CD-Review: Marduk - Rom 5:12

Besetzung

Mortuus – Gesang
Morgan Steinmeyer Håkansson - Gitarre
Devo Andersson - Bass
Emil Dragutinovic - Schlagzeug

Gastmusiker:
Joakim Göthberg - Gesang
Alan Averill (Naihmass Nemtheanga) - Gesang

Tracklist

01. The Levelling Dust
02. Cold Mouth Prayer
03. Imago Mortis
04. Through The Belly Of Damnation
05. 1651
06. Limbs Of Worship
07. Accuser / Opposer
08. Vanity Of Vanities
09. Womb Of Perishableness
10. Voices From Avignon


„Deshalb, wie durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist und der Tod durch die Sünde, so ist der Tod zu allen Menschen durchgedrungen, weil sie alle gesündigt haben…“ Jener Satz steht in der oft zitierten Bibel, wie sicher kaum einem entgangen ist dies Vers zwölf des fünften Kapitels des Briefes von Paulus an die Römer. Dies war wohl das Leitmotiv für die schwedische Legende MARDUK, die sich seit mittlerweile fast 20 Jahren durch kontroverse Thematiken und dennoch recht großem Erfolg einen Namen macht. Von anfänglich Death Metal, der sich textlich eher auf die Black Metal-Schiene begab, über schnellen, atmosphärischen und dennoch melodischen Black Metal bis hin zum legendären „Panzer Division Marduk“-Geknüppel war alles dabei, doch besonders durch die Verwendung von Kriegsthematiken erregte man Aufsehen. Begab man sich mit „World Funeral“ auf eine Schiene, die von Puristen stets stark kritisiert wurde, unternahm man mit „Plague Angel“ und dem damit verbundenen Sängerwechsel den umstrittenen Versuch, sich wieder in kompromisslosere Gefilde zu begeben. Doch auch hier wurden zahlreiche Fehler gemacht, die man hätte ausbügeln können, wie beispielsweise das Fehlen rhythmischer sowie metrischer Abwechslung und die kaum vorhandene Atmosphäre. Zu unsicher waren MARDUK auf diesem Album, man wagte sich selten an langsamere Stücke heran und selbst wenn, erschienen selbige oft sehr halbgar. Dennoch musste man dem Album zugute halten, dass es sich durch den Ex-Funeral Mist-Keifer Mortuus von dem teils sehr herzlosen Material des Vorgängers abhob.

So war die Spannung natürlich immens, was das Nachfolgewerk bringen würde. Bediente man sich lyrisch erneut des Krieges? Setzte man erneut auf stumpfes Geballer, versuchte man sich wieder in typisch-durchschnittlichem schwedischem Riffing oder baute man auf dem auf, was man mit dem Vorgänger angefangen hatte? Viele Fragen waren offen und als ich dieses Album zum ersten Mal hörte, war ich mehr als durchweg überrascht – aber definitiv positiv. Bereits der Opener „The Levelling Dust“ setzt Akzente, zwar wird hier rifftechnisch typische MARDUK-Kost geliefert – dafür auf höchstem Niveau – doch verzichtet man auf den Blastbeat und bedient sich eher langer Doublebasspassagen und einer eher sparsam eingesetzten Snare, die dem ganzen einen vollkommen anderen, sehr atmosphärischen Touch verleiht. Die großartige Produktion, die den dumpfen Klang des Vorgängers wieder ablegt, ohne dabei den klinischen „World Funeral“-Sound zu reproduzieren und der exzellente, qualitativ und von der Flexibilität sehr stark gesteigerte stimmliche Einsatz Mortuus‘ runden das Ganze dann noch ab. Nicht nur bösartigstes Gekeife wird geboten, sondern auch das markante, gequälte Krächzen, welches eine ganz besondere Note verleiht. Auch der nächste Titel „Cold Mouth Prayer“ sorgt für Freude, denn hier kehrt der Vierer erstmal wieder in die Vergangenheit zurück und erzeugt einen atmosphärischen, leicht melodischen Klang. Bald setzen auch die Blastbeats ein und sorgen für den Sound, den man eigentlich am ehesten erwartet hätte. Doch auch dieser Stimmung räumt man nicht zu viel Platz ein, wie es oft der Fall war, sondern nutzt auch andere Rhythmiken. Allerdings muss ich hier einen kleinen Kritikpunkt anbringen – Die Snaredrum klingt während der Blastbeats oft etwas zu markant und schlecht gespannt, was einen etwas stark blechigen Sound erzeugt. Dennoch ist auch diese Leistung sehr erfreulich.

Am meisten gestaunt habe ich allerdings beim darauffolgenden „Imago Mortis“, welches mit einem reinen, sehr simplen, langsamen und dennoch vollkommen unerwarteten Schlagzeugbeat beginnt, der bald von schleppenden, melodischen Gitarren begleitet wird. Hinzu kommt bald die charakteristische Stimme des Sängers, der sämtliche Facetten seiner Stimmbänder vollkommen ausnutzt. Somit erschafft man einen atmosphärischen Track, der mit über achteinhalb Minuten gar epische Ausmaße annimmt und wieder an „Nightwing“ Zeiten erinnert. „Through The Belly Of Damnation“ hingegen bedient sich wieder sämtlicher MARDUK-Klischees, funktioniert dabei aber mindestens genau so gut wie die anderen Titel – allein aus dem Grund, dass eine derartige Abwechslung geboten wird. Die kurze Basspassage und das darauffolgende unglaublich groovende Riffing verpackt die Stärken von Scheiben wie „World Funeral“ in einer komplett neuen Hülle. Beim sehr atmosphärischen „1651“ tat man sich mit den schwedischen Neoklassikern von Arditi zusammen und erzeugte einen Song, der sehr stark an „Deathmarch“ vom Vorgänger erinnert, mir persönlich aber wesentlich besser gefällt. Ohne nun noch auf jeden einzelnen Song einzugehen, will ich an letzter Stelle noch das stark an „Dreams Of Blood And Iron“ erinnernde „Accuser / Opposer“ erwähnen, bei dem ein überraschender Gastauftritt von Alan Averill, unter dem Pseudonym Naihmass Nemtheanga auch bekannt als Sänger und Bandkopf der Iren Primordial, vollkommen frischen Wind ins Geschehen bringt. Der klare Gesang Averills fügt sich verblüffend gut in das Gesamtgeschehen ein und macht auch diesen übermäßig langen Song zu einem einmaligen Hörerlebnis.

Was soll ich noch groß sagen? „Rom 5:12“ vereint ausnahmslos alle guten Eigenschaften, die MARDUK jemals ausmachten und wird sogar die nach „Back To The Roots!“ schreienden Freunde der alten Schule begeistern können. Die sehr unsicheren Versuche von „Plague Angel“ wurden jetzt durchgezogen, nebenbei fügte man noch zahlreiche Elemente aus älterem Material ein, sodass ein vollkommen überzeugender Mix entstand, der durch die, von der genannten Ausnahme abgesehen, sehr gut gewählte Produktion und den vollen Einsatz des Sängers Mortuus noch abgerundet wird. Schwächen gibt es hier kaum noch, allerdings will ich noch etwas Platz nach oben lassen, denn zu 100% ist das Potential noch nicht ausgeschöpft. Dennoch, so viel steht fest, „Rom 5:12“ ist tatsächlich das beste, was Marduk in den letzten acht oder neun Jahren veröffentlicht haben, wenn nicht sogar ihre bis dato beste Scheibe.

Bewertung: 9 / 10

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