Ianai - Sunir Cover

Review Ianai – Sunir

Nicht viel ist über IANAI bekannt. Das von einer Person unter dem Pseudonym Trevenial geführte Projekt soll in Finnland ansässig sein und auf seinem Debütalbum „Sunir“ indigene Musik aus den verschiedensten Teilen der Welt interpretieren – so weit, so unauffällig. Hellhörig macht jedoch nicht nur, dass die 70 Minuten lange Platte über ein doch recht namhaftes Label wie Svart Records erscheint, sondern auch die aberwitzige Menge an Referenzen, die die zahlreichen angeblich involvierten – namentlich nicht genannten – Gastmusiker*innen vorzuweisen haben: Massive Attack, HIM, The Sisters Of Mercy, Lord Of The Lost, Swallow The Sun und The Rasmus sind bloß die bekanntesten der mit den Beitragenden assoziierten Bands.

Es liegt also die Vermutung nahe, dass die treibende Kraft hinter IANAI in der Musikbranche kein unbeschriebenes Blatt mehr ist – ein Verdacht, der sich angesichts des auf „Sunir“ Dargebotenen erhärtet. Was das nebulöse Musikprojekt auf seinem ersten Album zum Besten gibt, ist nämlich schlichtweg grandios. Mit einer breiten Auswahl an Zupf-, Streich- und Blasinstrumenten sowie Perkussionen erschaffen Trevenial und das mitwirkende Ensemble eine traumhafte, dem Hier und Jetzt entrückte Klangwelt.

Während der Leadsänger es Jón Þór „Jónsi“ Birgisson (Sigur Rós) gleichtut und mit seinem weichen Falsettgesang Worte einer erfundenen Sprache intoniert, bietet sich bezüglich der Instrumentierung ein Vergleich mit Dead Can Dance und – insbesondere für Metalheads interessant – mit den leichtfüßig-symphonischen Arrangements auf Wintersuns „Time I“ (2012) an. Selbst wenn das Album wie im drängenden „Manda Navaja“ an Fahrt aufnimmt oder sich in „Incheronia“ mit bauchigen Bläsern imposant aufbäumt, verliert die Musik doch nie ihre luftige Leichtigkeit.

Zwar hätten die eindrucksvollen Steigerungen, die viele der Songs wie etwa das von urkräftigem, erhabenem Frauengesang getragene „O‘zana“ vollführen, einen wuchtigeren Mix verdient. Dass der vielschichtige Sound nie ganz greifbar wird, macht jedoch in gewisser Weise den fremdartigen, geheimnisvollen Zauber der Platte aus. Ein paar mäandernde Passagen lässt IANAI sich zwar zu Schulden kommen, der Magie der Musik tun diese wenigen Durchhänger allerdings keinen Abbruch – bei einer derart langen Laufzeit ein bemerkenswertes Kunststück.

Wer Freude an kulturübergreifender, verbindender Klangkunst in der Tradition von Dead Can Dance hat, wird sich von IANAI mit Sicherheit angesprochen fühlen. Nicht jeder Track auf „Sunir“ mag sein volles Potential ausschöpfen, im Ganzen fasziniert das erste Album des noch jungen Projekts jedoch mit seiner erhabenen, aber keineswegs protzigen Grundstimmung und seinem einfallsreichen, zeitlosen und erstaunlich eingängigen Songwriting. Es wird spannend zu beobachten sein, ob über Trevenial noch mehr bekannt werden wird und an welche stilistischen Gestade es IANAI auf zukünftigen Veröffentlichungen noch verschlagen wird.

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Wertung: 8 / 10

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