Interview mit Le Comte Caspar und Max Copella von Coppelius

Am 10. Dezember des Jahres 2010 n. Chr. begab es sich, dass ich mich mit Le Comte Caspar und Max Copella von Coppelius im verschneiten Frankenland zu einer ausführlichen Befragung traf. Exakt 207 Jahre nach dem ersten Auftritt der Kapelle im Land der Germanen äußerten sich die beiden Musiker nicht nur über ihre musikalischen Anfänge, sondern auch über ihr neuestes Werk Zinnober, die Unterschiede im coppelianischen Instrumentarium und gewisse neue Medien…

Gemäß neumodischen Aufzeichnungen gibt es Ihre Band seit kurz vor Anbeginn des neuen Jahrtausends. Erste Bekanntheit…
CC: Da muss ich bereits unterbrechen. Das erste Konzert fand 1803 statt, das ist so verbrieft und veröffentlicht.

In Ordnung. Aber in Deutschland…
CC: Ja, genau, da war das erste Konzert 1803.

Bekanntheit für die breite Masse erlangten Coppelius…
CC: …1803.
MC: Wobei man sagen muss, dass viele Dokumente verloren gingen und somit die meisten denken, es wäre so gewesen, wie Sie sagen. Wir haben dann circa ein halbes Jahrhundert Pause gemacht und in der Zwischenzeit sind viele der damaligen Hörer…nunja…verstorben. Unser Publikum müssen wir uns natürlich erst einmal wieder neu erspielen.

Nach Ihrer Pause musizierten Sie zusammen mit anderen Bands wie den Inchtabokatables, Subway to Sally und der Letzten Instanz. Hat das Ihr musikalisches Schaffen nachhaltig beeinflusst?
CC: Ich denke schon, dass die genannten Kapellen danach anders musiziert haben. Die Inchtabokatables haben sich beispielsweise dazu entschlossen, nach dem gemeinsamen Konzert mit uns aufzuhören. Und auch die anderen Gruppierungen sind danach deutlich neue Wege gegangen.

Und was die coppelianischen Werke betrifft: Wurden diese durch die anderen Bands beeinflusst?
CC: Nein, durch so kurzfristige Moden lassen wir uns nicht beeinflussen. Wir sehen eher den größeren musikalischen Zusammenhang.
MC: Wir fühlten uns sozusagen eher bestätigt.

Dass der derzeitige Weg der richtige ist?
MC: Ja, genau. Und dass wir niemanden nachahmen müssen.
CC: Das ist eigentlich ein Kompliment, dass man sehr vielen der musikalischen Kollegen heutzutage geben kann: Dass sie einen darin bestätigen, was man selber macht.

Weil sie selbst musikalisch wertvolle oder weniger wertvolle Werke schaffen?
MC: Aber natürlich. An sich möchten wir aber nicht darüber sprechen, da unsere Bescheidenheit uns das verbietet.
CC: Vor allem das „oder“…

Coppelius waren bereits sehr früh im multimedialen Zeitalter vertreten mit Videos zu „I get used to it“ und „Morgenstimmung“…
CC: Sie meinen die bewegten Bilder? Das war eigentlich sehr spät. Wir haben über 200 Jahre gebraucht, um einen Tonträger zu veröffentlichen. Bis dahin dachten wir, dass Musik nur bei Konzerten entsteht, bei denen sie gespielt wird. Nach den Tonträgern kamen dann noch die bewegten Bilder. Aber die eigentliche Frage dazu war?

…warum Sie sich ausgerechnet für diese Songs entschieden haben?
MC: Wir haben hinter den Kulissen mehrere Titel zur Auswahl gehabt, aber durch verschiedene Intrigen ist es letztlich so gekommen.

