CD-Review: Eryn Non Dae. - Abandon Of The Self

Besetzung

Mathieu Nogues – Gesang
Franck Quintin – Gitarre
Yann Servanin – Gitarre
Mickaël André – Bass
Julien Rufié – Schlagzeug

Tracklist

01. Astral
02. Stellar
03. Omni
04. Eclipse
05. Halo
06. Fragment
07. Abyss


Sowohl die Metal-Szene Frankreichs als auch das dort beheimatete Underground-Label Debemur Morti sind in erster Linie für ihre unkonventionellen Black-Metal-Bands bekannt. Zwischen diesen findet sich jedoch auch immer mal wieder eine vielversprechende Avantgarde-Truppe wie etwa ERYN NON DAE., die mit „Abandon Of The Self“ nunmehr ihre erste Platte seit 2012 am Start haben. Zu den Schnellsten zählt das Quintett, dessen Einflüsse von Meshuggah über Tool bis hin zu Godflesh reichen, mit seinen vier Alben in 17 Jahren zwar nicht, aber auf außergewöhnliche Musik muss man manchmal eben auch außergewöhnlich lang warten. Geduld sollte man indes nicht nur zwischen den Releases mitbringen, denn auch mit ihren Songs selbst verlangen ERYN NON DAE. ihrem Publikum einiges ab.

Dass sich „Abandon Of The Self“ nur durch aufmerksames, ausdauerndes Zuhören erschließen lässt, liegt keineswegs daran, dass ERYN NON DAE. mit Extremen spielen – eher das Gegenteil ist der Fall. Trotz ihres merklichen Einflusses auf das Schaffen der Avantgardisten ist hier weder die Brutalität noch die spielerische Komplexität von Meshuggah herauszuhören. Nichtsdestotrotz sind die bis zu zehn Minuten langen Tracks alles andere als leichte, eingängige Kost. Es bleibt also nur noch die Atmosphäre – und die machen sich ERYN NON DAE. auf ihre ganz eigene Weise meisterhaft zunutze.

Der metallischen Härte in Form von drückenden Shouts, die tatsächlich ein wenig an Godflesh erinnern, und kräftigen, tiefen Gitarrenriffs stehen dominante, scharrende Basslines und bedrückende, eher gesprochene als gesungene Cleans gegenüber, die in Verbindung mit dem grollenden Schlagzeugspiel eine mächtige Präsenz anzukündigen scheinen. Die größte Stärke von ERYN NON DAE. liegt jedoch nicht in den kurzen, schmissigen Passagen, in denen sie ihr technisches Können demonstrieren („Eclipse“). Am eindringlichsten ist „Abandon Of The Self“ nämlich in den ruhigen, reduzierten Abschnitten, wie etwa auf „Stellar“, das mit seinen lauernden, dröhnenden Electro-Sounds und seinen unheilvollen, langgezogenen Gitarrentönen wie ein aus den Tiefen des Weltalls herannahendes Ungetüm klingt.

Die tiefgreifende Wirkung der Songs, von denen man geradezu aufgesogen wird, geht wohl vor allem die vielen Nuancen zurück, mit denen ERYN NON DAE. ihr Liedgut versehen. Jede Dissonanz, jedes Dröhnen, jeder kleine Industrial-Sound hat hier ebenso Sinn und Zweck wie die ansonsten etwas leichter zugänglichen, groovenden Gitarrenarrangements („Fragment“). Mindestens genauso wirkungsvoll ist jedoch die räumliche, basslastige, aber keineswegs aufdringliche Produktion, ohne die das Album gewiss nicht denselben Faszinationseffekt hätte.

Die einmal mehr recht lange Wartezeit, die ERYN NON DAE. ihrer Gefolgschaft zugemutet haben, hat sich im Fall von „Abandon Of The Self“ eindeutig bezahlt gemacht. Die Platte mag nicht das Extremste sein, was Debemur Morti bisher hervorgebracht haben, vermutlich auch nicht das Experimentellste. Dennoch zeigen sich die Franzosen auf ihrer vierten Full-Length-Veröffentlichung als äußerst fähige Songschreiber und Soundkünstler mit einem eigenen Stil. Neugierige, die beim ersten Reinhören noch nicht überzeugt sind, sollten dem doch recht sperrigen Album auf jeden Fall Zeit geben. Wer dies tut, wird mit einem finsteren Klangkunstwerk der besonderen Art belohnt.

Bewertung: 8 / 10

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