CD-Review: Autarkh - Form In Motion

Besetzung

Michel Nienhuis – Gesang, Gitarre, Bass, Programming
David Luiten – Gesang, Gitarre
Tijnn Verbruggen – Synthesizer, Beat-Design
Joris Bonis – Synthesizer, Sound-Design

Tracklist

01. Primitive Constructs
02. Turbulence
03. Cyclic Terror
04. Impasse
05. Introspectrum
06. Lost To Sight
07. Metacognition
08. Clouded Aura
09. Alignment
10. Zeit ist nur eine Illusion


Mit Dodecahedron ist der niederländischen Black-Metal-Szene eine visionäre, wenn auch äußerst schwer zu begreifende Band verloren gegangen. Noch bevor bekannt war, dass es Dodecahedron schon recht bald nach dem bedauerlichen Tod ihres Sängers Michiel Eikenaar nicht mehr geben würde, erhoben sich ein paar der verbliebenen Mitglieder im Juni 2020 jedoch bereits mit einem Nachfolgeprojekt wie der Phönix aus der Asche: AUTARKH waren geboren. Dass der Namenswechsel nicht bloß reine Formsache war oder aus Respekt vor ihrem verstorbenen Frontmann vorgenommen wurde, demonstrieren Mastermind Michel Nienhuis und seine drei Mitmusiker auf ihrem Debüt „Form In Motion“ mit unmissverständlicher Deutlichkeit.

Im Vergleich zum kopflastigen, von Electronic-Einflüssen durchsiebten Black Metal ihres Vorläuferprojekts entfernen AUTARKH sich noch weiter von der schwarzmetallischen Norm – so weit gar, dass „Form In Motion“ kaum als Manifestation eines bestimmten (Metal-)Genres zu erkennen ist. Synthetische Stilelemente sind hier weder kurzen Zwischenspielen vorbehalten noch bloßes Beiwerk, sondern ein derart integraler Bestandteil der Songs, dass sie das gesamte Soundbild bestimmen und darin das Schlagzeug sogar komplett ersetzen. Auch handelt es sich dabei keineswegs um unverfängliche Keyboardmelodien, wie sie im Metal grundsätzlich keine Seltenheit sind – so viel nehmen AUTARKH schon im metallisch lärmenden, klaustrophobischen Intro „Primitive Constructs“ vorweg.

Während Nienhuis und David Luiten sich an ihren Gitarren abrackern, ihnen gleichermaßen sphärische und albtraumhafte Riffs entlocken und mit schier endlosem Atem und aberwitzig präzisem Rhythmusgefühl über die Instrumentierung hinwegbrüllen, kreieren Tijnn Verbruggen und Joris Bonis einen artifiziellen Klangwahnsinn, der jedem noch so extremen Black Metal Konkurrenz macht. Angenehme Geräuschkulissen wie im schwerelosen Ambient-Interlude „Metacognition“ sind auf „Form In Motion“ die Ausnahme von der Regel.

Prägend für das Album sind vielmehr harsche Glitches („Alignment“), röhrende Noise-Attacken und kalte, wuchtige Beats, die etwa in „Lost To Sight“ als Blast-Beats arrangiert eine Brutalität erreichen, die für einen bloßen Menschen hinter einem Schlagzeug wohl unmöglich zu beherrschen wäre. Doch obwohl AUTARKH es der Zuhörerschaft definitiv nicht leicht machen, braucht es gar nicht so viele Anläufe, um Tracks wie das groovende „Introspectrum“ oder das ausgelassene „Clouded Aura“ im Kopf zu behalten.

An Metal-Strukturen gewöhnten Hörer*innen mag „Form In Motion“ wie ein heilloses Durcheinander erscheinen. Beim aufmerksamem Hinhören offenbart sich jedoch, dass AUTARKH sehr genau wissen, was sie tun. Wer schon Korns Ausflug in den Dubstep auf „The Path Of Totality“ (2011) als Affront und Verstoß gegen die guten Metal-Sitten ansah, kann das Debütalbum der Niederländer getrost ignorieren. Mit genug Aufgeschlossenheit lässt sich „Form In Motion“ hingegen als aufregende Neuentwicklung von und Schnittstelle zwischen Extreme Metal und den verschiedensten Formen elektronischer Musik auffassen. Industrial Metal war gestern, die Zukunft heißt AUTARKH.

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Bewertung: 8 / 10

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