Wie ist das coppelianische Verhältnis zu den neuen Medien wie Gesichtsbuch, MeinPlatz, etc.?
CC: Wir haben unsere Leute für diese Dinge. Der coppelianische Minister für Weltenruhm bekommt von uns immer seine Depeschen mitgeteilt. Nach einer Konzertreise sagen wir beispielsweise zu ihm: Herr Minister, es war eine sehr schöne Reise, leider hatten wir ein paar witterungsbedingte Reiseprobleme. Und dann tut er das in diesen Dingen…da…früher hat man noch Briefe geschrieben…
MC: Sie verstehen das sicherlich besser als wir.

Haben Sie eine hohe Meinung von diesen Medien?
CC: Ja, das ist bestimmt ganz toll. Das machen ja auch viele Leute. Eigentlich ist alles gut, wo viele Leute mitmachen.

Ihr neuestes Werk trägt den Namen Zinnober. Die verschiedenen Bedeutungen des Wortes wurden bereits mehrheitlich eruiert. Bei Ihrem Konzert gibt es nach Aussage Ihres Dieners Bastille einen roten Faden. Auf was dürfen sich die Besucher auf den coppelianischen Konzertreisen zum Ruhme des Zinnobers freuen?
CC: Müssen wir uns jetzt dafür rechtfertigen, was der Butler irgendwann mal gesagt hat?
MC: Er ist weder befugt so etwas zu sagen, noch so etwas zu denken. Vielleicht meinte er unser Bühnenbild, welches aus rotem Faden besteht und einen seiner alten Freunde, Klein Zaches, zeigt.
CC: Oder er meint damit, dass wir nicht – wie verwerflicherweise heutzutage üblich – einfach auf die Bühne gehen, ohne uns richtig anzukleiden und uns auf das Publikum vorzubereiten. Wir stellen uns auch nicht hin und spielen eine wild zusammengestellte Liste an Stücken. Wir legen Wert auf eine gewisse Dramaturgie, einen gewissen Aufbau und dadurch entsteht auch ein roter Faden. Vielleicht hat er das gemeint. Wir werden ihn aber später noch eingehend dazu befragen.

Im Gegensatz zum Vorgänger „Tumult“ gibt es keine Gastmusiker bei „Zinnober“. Wieso?
MC: Wie Sie wissen, spielt das liebe Geld im Musikbusiness eine sehr wichtige Rolle. Insofern werden wir nicht zusammen mit anderen Künstlern musizieren, wenn wir dafür nicht ausreichend bezahlt werden.
CC: Was Herr Max Copella schamlos versucht anzudeuten, ist, dass wir käuflich wären und man sich gegen das nötige Kleingeld auf coppelianischen Werken verewigen kann. Das müsste sich allerdings schon im Rahmen mittelgroßer Immobilien bewegen.

Auf Ihrem neuesten Werk scheinen die weiblichen Einflüsse zugenommen haben. Wenn man z.B. an Lieder wie „Damen“ denkt oder „Der Handschuh“ mit dem Duell um Kunigunde sowie „I told you so“, in dem eine sehr pflegeleichte Dame besungen wird.
CC: Wir haben doch bereits früher schon über Frauen gesungen wie in „Olimpia“ oder „Coppelia“.

Diese scheinen aber auf „Zinnober“ mehr geworden zu sein…
CC: Wollen Sie damit andeuten, dass wir verweichlichen?

Nein, es geht mir lediglich darum, warum die coppelianischen Werke zunehmend von Themen um die holde Weiblichkeit beeinflusst werden…
MC: Sie müssen aber beachten: „Damen“ ist – genau wie „Stetig Fromm“ – eher ein Gegenstück, in dem besungen wird, was man der Weiblichkeit nicht antun will…

„Ade mein Lieb“ ist wiederum ein deutsches Volkslied, dem sich bereits verschiedene Kapellen unterschiedlicher Zünfte angenommen haben. Warum haben Coppelius ausgerechnet dieses Stück neu vertont und warum wird es von Ihrem Diener Bastille gesungen?
MC: Das ist eine sehr gute Frage, über die ich noch gar nicht nachgedacht habe. Zunächst einmal hat mir das Stück sehr gut gefallen. Ich glaube allerdings, dass es sich hierbei um ein ursprünglich schottisches Volkslied handelt, welches erst später in die deutsche Sprache übertragen wurde. Wahrscheinlich habe ich den Text vor ca. 150 Jahren selbst ins Deutsche übersetzt.
CC: Meistens ist es auch so, dass einen die Inspiration einfach überkommt. Wenn einen der Geist packt, dann gibt es kein Warum.

