CD-Review: Spell Of Dark - Journey Into The Depths Of Winter (EP; Re-Release)

Besetzung

V.T. – Gesang, Instrumente

Tracklist

01. The Breath Of Cold Silence
02. Frozen Lands And Horizons
03. Light Of Winter
04. The World Of Unearthly Dreams


Musikgenres sind in gewisser Weise ein bewegliches System. Ob eine Band in diese oder jene Stilrichtung eingeordnet wird, bestimmt sich also nach dem Gesamtbild der von ihr eingesetzten Stilmittel, wobei das Fehlen einzelner Merkmale einer Spielart nicht ins Gewicht fällt. SPELL OF DARK ist hierfür ein gutes Beispiel. Alles von dem dornigen Bandschriftzug über das winterliche Artwork und den Titel der EP „Journey Into The Depths Of Winter“ bis hin zu der Tatsache, dass ebenjene nun schon zum dritten Mal in etwas größerer Stückzahl neu veröffentlicht wird, deutet auf ein typisches Atmospheric-Black-Metal-Soloprojekt hin. Und doch hört man auf besagtem Minialbum nicht einen einzigen Blast-Beat und nahezu keinen gutturalen Gesang.

Dass SPELL OF DARK zu einigen grundlegenden Charakteristika des besagten Genres bewusst Abstand hält, ist in diesem Fall definitiv kein Mangel. Woran es der mittlerweile zweiten EP des russischen One-Man-Projekts nämlich eindeutig nicht fehlt, ist die mystische Grundstimmung, die für Atmospheric Black Metal bezeichnend ist. Auch ohne Highspeed-Drumming und mit eher gehaucht als geschrien klingenden Screams treibt den Opener „The Breath Of Cold Silence“ durch seine griffigen Riffs und durchgetretene Double-Bass sogar ordentlich nach vorne. Die ungreifbaren Keyboardflächen bilden hier noch nicht mehr als einen Unterton.

SPELL OF DARK spielt an diesem Punkt noch äußerst solide – aber kaum herausragend. Wirklich interessant wird „Journey Into The Depths Of Winter“ erst, wenn die rauen, trübseligen Gitarren einen Schritt zurücktreten und dem Keyboard den Weg freimachen. In dieser Hinsicht zeigt „Light Of Winter“ von allen Tracks der EP das größte Potential: Mit behäbigem Double-Bass-Drumming, das schon fast in Zeitlupe abzulaufen scheint, und einer denkbar simplen, mit wenigen Noten auskommenden Keyboardmelodie wird hier eine ganz eigene, besinnliche Stimmung geschaffen.

Doch auch das für den Re-Release neu hinzugefügte Abschlussstück „The World Of Unearthly Dreams“ glänzt gerade aufgrund seiner Einfachheit. Viel treffender als durch das hierfür arrangierte Zusammenspiel von minimalistischen, der Welt entrückten Clean-Gitarren und Ambient-Klangebenen könnte man den Titel wohl nicht in Töne transferieren. Beinahe schafft es SPELL OF DARK damit sogar, vergessen zu machen, dass die EP erst nach einer Weile zündet und die Produktion ein Stück zu ungeschliffen und unscharf geraten ist.

Es ist wohl unwahrscheinlich, dass SPELL OF DARK mit diesem Kurzalbum viel Aufsehen erregen wird. Gerade für eine schwarzmetallische Underground-EP überrascht „Journey Into The Depths Of Winter“ jedoch mit einigen erfrischend unkonventionellen Ideen. Mag dies zu Beginn der halbstündigen Scheibe noch nicht absehbar sein, so stößt man doch mit jeder Minute, die vergeht, zunehmend auf hörenswerte Momente. Die Produktion ist gewiss nicht optimal, allerdings auch nicht misslungen, sodass man sich daran nicht allzu sehr stören muss. Wer sich also etwas im Atmospheric Black Metal umhören und nicht immer nur die Großen des Genres anhimmeln möchte, sollte SPELL OF DARK zumindest eine Chance geben.

Keine Wertung

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