CD-Review: Horn - Turm am Hang

Besetzung

Nerrath – Gesang, alle Instrumente

Tracklist

01. Alles in einem Schnitt
02. Turm am Hang
03. Verhallend in Landstrichen
04. Die mit dem Bogen auf dem Kreuz
05. Ä(h)renschnitter
06. Totenräumer
07. Lanz und Spieß
08. Bastion, im Seegang tauber Fels
09. The Sky Has Not Always Been This Way


HORN – hinter diesem unverschnörkelten Namen verbirgt sich ein deutsches Black-Metal-Soloprojekt, das zwar schon seit 2002 durchgehend existiert, aber wohl immer noch nicht so recht die Aufmerksamkeit der hiesigen Szene auf sich ziehen konnte. Zwei Jahre nach dem letzten Schlachtruf namens „Feldpost“ wird sich das mit dem nunmehr achten Album jedoch hoffentlich ändern. „Turm am Hang“ ist nämlich von allen Seiten betrachtet ein beeindruckendes Album, angefangen bei dem malerischen Cover über die Texte, die von dem aus dem 17. Jahrhundert stammenden Volkslied „Es ist ein Schnitter“ und allerlei kriegerischen Themen inspiriert sind, bis hin zur Musik selbst.

Ein kurzer dramatischer Geigenton, dann greift HORN auch schon zu den Waffen: Bereits der Opener „Alles in einem Schnitt“ besticht mit simplen, aber unglaublich kraftvollen Gitarren und Drums sowie biestigem Screaming und überraschend starkem Klargesang. Zwar machen die aggressiven, gutturalen Vocals auch auf den übrigen Tracks eindeutig den Löwenanteil aus, doch sind es vor allem die Cleans, die mit ihrer schieren Kraft zum Mitgrölen anspornen. So beispielsweise im Refrain des Titeltracks, der mit luftigen Clean-Gitarren beginnt und sich später zum vielleicht mitreißendsten Song der Platte steigert.
Die archaische Stärke, der HORN in seinen meist im Midtempo angesiedelten Tracks Ausdruck verleiht, ist jedoch keineswegs mit stumpfer Gewalt gleichzusetzen. Denn obgleich die epischen, kämpferischen Riffs und vor allem das Drumming relativ einfach gestrickt sind, hat HORN seine Songs dynamisch und detailverliebt arrangiert. Das eher schleppende „Bastion, im Seegang tauber Fels“, dessen Hauptthema in schräg verzerrter Form bereits im Interlude „Lanz und Spieß“ zu hören ist, ist zum Beispiel mit dem Grollen von Kanonenschüssen unterlegt. Demgegenüber stehen das anfänglich stimmungsvolle, clean eingespielte „Die mit dem Bogen auf dem Kreuz“, das sich später abrupt zu einem stürmischen Ritt aus ungehemmtem Schlagzeugspiel und Riffing steigert, sowie das praktisch durchgehend gehetzte „Ä(h)renschnitter“.
Der Schleier der Melancholie, den HORN selbst über die treibenderen Songs ausgebreitet hat, kommt jedoch vor allem auf dem anschließenden Cover von When Bitter Spring Sleeps‘ „The Sky Has Not Always Been This Way“ zum Tragen. Mit seinem wunderbar melancholischen Tremolo, den mystischen, englischen Texten und dem beschwörenden Klargesang mag der Song stilistisch ein wenig aus der Reihe tanzen, nichtsdestotrotz bringt HORN „Turm am Hang“ damit zu einem wirklich schönen Ende. Die überaus professionelle Produktion des Albums, die gleichermaßen klar und kraftvoll klingt, kommt dem Cover außerdem zusätzlich zugute, sodass es sogar das Original übertrumpft.

HORN hat mit seinem achten Longplayer den Beweis dafür erbracht, dass simpel nicht gleich stupide ist. Natürlich sprüht „Turm am Hang“ nur so vor kriegerischer Energie, dennoch übertreibt es HORN nie mit der Brutalität. Kraft und Atmosphäre gehen hier Hand in Hand, sämtliche Tracks sind merklich sorgsam durchdacht und zeugen von einem eigenen Stil, unterscheiden sich aber dennoch in vielen Aspekten voneinander. Wer seinen Black Metal gerne ernst, mit einem gewissen Pagan-Einschlag, aber ohne peinliches Gedudel oder Party-Hymnen mag, darf sich dieses Album und HORN im Allgemeinen auf gar keinen Fall entgehen lassen.

Bewertung: 9 / 10

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