CD-Review: Horn - Wanderszeit

Besetzung

Nerrath - Gesang, Gitarre, Bass, Programmierung

Tracklist

01. Ein Fuchs er stand am Bergestod
02. Der grimmig Tod schnitt ewig drein
03. Wandersrast
04. Zwei Raben auf hohem Turme


Mit „Wanderszeit“ liefert das junge Talent Nerrath, bisher die einzige Kraft hinter dem Projekt Horn, eine erste Kostprobe ab, die durchaus zu begeistern vermag und Lust auf mehr macht.
Bedrohlich geht es mit „Ein Fuchs er stand am Bergestod“ los, riff-technisch gibt es an und für sich keine große Abwechselung, was man hat wird allerdings geschickt genutzt und variiert. Der Gesang ist ausgesprochen tief geraten und hat mal gar nichts mit dem vermeintlich üblichen Black Metal-Gekreische zu tun, vielmehr stößt Nerrath wütende und zumeist langsame Groll-Laute aus. Sicherlich Geschmackssache, passt meiner Meinung nach aber besser als Hass-Gekeife. Eine schöne Portion Rumpel-Metal setzt es mit „Der grimmig Tod schnitt ewig drein“, das Fehlen eines realen Schlagzeugers fällt hier gar nicht allzu negativ ins Gewicht (trotzdem wurde für die nächste Aufnahme bereits ein „echter“ Mann an der Schießbude angekündigt).
Nach dem eher gemäßigt verlaufenden „Wandersrast“ folgt mein persönlicher Liebling auf dieser 4 Lieder umfassenden Demo, mit Namen „Zwei Raben auf hohem Turme“. Bedrückende Ruhe und akustische Gitarren stimmen herrlich auf den recht melancholisch wirkenden Song ein. Allgemein wird hier die dichteste Atmosphäre verbreitet, und entsprechend dem lyrischen Konzept (oftmals vertonte Gedichte Nerrath’s, die sich thematisch grob gesagt der Natur widmen) sieht man sich vor dem geistigen Auge durch die Wälder der Region streifen.

An „Wanderszeit“ gibt es eigentlich nicht viel, was man handfest bemäkeln könnte bzw. sollte. Der Gesang ist wie schon erwähnt sicherlich nicht jederman’s Sache, auch ich finde etwas bedauerlich, dass man aus textlicher Sicht eigentlich vollständig auf die Heimseite von Horn, zu finden unter www.wanderszeit.de.tc, angewiesen ist. Die Produktion lässt sich wohl als „Genre und Umstands-typisch“ beschreiben – recht rau und ungeschliffen, man kann jedoch eigentlich alles gut raushören und es ist nicht so, dass wichtige Details in einem Klangbrei verloren gehen würden.
Liedspezifisch gibt es Stärken und Mitten, richtige Schwächen konnte ich eigentlich nicht ausmachen. Dafür sind die Mitten allerdings so Phasen, wo es sich manchmal ein kleines bisschen zieht und einen nicht so packen können, wie es zum Beispiel das letzte Stück tut.
Alles in allem beweist Nerrath mit seinem Projekt trotzdem, dass eine ganze Menge Potential vorhanden ist und aus Horn wirklich noch etwas werden kann. Wenn man dem bisherigen Weg treu bleibt und ihn verfeinert, erleben wir hier vielleicht die Geburtsstunde einer künftigen Instanz im deutschen Black Metal.

Anmerkung: Die Demo lässt sich über die bereits erwähnte Netzseite bestellen, jene scheint ab und an jedoch von technischen Problemen die zur Unaufrufbarkeit führen geplagt zu sein. Solltet ihr dieses Problem haben, könnt ihr euch gerne auch direkt an marc@metal1.info wenden, ich werde das dann weitergeben.

Bewertung: 7.5 / 10

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