DVD-Review: Deep Purple - History, Hits & Highlights `68-`76 (DVD)

  • Veröffentlichung: 2009
  • Label: Eagle Vision
  • Spielart: Hard Rock
Besetzung

Rod Evans - Gesang
Ian Gillan - Gesang
David Coverdale - Gesang
Ritchie Blackmore - Gitarre
Tommy Bolin - Gitarre
Nick Simper - Bass
Roger Glover - Bass
Glenn Hughes - Bass, Gesang
Jon Lord - Keyboard
Ian Paice - Schlagzeug

Tracklist

DVD1:

History (ca. 20 Minuten)

Hits - full performances:

Mark One Lineup (March 1968 - July 1969)
01. Help
02. Hush
03. Wring That Neck

Mark Two Lineup (July 1969 - June 1973)
04. Hallelujah
05. Mandrake Root
06. Speed King
07. Black Night
08. Child In Time
09. Lazy
10. Strange Kind Of Woman
11. Fireball Writing Session
12. Fireball
13. Demon's Eyes
14. No No No
15. Into The Fire
16. Never Before
17. Highway Star
18. Smoke On The Water

Mark Three Lineup (July 1973-1975)
19. Burn
20. Mistreated

Mark Four Lineup (June 1975-March 1976)
21. Love Child
22. You Keep On Moving

DVD2:

Highlights – Bonus Perfomances und Interviews

Mark One Lineup
01. And The Address (Playboy TV)

Mark Two Lineup
02. Wring That Neck (Bilzen Jazz Festival 1969)
03. Wring That Neck ("Pop Deux" Paris Concert 1970)
04. Mandrake Root ("Pop Deux" Paris Concert 1970)
05. Black Night (Promo Clip)
06. No No No (Take 1 - Rockpalast Rehearsal Session)
07. No No No (Take 2 - Rockpalast Rehearsal Session)

Mark Three Lineup
08. Jt. Nuit (French TV 1974)
09. Burn (Leeds Polytechnic Student Project 1974)
10. Interview (Leeds Polytechnic Student Project 1974)
11. Space Truckin' / Interview (Leeds Polytechnic Student Project 1974)

Mark Four Lineup
12. New Zealand TV Documentary (November 1975)
13. Smoke On The Water (New Zealand TV)
14. Tony Edwards (DEEP PURPLE's manager) - French TV Interview 1976


DEEP PURPLE – „History, Hits & Highlights ’68-’76“ – Die Betitelung des DVD-Bundles drückt es bereits aus: es gibt eine Zeitreise zu den Anfangstagen einer der größten Bands der Rockgeschichte. Von den Ursprüngen in den späten 60ern, als noch der Rock’n’Roll dieser Zeit den Sound maßgeblich beeinflusste, über die Ära der Alltimehits in den frühen Siebzigern bis zur Auflösung aufgrund unüberwindbarer Differenzen in 1976 erstreckt sich das Material auf den beiden DVDs.

