CD-Review: Celtic Frost - Monotheist

Besetzung

Thomas Gabriel Fischer - Gesang
Erol Unala - Gitarre
Martin Eric Ain - Bass, Hintergrundgesang
Franco Sesa - Schlagzeug

Gastauftritte:
Ravn - Gesang bei "Temple of depression"
Satyr - Gesang bei "Synagoga Satanae"
Lisa Schaphaus - Gesang bei "Drown in ashes"
Peter Tägtgren - Gitarren bei "Drown in ashes"Simone Vollenweider - Gesang bei "Obscured..."

Tracklist

01. Progeny
02. Ground
03. A Dying God Coming Into Human Flesh
04. Drown In Ashes
05. Os Abysmi Vel Daath
06. Obscured
08. Domain Of Decay
08. Ain Elohim
09. Triptych: Totengott
10. Triptych: Synagoga Satanae
11. Triptych: Winter (Requiem, Chapter Three: Finale)


In der heutigen, schnelllebigen Zeit lösen sich ja bekanntlich diverse Bands auf, nur, um sich, wie man meinen könnte, einige Jahre später mit einer Reunion zurückzumelden und den Namen der Band so erneut ins Rampenlicht zu rücken. Dies kann, wie zum Beispiel Immortal derzeit beweisen, klappen (warten wir mal ab, wie lange), oder eben nicht, wie man bei CELTIC FROST gesehen hat. Bleibt es bei einer Versöhnung auf Zeit, bleibt am Ende nur das Reunion-Album, quasi als Scheidungskind. An diesem jedoch kann man trefflich beurteilen, ob es sich bei der zweiten Chance lediglich um eine aufgewärmte Beziehung oder doch um eine neu entflammte Liebe gehandelt hat.

CELTIC FROSTs „Monotheist“ lässt nur einen Schluss zu: Zweiteres ist der Fall. Jedoch scheint es, als hätten die Herren alle Kraft, Liebe und Fürsorglichkeit in das Kind gesteckt und unterdessen die Beziehung selbst vergessen. Und so stand man, nachdem der Nachwuchs das Haus verlassen hatte, ausgebrannt und ratlos da – der gemeinsame Weg hatte sein Ende gefunden: Mit „Monotheist“ hat man ein Album geschaffen, auf das man mehr als Stolz sein kann und welches gleich in mehrerlei Hinsicht kaum bis gar nicht zu übertrumpfen gewesen wäre, was ein weiteres Bandbestehen zwar nicht unmöglich, aber doch unnötig gemacht hätte.

Denn „Monotheist“ erfüllt alle Kriterien, die ein Album erfüllen muss, um nach einer gewissen Zeit rückblickend als Meilenstein für ein gewisses Genre anerkannt werden zu können: So schafft man es mit einer beeindruckenden Leichtigkeit, über die gesamte Spielzeit eine einzigartige Atmosphäre mit absolutem Wiedererkennungswert so aufzubauen, dass jeder einzelne Song, jede einzelne Note nur diesem einen Album entstammen kann, aber dennoch genug Individualität wahrt, um als Song für sich genommen sowie im Kontext des Albums ein neues Erlebnis für den Hörer darzustellen und ihn auf seine ganz eigene Art und Weise zu bezaubern: So kohärent die elf Stücke auch sein mögen, entführen sie den Hörer doch in elf Welten. So hat jede ihren eigenen, individuellen Charakter, lässt eigene Bilder im Kopf des Traumreisenden entstehen und doch weisen alle jene gewissen Gemeinsamkeiten auf, die sie, Paralleluniversen gleich, auf geheimnisvolle Art verbindet. Ob doomig, noise-lastig oder depressiv-düster: Mit klassischem Black Metal hat dies hier wenig bis nichts zu tun. Viel eher kann man von einer Weiterentwicklung sprechen, vielleicht sogar von einer Perfektion des Gedankens hinter der Idee „Black Metal“.
Schwere, grollendem Donner gleiche Riffs, langgezogene, düster-post-apokalyptische Gitarrenmelodien, begleitet von zumeist auf das Nötigste reduziertem Schlagzeug, bauen eine bedrückende, und doch zugleich befreiende, da faszinierende Kulisse auf, vor der Tom Gabriel Fischer mit allen auch nur erdenklichen Gesangstechniken behände agiert und den Hörer so gänzlich in seinen Bann zieht. Ob lang gezogene, verzweifelte Schreie, hoffnungslos verklärter Klargesang oder abgrundtief böses Fauchen – perfekt schmiegt sich der Gesang in die Stimmung der Songs und füllt die letzte, dafür ausgesparte Nische in der Klangwand. Spätestens wenn die klare Frauenstimme den weit ausgebreiteten Klangteppich betritt und sich auf ein Duett mit den dunklen, männlichen Parts einlässt, ist klar, dass man es hier mit mehr als nur einer weiteren Veröffentlichung der legendären CELTIC FROST zu tun hat.

Jedoch wäre das gesamte Konzept der Platte hinfällig gewesen, hätte man nicht diesen Sound hinbekommen – scheint er doch, nun, da man ihn einmal im Ohr hat, der einzig auch nur vorstellbare Klang zu sein, den diese Platte haben kann. Verantwortlich für dieses Meisterwerk räudiger Klarheit, roher Finesse zeigt sich Peter Tägtgren, der zwar schon an unzähligen Platten unzähliger namhafter Bands Hand angelegt hat, dabei jedoch zumeist eher für bombastischen, klaren bis glatten Sound bekannt war. Und, wie bei einigen seiner Projekte, hat Peter Tägtgren auch hier aktiv mitgewirkt und Gitarren zu einem Song beigetragen. Damit ist er allerdings nicht der einzige Gastmusiker auf dem Album: Auch Satyr (Satyricon) und Ravn (1349) haben mit einem kleinen Baustein zu diesem Meisterwerk beigetragen.

Und so entlässt „Monotheist“ den Hörer mit „Winter“ in der melancholischen, düsteren Stimmung, in die es ihn nun fast eine Stunde und zehn Minuten lang hineingeführt hat, in die Einsamkeit der Nacht. Erst nachdem die letzten Töne längst verklungen sind, beginnt das verarbeiten des Gehörten – beeindruckt, überwältigt aufgewühlt bewegt man die Hand langsam in Richtung Stereo-Anlagen-Fernbedienung, den Finger in Richtung „Play“-Taste und begibt sich erneut auf die Reise.

Bewertung: 10 / 10

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