Review 1349 – Beyond The Apocalypse

  • Label: Candlelight
  • Veröffentlicht: 2004
  • Spielart: Black Metal

Bereits mit ihrem Debüt „Liberation“ setzten die Norweger von 1349 eine erste Duftmarke, die vor allem nach verbrannter Erde, Blut und Verderben roch. Dass die Gruppe mit Schlagzeug-Legende Frost (Satyricon) einen berühmten Namen in ihren Reihen hat, dürfte sicherlich zum Erfolg des Albums beigetragen haben, allerdings ist er bei Weitem nicht der einzige fähige Mann bei 1349, was die Männer nun mit ihrem Zweitwerk „Beyond The Apocalypse“ unter Beweis stellen.

Gleich der Opener „Chasing Dragons“ zeigt, wie viele Gefangene man zu nehmen gedenkt – die Anzahl lässt sich ohne Finger abzählen. Ohne Umschweife überrennen 1349 den Hörer mit ihrem erneut extrem schnellen Black Metal. Noch deutlicher als auf dem Debüt wird Schlagzeuger Frost ins Rampenlicht gerückt, dessen bisweilen wahnwitziges Schlagzeugspiel einmal mehr für offene Münder sorgt. Dazu flitzt das zweiköpfige Gitarristengespann das Griffbrett rauf und runter, während Sänger Ravn das Ganze mit seiner wenn auch nicht wirklich außergewöhnlichen, zumindest aber kraftvollen Stimme begleitet. Dass man sich überhaupt von der ersten Minute auf die Musik konzentrieren kann, ist ebenfalls eine Erwähnung wert: Nicht nur im Vergleich zum dahingehend vollkommen verunglückten Vorgänger wartet „Beyond The Apocalypse“ mit einem beeindruckend druckvollem und differenzierten Klangbild auf.

Was 1349 musikalisch vermitteln wollen, ist schnell begriffen – die Frage ist, ob es dafür also wirklich eine Spielzeit von 47:32 Minuten gebraucht hätte. Zwar bieten 1349 mit ihrem Mix aus Slayer (man vergleiche nur mal einige Passagen von „Aiwass Aeon“ mit „Black Magic“), Darkthrone („Necronatalenheten“) und Mayhem („Perished In Pain“, „Singer Of Strange Songs“) eine durchaus gefällige Spielart des Black Metal. Was „Beyond The Apocalypse“ nüchtern betrachtet jedoch fehlt, sind ein, zwei herausragende Hits, die aufmerken lassen. Zwar liefern 1349 im Albumverlauf so manch starken Riff ab, durch das kontinuierlich auf Anschlag gehaltene Level an Aggression und Tempo verbraucht sich die Musik der Norweger jedoch vergleichsweise schnell. Dass 1349 auch anders könnten, beweist das schleppende Intro von „Internal Winter“, vor allem aber „Singer Of Stange Songs“ eindrucksvoll: Hier gehen 1349 erstmalig etwas vom Gas und verleihen dem Stück so deutlich mehr Wirkung als so manche Blast-Orgie zu bieten hat. Mit dem abschließenden „The Blade“ gehen 1349 noch einen Schritt weiter: Sehr ruhig ausgelegt und mit Orgel und Cleangitarren instrumentiert, fällt der Song im Albumkontext richtiggehend aus dem Rahmen. Ein guter Ansatz, leider hinsichtlich des überlangen Intros noch etwas ungelenk umgesetzt.

Im Bereich des aggressiven Highspeed-Black-Metals spielen 1349 mit ihrem zweiten Album bereits in der ersten Liga. Trotzdem ist „Beyond The Apocalypse“ noch nicht über jeden Zweifel erhaben. Was hier noch fehlt, ist das Gespür für geschickt gesetzte Akzentuierungen. Wenn die Band sich diesbezüglich noch etwas öffnet und die Musik beim nächsten Mal etwas abwechslugsreicher arrangiert, steht 1349 eine große Zukunft bevor. Der riesige Schritt, den die Norweger sowohl hinsichtlich des Sounds als auch bezüglich der Songstrukturen seit ihrem Debüt gemacht haben, stimmt zuversichtlich.

Wertung: 7.5 / 10

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