CD-Review: Ungfell - Es grauet

Besetzung

Menetekel – Gesang, Gitarre, Bass
Vâlant – Schlagzeug, Perkussionen

Gastmusiker:
Anna – Jodeln (Track 08)
Karapan Darvish – Gesang (Track 04)
Chimael – Cello

Tracklist

01. Es grauet überm Dorf (Wie s niemert het chönne ahne)
02. Tyfels Antlitz (Wie e Huerä zwei Chind empfanget)
03. D Schwarzamslä (Wie us däne Goofe Pfaffä wärdet)
04. Mord im Tobel (Wie en hinterhältige Mord begange wird)
05. S Chnochelied (Wie e Beschuldigti gfoltered wird und Visione bechunnt)
06. Stossgebätt (Wie das Wyb als Häx hygrichtet wird)
07. D Unheilspfaffä vom Heinzäbärg (Wie Tod und Verdärbe uf das Dorf iistürzt)
08. S Fälsebräche (Wie s Böse begrabe wird)


Anders als den meisten Black-Metal-Bands, die oft mit übertriebener Ernsthaftigkeit an ihre Kunst herangehen, machen UNGFELL keinen Hehl daraus, wie viel Spaß sie am Musizieren haben. In den sozialen Medien sind die Schweizer stets zu Scherzen aufgelegt und in ihrer Musik steht Inbrunst klar über Perfektion. Da passt es wunderbar ins Bild, dass die Band sich für ihr drittes Album kein hochtrabendes, pseudointellektuelles oder spirituelles Grundthema überlegt hat. Stattdessen haben UNGFELL mit „Es grauet“ ein angenehm unprätentiöses Konzeptalbum geschaffen, das man als Black-Metal-Alpenkrimi bezeichnen könnte: In einem scheinbar idyllischen Dorf geschieht ein Mord, eine Frau wird als Hexe gelyncht – den Rest kann man sich wohl denken…

Musikalisch erfinden UNGFELL hier weder das Rad noch sich selbst neu. „Es grauet“ schlägt folglich in dieselbe Kerbe wie zuletzt das unglaublich packende „Mythen, Mären, Pestilenz“ (2018). Die neue Platte setzt sich jeweils zur Hälfte aus teils tänzelnden, teils melancholischen Folk-Zwischenspielen mit Akustikgitarren, Flöten, Perkussionen und zur Szenerie passenden Geräuschkulissen („Es grauet überm Dorf“) sowie ausgedehnten, ungestümen Black-Metal-Nummern („Tyfels Antlitz“) zusammen. Auch in den letztgenannten Tracks, die mit heiseren, garstigen Screams, bedeutungsschweren Chören, rasanten Tremolo-Riffs und Schlagzeugkaskaden das Blut zum Kochen bringen, geizen UNGFELL allerdings nicht mit Akustikabschnitten. Das Album entfernt sich also nie weit von dem urigen Charme seines alpinen Settings.

In ihrer Performance geben UNGFELL sich gefühlt noch eine Spur tighter als auf der Vorgängerplatte. Viel wichtiger ist jedoch, dass die neuen Stücke von demselben Feuer erfüllt sind, das schon auf ihren ersten beiden Platten so eindrucksvoll gelodert hat. Zwar nehmen die neuen Tracks nicht ganz so viele aufregende und schräge Wendungen wie „Die Hexenbrut zu Nirgendheim“ oder „Der Ritter von Lasarraz“, sie prägen sich jedoch ebenso schnell ein und bersten geradezu vor ungezügelter Energie.

Dazu passend besitzt „Es grauet“ den rauen Sound einer klassischen Second-Wave-Platte. Die Instrumente klingen harsch wie Frostbisse und auf den Vocals liegt so viel Hall, als wären sie in einer Gebirgsschlucht aufgenommen worden. Eine dilettantische Lo-Fi-Produktion kann man der Platte trotzdem nicht nachsagen, sodass UNGFELL sich hiermit nicht bloß an die Nostalgiker*innen unter den Black-Metal-Fans richten.

In der bisherigen Diskografie der Schweizer nimmt „Es grauet“ gewissermaßen eine Zwischenstellung ein. Es ist um einiges ausgefeilter als „Tôtbringære“ (2017), aber nicht ganz so abenteuerlich wie „Mythen, Mären, Pestilenz“. Für sich betrachtet haben UNGFELL mit ihrer dritten Platte jedoch ein auf voller Länge gefallendes Konzeptwerk kreiert. Wie viele andere Black-Metal-Bands können schon von sich behaupten, in ihren Songs Kuhglocken und Jodelgesang unterzubringen? Dass UNGFELL es fertiggebracht haben, ulkig anmutende Stilmittel wie diese auf vollkommen stimmige Weise in die Vertonung ihrer Schauergeschichte einzubeziehen, macht „Es grauet“ zu weit mehr als bloß einer weiteren Black-Metal-Scheibe mit ein bisschen Akustikgitarrengezupfe.

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Bewertung: 8 / 10

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