die Show eröffnen.

Das Mehr! Theater am Großmarkt in Hamburg ist die perfekte Location für das Glam-Spektakel. Vor dem Eingang haben sich schon zahlreiche Fans in verrückten Verkleidungen und mit wilden Perücken versammelt, um sich einen der begehrten Plätze vor der Bühne zu sichern. Pünktlich um 19:00 Uhr wird der Saal gestürmt und ist recht schnell mit rund 2000 Gästen gut gefüllt.

Es ist 19:45 Uhr und FOZZY starten ihr Set. Die Band um Sänger und Wrestler Chris Jericho versteht es, mit viel Power und Action auf der Bühne, die Meute in Wallung zu bringen. Ein sehr guter Sound ist hierbei sehr hilfreich, leider ist das Licht etwas spärlich. Schade, denn die US-Rocker geben wirklich viel Gas und hätten hier etwas mehr Beleuchtung verdient. FOZZY sind ein absolut würdiger Opener und lassen sich nach jedem Song gebührend feiern. Die Saitenfraktion ist permanent auf der Bühne unterwegs – genial, wie beide Gitarristen und auch der Basser rennen, springen und sich verrenken. Sollte diese Band einmal als Headliner unterwegs sein, so sei dies jedem Fan von ehrlicher, fetter Rockmusik dringend empfohlen! Um 20:15 Uhr geht somit eine beeindruckende Show zu Ende, die allen sichtlich viel Spaß gemacht hat. Der Tisch ist gedeckt für die Glam-Party des Jahres – mögen die Spiele beginnen!Die Uhr schlägt 21:00 Uhr und das Intro ertönt. STEEL PANTHER betreten in gewohnt spektakulärem Outfit die Manege. Der Funken springt sofort über und die große Sause kann beginnen. Sänger Micheal Starr, einziges Bandmitglied mit echtem langen Haar, steht sofort im Blickpunkt. Spandex Hose, hautenges Shirt und eine Menge Tattoos sind die optischen Merkmale des Sängers, der allerdings auch gesanglich überzeugen kann: Wir haben es hier mit absoluten Vollblutmusikern zu tun, die es zudem noch perfekt beherrschen, die Show mit einem sehr frivolen Theaterstück zu kombinieren.

Die Musiker lassen keine Möglichkeit aus, über ihre Vorliebe zu Brüsten, Blowjobs und Parties zu philosophieren. Dabei nehmen sie sich, sehr zur Belustigung des Publikums, allzu gerne selbst aufs Korn – langweilig wird es also nicht. Satchel, Gitarrist der Band, zeigt mit einem beeindruckenden Solo, dass er nicht nur über (nach eigener Aussage) großartige sexuelle Fähigkeiten verfügt, sondern auch ein begnadeter Saitenhexer ist. Wirklich großartig! Er nutzt zusätzlich zur Gitarre auch das Schlagzeug. Coole Idee.

Während der gesamten Show wird permanent das Publikum mit einbezogen: Für den Song ,,17 Girls In A Row“ werden geschätzte 30 Frauen aus der Menge auf die Bühne geholt um diesen Song gemeinsam abzufeiern. Gewöhnlich ziehen hier viele der Girls blank. Die Hamburgerinnen sind an diesem Abend allerdings recht zugeknöpft und zeigen wenig Haut.

Sehr auf sein Äußeres bedacht wirkt auch Bassist Lexxi Foxx, der nach jedem zweiten Song erstmal Lipgloss auflegt. Das ist Glam-Metal in Perfektion.

Lange, allerdings auch sehr lustige Konversationen zwischen den Musikern gehören genauso zur Show wie die sehr unterhaltsame Choreografie, zu der auch ein aufblasbarer Riesenpenis gehört, der immer wieder in die Show eingebunden wird.

Die grelle Lichtshow ist – dazu passend – vornehmlich in Pink und anderen schrillen Farben gehalten, und auch der Tontechniker hat heute einen sehr guten Abend: Sein perfekt abgemischter Sound rundet diese große Unterhaltungsshow gelungen ab. Wer hier heute Abend nicht zufrieden ist, scheint nicht gewusst zu haben, was ihn bei STEEL PANTHER erwartet.

Nach rund 100 Minuten geht ein großes, schlüpfriges Theaterstück zu Ende. STEEL PANTHER sind nicht grundlos die angesagteste Glam-Metal-Band unserer Zeit – warum, haben sie heute Abend überzeugend unter Beweis gestellt.  Die 2000 Hamburger Fans haben heute jedenfalls die volle Breitseite Glam bekommen. Wer die Show heute verpasst hat, kann STEEL PANTHER in diesem Jahr in Wacken erleben. Dort wird übrigens reichlich ,,blank“ gezogen.

Konzertfotos: Steel Panther w/ Fozzy

6 Kommentare zu “Steel Panther w/ Fozzy”

      1. MiMü

        Ja, sie wollen keine Brüste mehr (zumindest nicht mehr auf der Bühne). 2016 hatten sie schon auf einen obligatorischen Flash pro Show reduziert, 2018 sind sie komplett weg davon. Wenn da Mädels sich unbedingt die Klamotten vom Leib reissen wollen, hindern sie sie da (noch) nicht dran, aber von der Band wird nicht mehr danach gefragt.

          1. MiMü

            Warum sie das nicht mehr machen, keine Ahnung. Müsste vielleicht mal ein Online-Journalist nachhaken und sich nicht mit der erstbesten Standardantwort zufrieden geben.
            „darum gehen sie alle hin“. Naja, so viele gehen ja gar nicht mehr hin, das waren locker 50% weniger auf der Tour als noch 2016 (zumindest auf dem Festland). Aber ob es (nur) daran liegt? Vielleicht sind die ja auch zufrieden mit unter 300 Zuschauern auf ihrem Abschlusskonzert in Bilbao, wer weiss das schon.

  1. Marc Lengowski

    Schau an, das wusste ich noch nicht. Lernen also sogar die noch mal etwas. Es ist immerhin ein Fortschritt, dass die Band nicht mehr aktiv dazu auffordert. Frühere Konzerte von denen bestanden ja phasenweise nur aus „Show your tits, bitch!“-Rufen seitens der Band. Den einen Auftritt, den ich live sah (Wacken, übrigens), habe ich damals angesichts dieser Widerlichkeiten schnell verlassen – die Grenze zur sexuellen Belästigung schien mir schnell überschritten, selbst wenn viele Mädels das freiwillig getan haben und sogar mit dem festen Willen dahin kamen, sich so ihre 15 Minuten Berühmtheit abzuholen. Ich jedenfalls finde, Steel Panther haben lange genug ihr Geld mit den Brüsten der anderen verdient.

    Sie könnten ja stattdessen überlegen, ob sie musikalisch mal wieder origineller werden wollen.

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