CD-Review: Empress - Wait 'til Night

Besetzung

Chloe Cox – Gesang, Synthesizer, Piano
Julian Cume – Gitarre
Jackson Tuchscherer – Gitarre, Hintergrundgesang
Shaun Allen – Bass, Hintergrundgesang
Ben Smith – Schlagzeug, Perkussion

Tracklist

01. Golden Orb
02. Wait ’til Night
03. Scorpio Moon
04. Back To The Ground
05. Void Shaped Void
06. Curse
07. Where No Light Can Remain
08. I Let You In


Man sieht es dem Coverbild von „Wait ‘til Night“ schon an: EMPRESS sind wie etwa Chelsea Wolfe oder Sylvaine Teil einer neuen Generation weiblich geführter Metal-Projekte, die sich weder von Genre-Konventionen einengen lassen, noch einer gekünstelten Legitimation durch Etiketten wie „Female-Fronted Metal“ bedürfen. Einfach zu vermarktende Labels lassen die Australier sich nicht aufdrücken, sodass man ihrer zweiten Platte selbst mit einer vagen Einordnung zwischen Post-Rock und Sludge-artig zähem Doom Metal nicht ganz gerecht wird. Einzigartig ist die Musik, die EMPRESS im Zuge des 40 Minuten langen Albums spielen, zwar eigentlich nicht, sie deckt jedoch eine bemerkenswert große Bandbreite an sich vertrauter Stilmittel ab.

Einen einzelnen Song als repräsentativen Anspieltipp für „Wait ‘til Night“ herauszupicken, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Spielen EMPRESS in einem Track noch erdrückenden Doom Metal mit verzweifelten, heiseren Screams und grobschlächtiger, mit leeren Zwischenräumen gespickter Instrumentierung („Golden Orb“), so erwartet einen im nächsten schon eine schwermütig mäandernde Rock-Nummer („Wait ‘til Night“) oder ein Experimentalstück mit tickenden Beats und minimalistischem Piano („Back To The Ground“).

Einen roten Faden legen EMPRESS allenfalls in Form der rauen, aber natürlichen Produktion und Frontfrau Chloe Cox‘ entfernt an Rachel Davis (Esben And The Witch) erinnernden Gesangs aus. Letzterer erweist sich leider fortwährend als zweischneidiges Schwert: während ihr trübsinniger Quasi-Sprechgesang in „Void Shaped Void“ und ihre wehklagenden, später in ein markiges Schreien übergehenden Vocals im pechschwarzen „Curse“ den jeweiligen Songs viel Gefühl einflößen, wirken ihre Gesangslinien in manchen Songs leider planlos und nichtssagend („Scorpio Moon“).

Besonders weit daneben schlägt Davis mit ihrer Stimme in „Where No Light Can Remain“, das mit seinem harschen Noise-Unterboden und seinem reduzierten Piano wie eine uninspirierte Light-Version eines Lingua-Ignota-Tracks klingt. Dass EMPRESS den Song in einem Take aufgenommen und sämtliche gesanglichen Fehler darin belassen haben, um die rohe Emotion darin nicht zu kompromittieren, ist dafür nur eine schwache Rechtfertigung. An den Instrumenten lassen Cox‘ Bandkollegen sich zwar hingegen keine offensichtlichen Patzer zu Schulden kommen, wohl aber die eine oder andere mittelmäßige Passage.

„Wait ‘til Night“ ist vor allem ein sehr frustrierendes Album – weil es mit ein paar kleinen Adjustierungen richtig stark sein könnte. Ein paar zusätzliche Neuaufnahmen des Gesangs hier, eine Handvoll Ergänzungen im Songwriting da und EMPRESS wäre eine Platte gelungen, mit der sie in nur 40 Minuten Fans von Post-Rock, Doom Metal und allem, was dazwischen liegt, mit Leichtigkeit für sich gewinnen hätten können. So muss man neben eindrucksvollen Songs wie „Void Shaped Void“ und dem unheilvollen „Curse“ leider auch ernüchternde Stücke wie das seichte „Back To The Ground“ und „Where No Light Can Remain“ hinnehmen. Als Ganzes kann man „Wait ‘til Night“ daher leider nur unter Vorbehalt empfehlen.

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Bewertung: 6 / 10

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