CD-Review: Panzerfaust - The Suns Of Perdition - Chapter II: Render Unto Eden

August 2020

Besetzung

Goliath – Gesang
Kaizer – Gitarre
Thomas Gervais – Bass
Alexander Kartashov – Schlagzeug

Gastmusiker:
Maria „Masha“ Arkhipova – Gesang (Track 01)

Tracklist

01. Promethean Fire
02. The Faustian Pact
03. Areopagitica
04. The Snare Of The Fowler
05. Pascal’s Wager


Mit „The Suns Of Perdition – Chapter I: War, Horrid War“ haben PANZERFAUST eines der aufwühlendsten Black-Metal-Alben des Jahres 2019 hervorgebracht. Auf dem Auftakt ihrer geplanten Tetralogie, der sich um verschiedene Gräuel aus dem 20. Jahrhundert dreht, bilden die Kanadier die Schrecken des Krieges auf eine ungeschönte, erschütternde Weise ab, wie es nur wenige andere Bands wagen. Schon ein Jahr später legen PANZERFAUST den Nachfolger „The Suns Of Perdition – Chapter II: Render Unto Eden“ nach und öffnen damit sowohl in lyrischer als auch musikalischer Hinsicht ein neues Kapitel ihres vierteiligen Konzepts.

Im Vergleich zum ersten Teil der Albumreihe ist „Chapter II: Render Into Eden“ deutlich schwerer zu entschlüsseln. Die mit historischen Verweisen gespickten, aber doch klar nachvollziehbaren Kriegserzählungen der Vorgängerplatte weichen hier nebulöseren Texten über religiöse und philosophische Themen. So greifen PANZERFAUST unter anderem mit „Pascal‘s Wager“ das umstrittene Argument des französischen Denkers Blaise Pascal für den Glauben an Gott auf, wohingegen sich „Areopagitica“ offenbar auf John Miltons gleichnamiges Traktat gegen staatliche und religiöse Vorzensur bezieht.

Auch bezüglich der Musik selbst ist „Chapter II: Render Unto Eden“ um einiges subtiler und facettenreicher als das in seiner Brutalität schonungslos direkte „Chapter I: War, Horrid War“. Mit seiner ebenfalls fünf Stücke umfassenden Tracklist, jedoch um eine Viertelstunde längeren Laufzeit ist das fünfte Album der Kanadier weniger ein explosiver Sturmangriff auf die Sinne, sondern vielmehr eine nie ganz greifbare, betrübliche Klanglandschaft. Fast schon unmenschliche Screams, stimmgewaltig gegrölter Gesang, wuchtige Gitarrenriffs und brachial polternde Drums finden sich zwar insbesondere in „Areopagitica“ und im phasenweise ungestüm treibenden „The Snare Of The Fowler“, ansonsten knüpfen PANZERFAUST jedoch eher an „The Men Of No Man’s Land“, den schleppenden Abschlusstrack der letzten Platte, an.

Demnach gestalten sich viele der Gitarrenriffs eher zäh als dynamisch, schummrig verhallende Clean-Gitarren gleiten durch die Tracks, die langsam dahinrollenden Drums lassen immerzu ein herannahendes Übel erahnen und zwischendurch hört man immer wieder stark verzerrte Sprach-Samples. Die zutiefst bedrückende Atmosphäre des Albums fließt aber auch aus seiner hervorragenden Produktion, die die Songs weitflächig, vielschichtig und leicht surreal klingen lässt.

Dass PANZERFAUST auf „The Suns Of Perdition – Chapter II: Render Unto Eden“ mehr denn je darauf bedacht sind, eine dichte Atmosphäre zu schaffen, merkt man spätestens, wenn Maria „Masha“ Arkhipova von den russischen Pagan-Metallern Arkona im Opener „Promethean Fire“ ihre wehklagende Stimme erhebt. Dem Quartett ist es hier gelungen, die rohe, furchterregende Präsenz ihres markanten Black-Metal-Stils mit einem sphärischen Klangmuster und sich langsam entfaltenden Strukturen, die mitunter an Post-Rock denken lassen, zu verschränken. Durch die stimmige Vertonung ihrer kryptischen Songtexte haben PANZERFAUST einen grauen Moloch von einem Album in die Welt gesetzt – übermächtig, unergründlich und ohne erkennbare Schwachstelle.

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Bewertung: 8.5 / 10

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