Wie darf man sich die Auswahl des Sängers bei Coppelius vorstellen? Werden die Stimmen an die einzelnen Songs angepasst?
CC: Uns ist wichtig, dass sich der Sänger mit dem Stück identifizieren kann und sich darin wiedererkennt. Sonst wäre die Präsentation niemals überzeugend. Nachdem die Auswahl getroffen wurde, werden die einzelnen Songs noch angepasst und transformiert.
MC: Nein, im Ernst, in Wahrheit wird einfach nur gewürfelt.

Graf Lindorf singt „Risiko“. Worin besteht die besondere Herausforderung, gleichzeitig Cello zu spielen und zu singen?
CC: Ein Cello zu spielen und gleichzeitig gegen den Rhythmus zu singen – das ist wie im 4/4-Takt Klatschen und im 3/4-Takt Tanzen. Daneben muss er noch den Text behalten. Allerdings ist das alles nichts im Vergleich zur Anstrengung des Klarinettenspiels. Sie können nicht sitzen und sie brauchen Luft zum Singen und Spielen.
MC: Der einzige Trost, der uns bleibt, ist, dass wir es nicht gleichzeitig tun müssen.

Welche Bewandtnis hat es, dass die Titelfigur Klein Zaches aka Zinnober erst im 11. und sehr komplexen Stück besungen wird?
CC: Genau diese Bewandtnis.
MC: Stellen Sie sich vor, man würde dies direkt an den Anfang einer solchen CD stellen. Man würde viele Leute vor den Kopf stoßen.
CC: Herr Copella, dass ich das aus ihrem Munde noch einmal hören darf.

Wie stimmen Sie bei ein- und mehrstimmigen Liedern die Gesangssätze aufeinander ab?
MC: Wie ich vorhin bereits sagte: Die Würfel sprechen eine sehr eindeutige Sprache.

Und wenn die Würfel einmal die falsche Wahl treffen?
CC: Zum Glück haben wir eine sehr günstige Stimmenverteilung. Ich habe eine sehr tiefe Stimme im Vergleich zu den drei anderen Sängern, also dem Butler, Graf Lindorf und Herrn Copella. Insgesamt sind eine tiefe, zwei mittlere und eine hohe Stimme eine sehr vorteilhafte Zusammenstellung. Auf dieser Basis werden auch die Gesangssätze von mir angepasst.

Welche Kompromisse müssen Sie eingehen im Hinblick auf die Live-Umsetzung Ihrer Studioproduktionen?
CC: Es müssen generell leider sehr viele Kompromisse eingegangen werden. Ich hatte schon so manches Stück mit einem – wie Sie so schön sagen – roten Faden, welches ich mit Ecken und Kanten versehen musste, um den progressiven Ansprüchen innerhalb der Kapelle gerecht zu werden.
MC: Das sind allerdings alles Dinge, die man auf der Bühne wiedergeben kann. Was der Herr wohl meint, ist, dass das ein oder andere Cello auf der Bühne nicht zu hören sein kann.
CC: Weil mehrere Celli eingespielt sind? Sehen Sie, es ist doch besser, wenn wir so vorgehen und auf der Bühne ein Cello stehen haben, als wenn heimlich im Hintergrund ein Kassettenrekorder läuft – was so schändlich zu gestehen manch andere Kapelle nicht zu vermeiden weiß. Ich prangere dies öffentlich an: GEGEN PLAYBACK!
MC: Sie haben wie immer meine vollste Unterstützung.
CC: Coppelius sind für nur handgemachte Musik – das ist auch so versprochen und verbrieft. Manch einer vermag nicht zu glauben, dass solch fulminanter Klang nur aus dem vorhandenen Instrumentarium stammt. Uns wurde sogar schon vorgeworfen, wir hätten einen E-Gitarristen hinter der Bühne stehen. Jene Person, die für diese Unterstellung verantwortlich ist, schweigt indes und wurde seitdem nicht mehr gesehen.

