CD-Review: Horn - Die Kraft der Szenarien

Besetzung

Nerrath - Gesang, Instrumente

Tracklist

01. Auftakt
02. Where the Clarions Have Never Seized
03. Hornstoß Westfalen
04. Alpenland II
05. Landscapes on Hold
06. Die Kraft der Szenarien
07. Spätherbst
08. Als der Mensch sich selbst erlag


“Die Kraft der Szenarien” ist bereits das zweite Album von Nerrath, jedoch das Debüt bei einem Label. Das Cover zeigt eine deutsche Waldebene, was nicht weiter verwunderlich ist, da Nerrath der heimatlichen Natur Tribut zollt. Grundsätzlich durfte man als Hörer sowieso gespannt sein, wie dieses Werk denn ausfallen wird, schliesslich glänzten HORN nicht immer mit hochqualitativer Leistung. Im Gegenteil, die Demos klangen wie nicht erwähnenswerte Demos, waren also nicht mehr als akzeptabler Durchschnitt. Der Erstling „Jahreszeiten“ war ebenso noch keine Offenbarung, somit waren die Vorzeichen alles andere als günstig.

Tja, man legt das Album also ein, wird nochmal misstrauisch aufblicken und sich vergewissern, dass es HORN sind. Fast war es schon nicht mehr denkbar, doch Nerrath hat sich um ein Vielfaches gesteigert. Der Gesang ist gefühlvoller, die Musik facettenreicher, besser und umfangreicher komponiert und allgemein viel spannender sowie authentischer. „Die Kraft der Szenarien“ nimmt den Hörer mit auf die Reise durch das Klangerlebnis, man schaltet einfach nicht ab sondern ist immer bei der Musik, weil sie auffällig im positiven Sinne agiert. Das Keyboard legt sich sehr sorgfältig um die sonstigen Töne herum, am Ende von „Spätherbst“ brilliert es sogar alleine. Eine Premiere im Hause HORN aber was für eine! Sanft, melancholisch, voller Sehnsucht und Verherrlichung des Naturzyklus; solcher Art ist jenes Postludium, ergo einfach hochklassig. Mit „Als der Mensch sich selbst erlag“ erlauscht man gar ein ganzes Stück, welches nur vom Keyboard getragen wird. Fernab von allem Kitsch, den man bei einem Projekt wie diesem durchaus erwarten könnte, agiert Nerrath und geht hier sehr detailverliebt vor. Die Atmosphäre, die Agonie respektive Elegie manifestiert sich in den Köpfen des Auditoriums und sorgt auf diese Weise für einen zauberhaften Ausklang.

Das Riffing des Titeltracks ist besonders klasse, es zeichnet sich durch Erhabenheit, Eleganz und Frische aus, das Lied wird dadurch einfach aufgewertet und bereitet immense Freude beim Hören. Ein wirklich sehr empfehlenswerter Song, welche sehr gut aufzeigt, wie arg sich HORN gesteigert haben. „Alpenland II“ bietet auch umwerfende Melodiebögen sowie einen eingängigen und gut untermalten Refrain („Hoch den Hammer!“). Dies liesse sich nun freilich so weiterführen, denn „Where the Clarions Have Never Seized“ als auch „Hornstoß Westfalen“ und so weiter besitzen immer mindestens eine Melodie, welche überzeugt und rundum gefällt.

Nerrath hat einen unfassbaren Quantensprung hingelegt, mit dem ich und sicher auch viele andere Menschen nicht mehr gerechnet hatten. Ein erfreulicher Umstand, wirkte das Solo-Projekt nie unsympathisch. Viel fehlt nicht mehr, dann wäre die Musik des Paderborners richtig gelungen, doch in Anbetracht dieser Qualitätsaufwertung wird es Nerrath wohl nicht vor ein Problem stellen, hier und da an Details zu feilen und der Musik den letzten Schliff zu geben.

Bewertung: 7.5 / 10

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