DVD 1 beinhaltet einerseits die „History“-Sektion. Diese ist mit rund 20 Minuten leider etwas zu kurz ausgefallen – zumindest für meinen Geschmack. Ich hätte gerne etwas mehr dieses zeitgenössischen Dokuments gesehen. Im Blickpunkt der History stehen vor allen Dingen die wechselnden Besetzungen.
Über zwei Stunden dauert dann der Hauptteil von DVD 1, der „Hits“-Part. Dieser ist wiederum unterteilt in die Abschnitte Mark I – IV. Jeder Abschnitt steht dabei für eine bestimmte Besetzung von DEEP PURPLE.
Mark I (von März 1968 – Juli 1969) sah die Besetzung Rod Evans (Gesang), Ritchie Blackmore (Gitarre), Jon Lord (Keyboards), Ian Paice (Schlagzeug) und Nick Simper (Bass).Anfangs waren DEEP PURPLE fast dem Sixties-Rock zuzurechnen. Härtere Töne brachte – wenn überhaupt – nur Ritchies Gitarre hin und wieder ins Spiel. Ein Song wie „Hush“ verbreitete deswegen sogar noch so ein bisschen das Hippie-Feeling. Den übergang zum härteren Rock mit progressivem Einschlag konnte man aber schon beim bekannten Instrumental „Wring That Neck“ vernehmen. Rod Evans hatte eigentlich eine klare, ausdrucksstarke Stimme. Was aus ihm geworden ist, ist mir nicht bekannt.
Bei Mark II (Juli 1969 – Juni 1973) gehörten Evans und Nick Simper jedenfalls nicht mehr zum Line-Up. Sie waren ersetzt worden durch den Sänger Ian Gillan und Bassist Roger Glover. Das Mark II-Line-Up kann man wohl getrost als DIE legendäre DEEP PURPLE-Besetzung ansehen. Die größten Hits entstanden zu dieser Zeit: „Strange Kind Of Woman“, „Black Night“ oder „Fireball“, und natürlich die Alltime-Hits „Child In Time“ und „Smoke On The Water“. Und mit Stücken wie „Speed King“ oder „Highway Star“ brachten DEEP PURPLE parallel zu Black Sabbath den heutigen Heavy Metal ins rollen. Obwohl Evans ein guter Sänger war, ermöglichte Ian Gillan mit seinem unglaublichen Stimmumfang eine ganz andere Kompositions- und Performingkunst. Und wer glaubt, dass er solche Höhen und schrillen Schreie nur mit Studionachbearbeitung erreichte, kann sich hier vom Gegenteil überzeugen.
Das Mark III-Line-Up (Juni 1973 – Mai 1975) brachte Sänger David Coverdale, der Ian Gillan ersetzte. David wurde dabei von dem neuen Bassisten Glenn Hughes unterstützt, der die Höhen besser beherrschte. Die Zeit von DEEP PURPLEs größten Hits geht so langsam zu Ende. Ausnahmen bilden „Burn“ und „Mistreated“. Die Band strebte mit den neuen Einflüssen mehr zum Blues Rock. Das war nicht im Interesse von Ritchie Blackmore, der 1975 schließlich das Handtuch warf.
Bei der Mark IV-Ära (Mai 1975 – März 1976) wurde er durch Tommy Bolin ersetzt. Das neue Songmaterial floppte, und mit „Love Child“ ist nur ein Hit aus dieser Zeit etwas bekannter. 1976 endete schließlich die erste Epoche von DEEP PURPLE. Die Band löste sich auf. Wie wir wissen geht die Geschichte 1984 weiter, doch auf dieser DVD endet sie hiermit erst einmal.
Das Songmaterial, das wir hier in den zwei Stunden serviert bekommen, enthält natürlich alle Songs, die PURPLE auszeichneten. Je älter der Stoff ist, umso mehr Einbußen gibt es bei der Bildqualität. Man kann trotz hervorragender technischer Möglichkeiten aus schlechtem analogen Material eben kein gutes digitales zaubern. Doch die Techniker haben das Bestmögliche herausgeholt, und großteils kann man nicht meckern. In der Regel handelt es sich um Konzert-Mitschnitte oder Studioauftritte, einmal sogar bei Ilja Richters „Disco“. Von „Wring That Neck“ gibt’s eine Studioaufnahme und bei „Strange Kind Of Woman“ auch mal einen extra produzierten Videoclip.
Die Tonqualität ist durchweg in Ordnung. Lediglich bei „Burn“ gibt es merkwürdige Tonausfälle und -verzerrungen, so dass ich mich frage, ob man da keinen besseren Mitschnitt finden konnte.

DVD nummero zwei mit der Bezeichnung „Highlights“ enthält noch einmal fast zweieinhalb Stunden alternative Performances der unterschiedlichen Line-Ups, sowie einige Interviews. Ich muss jetzt nicht auf alles eingehen. Höhepunkte auf DVD 2 sind nach meiner Meinung die diversen Interviews, sowie die neuseeländische Kurzdoku. Besonders Jon Lord weiß viel Interessantes zu berichten. Spätestens hier wird jedem klar, dass er der Kopf war, der DEEP PURPLE in diesen Jahren zusammengehalten hat. Auch Blackmores Exzentrik wird während der Interviews ein ums andere mal hervorgehoben (unter anderem, weil er nicht am Bandinterview teilnahm, sondern einzeln befragt wurde), doch das ist nichts Neues und wurde dem begnadeten Musiker ja auch verziehen. Etwas merkwürdig finde ich auf DVD 2 nur, dass uns derselbe schlechte „Burn“-Mitschnitt nochmal vorgesetzt wird.

Insgesamt bekommt der geneigte Fan auf diesen beiden DVDs wohl mehr Material aus den frühen Bandtagen zu sehen und weitaus mehr Hintergrundinfos, als bei einer der unzähligen anderen Video-Veröffentlichungen von DEEP PURPLE. Es mag vielleicht ein bisschen schade sein, dass das Doppelpack nur die Zeit von 1968-1976 umfasst. Aber mehr hätte einerseits jeden Rahmen gesprengt, und außerdem kann man den potentiellen Käufer ja vielleicht noch einmal melken, wenn die History ab 1984 in dieser Form auf DVD gebannt wird. Den DEEP PURPLE-Anhänger schreckt dies freilich nicht. „History, Hits & Highlights ’68-’76“ ist ein eindrucksvolles Zeugnis der Rockgeschichte, das man sich gerne ins heimische DVD-Regal holt.

Bewertung: 8.5 / 10

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