Welche spielerischen Unterschiede ergeben sich für die Musiker, wenn – im Gegensatz zu anderen Bands mit Gitarren – auf der Bühne zwei Klarinetten, ein Cello und ein Kontrabass stehen?
CC: So eine Gitarrensaite schwingt frei. Beim Cello wird die Saite durch einen Bogen angestrichen und immer wieder in neue Schwingungen versetzt. Außerdem hat eine Gitarre bis zu 12 Saiten. Bei einem Cello kann man hingegen nur maximal zwei Saiten gleichzeitig anspielen. Das heißt man kann nur eine Quinte oder eine Quarte spielen, aber keinen ganzen Akkord. Dadurch wird das Klangspektrum eingeschränkt. Dieses Fehlen muss man durch musikalisches Können ausgleichen. Außerdem ist das Cello an sich auch Bassinstrument, wodurch es zu akustischen Konflikten mit dem Kontrabass kommt, die nur sehr schwierig zu beseitigen sind. Manchmal artet dies sogar in persönliche Fehden aus. Natürlich ist eine Klarinette auch keine Gitarre, sondern eigentlich etwas viel Besseres, das einen schönen geraden Klang erzeugen kann und der Gitarre weit überlegen ist – bis auf die Tatsache, dass man nicht so viele Töne gleichzeitig spielen kann.
MC: Vor allem ist eine Gitarre Betrug. Sie hat Bünde und ist somit intonarisch fast immer richtig. Wir müssen uns um die Intonation selbst kümmern.
CC: Wissen Sie, was das ist? Intonation?
Ja.
CC: Wissen es Ihre Leser auch?
Vielleicht können Sie es Ihnen auf die coppelianische Art näherbringen…
MC: Nun ja, man hört bei den Liveaufnahmen verschiedener Künstler einen Unterschied zwischen den Studioproduktionen und den Klängen, die bei einem Konzert entstehen. Besonders im Gesang fällt auf, dass die Intonation nicht immer stimmt. Wenn eine Strophe schief klingt, heißt das, der Künstler hat nicht sauber gesungen. Bei uns müssen sie sich diesen Effekt dank mehrerer Gesangsstimmen multipliziert vorstellen.
CC: Was aber noch lange nicht heißt, dass alles, was bei einer Konzertaufnahme schief klingt, mit der Intonation zu tun hat. Sie müssen sich das so vorstellen: Wenn sie auf einem Klavier spielen, können Sie nur die Töne spielen, die es wirklich gibt, wie z.B. ein C oder ein Cis. Dazwischen gibt es nichts. Bei der Gitarre ist das ähnlich. Auf einem Cello hingegen können sie zwischen diesen Tönen noch viele weitere spielen, abhängig davon wo sie ihren Finger auf die Saite legen. Das hat viele Vorteile wie den reinen Klang und ist wohltemperierter, allerdings natürlich auch anspruchsvoller zu spielen.

Coppelius singen sowohl in englischer als auch in deutsche Sprache. Welche Texte halten Sie für aussagekräftiger?
CC: Die deutschen.
MC: Diese Texte sind verständlicher für das Auditorium, in dessen Landen wir uns derzeit bewegen. Wobei natürlich viele Menschen hierzulande des Englischen inzwischen mächtig sind…
CC: Ein guter Grund, um NICHT auf Englisch zu singen.

Unterscheidet sich das coppelianische Instrumentarium bei Stücken in verschiedenen Sprachen?
CC: Nein, nein, nein. Was wollen Sie denn damit andeuten?

Dass die englische Sprache vielleicht andere Tonarten, andere Instrumente, andere Takte oder sogar andere Intonationen erfordert…
CC: Da ist der Unterschied zwischen den Sprachen nicht so groß, sondern eher bei jedem Lied, da wir immer individuelle Gesangsmelodien und Riffs verwenden. So müssen die Akkorde jedes Mal anders aufgebaut und arrangiert werden, damit man z.B. Stimmen noch gut verstehen kann. Wir mussten schon Arrangements ausdünnen, weil ein Cello in die Gesangsstimme hineingebraten hat. Das ist mit das Schwierigste.
MC: Wir haben allerdings noch nie extra die Sprache angepasst.

Wie versuchen Sie Emotionen durch Ihr Instrumentarium zu transportieren? Eine Klarinette kennen die meisten bestenfalls aus „Peter und der Wolf“. Der Klang eines Instruments löst allerdings immer gewisse Emotionen aus.
CC: Das ist vielleicht andersrum zu sehen: Wie schaffe ich es, die Emotionen eines Stücks auf die vorhandenen Instrumente zu übertragen? Bei einem wütenden Song spielt man die Klarinette entsprechend scharf, wild und hoch. Bei einem traurigen Lied oder einer Ballade hält man das Instrument hingegen in den tiefen Lagen und spielt es eher zart. Das Cello und der Kontrabass werden je nach Stück auch entsprechend galvanisch amplifiziert.
MC: Wobei man die Frage auch so interpretieren könnte, dass der Herr wissen möchte, wie man dem Charakter eines Kontrabasses nahe kommt. Wenn man ihm z.B. mal ein Vogelgezwitscher unterjubeln möchte…das wäre doch interessant.
CC: Vogelgezwitscher auf einem Kontrabass? Das klingt nach hoher Lage. Sie wissen doch, wie schwierig die Intonation auf dem Kontrabass besonders in dieser Lage ist.
MC: Gibt ja auch schon ausgestorbene Vögel…
CC: Wenn man allerdings versuchen würde, einen Vogel, der am Absinth genascht hat, musikalisch umzusetzen, dann ließe sich das hervorragend mit einem Kontrabass in der hohen Lage darstellen.MC: Und Sie haben es dem Herrn Voss auf der Bühne ja bereits 1000 Mal vorgemacht…
CC: Indem ich ihm in die Saiten greifen würde? Was werfen Sie mir vor?
MC: Nein, indem Sie auf Ihrer Klarinette in der hohen Lage spielen.
CC: Und was hat das mit dem betrunkenen Vöglein zu tun, Herr Copella?
MC: Diese Fragen stellen Sie sich doch jetzt nicht im Ernst.

In welchen Landen begegnen die Menschen Coppelius mit offenen Ohren und wo stoßen Sie auf die größte Ignoranz?
CC: Wir haben 2010 in den Niederlanden auf dem Castlefest gespielt, das war herrlich. Dort wurden wir mit offenen Armen, staunenden Mündern und viel Gekreische/Geklatsche empfangen. Deswegen werden wir auch auf unserer winterlichen Konzertreise dort wieder vorbeischauen.
MC: In Simbabwe kamen mir allerdings nicht so gut an…

Warum?
MC: Weil wir dort noch nie waren.

Gibt es bestimmte Landen, in denen Sie einmal auftreten wollen, weil Sie denken, dass Ihre Musik dort besonders gut ankäme?
CC: Wir haben bereits einmal die nördlichen Länder bereist und gaben u.a. ein spontanes Gastspiel in Oslo. Dort würden wir sehr gerne wieder hin. Doch unseren Konzertagenten ist es bis dato nicht gelungen, uns weitere Auftritte dort zu verschaffen. Vielleicht sind sie einfach der dortigen Sprache nicht mächtig.
MC: Man bleibt ja auch des Öfteren an den Grenzpfählen hängen, müssen Sie wissen.
CC: Es ist ein großes Problem für uns, dass wir Ausweisdokumente oder Ähnliches strikt ablehnen.

Während andere Bands gerne einmal ihre Besetzung ändern, präsentiert sich Coppelius von Anfang an als feste Einheit…
MC: Diese Einheit existiert nur nach außen hin.
CC: Sie glauben nicht, wie oft es bei uns zu privaten Duellen kommt. Zwischen den Klarinettisten zum Beispiel.
MC: Man kann sogar sagen, dass es kein privat gibt. Wir würden uns nie gemeinsam an einen Tisch setzen.

Und Ihr gemeinsames musikalisches Schaffen? Wodurch profitiert es am meisten von der langen Zusammenarbeit?
CC: Die Reibungen, die aus dieser Hassliebe entstehen – nur ohne die Liebe.
MC: Es liegt in erster Linie an meinen musikalischen Fähigkeiten, dass wir hier überhaupt auf der Bühne stehen können. Ich habe es mit Hilfe von Politik und Intrigen erreicht, dass einige Konzerte mitunter ganz passabel gelangen. Ohne mich wäre dies undenkbar.
CC: Jetzt geht das wieder los. Stellen Sie bloß schnell die nächste Frage.

Besteht die Gefahr der Routine oder fehlender neuer Einflüsse von außen?
CC: Wie bereits gesagt: Wir sind der Einfluss, wir werden nicht beeinflusst.
MC: Äußere Einflüsse halten wir grundsätzlich fern von Coppelius.

Sind Sie der Meinung, dass man Coppelius ohne Verweise auf Iron Maiden, den Sandmann und E.T.A. Hoffmann allen Nichtwissenden in einfachen und klaren Worten näherbringen kann?
CC: Natürlich. Die Frage ist viel eher, ob man Hoffmann und Iron Maiden ohne Verweise auf Coppelius verstehen kann.

Oder sprechen Ihre Livetaten mehr als 1000 Worte?
CC: Ein Konzert von Coppelius sollte man gesehen haben – am besten auch, bevor man die Aufnahmen gehört hat. Nur so versteht man uns richtig. Eine Aufnahme ist eigentlich nur ein Stück Konzert zum Mit-nach-Hause-nehmen und kein Ersatz. Aus diesem Grund haben wir uns lange gewehrt, überhaupt solche Aufnahmen anzufertigen.
MC: Auf Grund der akustischen Gegebenheiten ist eine Aufnahme allerdings mehr als ein Konzert zum Mitnehmen, sondern viel eher ein Hörspiel, bei dem es viel mehr Details zu hören gibt.
CC: Wir können es im Übrigen gar nicht gutheißen, dass in letzter Zeit vermehrt Aufnahmen vom Bühnengeschehen im Publikum angefertigt und dann auf diesen neuen multimedialen Plattformen veröffentlicht werden. Sie können sich vielleicht vorstellen, wie unschön es ist, wenn man von der Bühne aus ständig in dunkle Objektive blickt anstatt in freudige Gesichter. Aus diesem Grund haben wir neulich schon einige Exemplare eingesammelt.

Nach welchen Kriterien wählen Sie das Material aus, welches von Ihnen neu vertont wird, sprich Coverversionen von Iron Maiden und Motörhead?
MC: Ich wähle sie einfach aus und schreibe ein paar Noten um. Allerdings tun sich die coppelianischen Musikanten schwer damit, diese lesen zu können, und sind am Ende so verwirrt, dass irgendwann einfach feststeht, was nun aufgenommen wird.
CC: Vergessen Sie, was Herr Coppella gerade gesagt hat. Ich hatte die Frage mit der Inspiration bereits vorhin beantwortet. Bei den Stücken von anderen Kapellen verhält es sich wie bei den eigenen: Wenn einen die Muse packt, ist man dieser wehrlos ergeben. Abgesehen davon stammen die meisten dieser sogenannten Coverversionen ursprünglich von uns. Die Gruppierungen haben diese lediglich nachgespielt und fälschlicherweise als ihr geistiges Eigentum ausgegeben.
MC: Der Comte ist dreist, wie Sie merken…

Teilen Sie nicht seine Ansicht, dass Coppelius die Urheber…
CC: Er teilt grundsätzlich nie meine Meinung.
MC: Doch, ich habe Sie vorhin in Ihrer Ansicht bekräftigt.
CC: Nur um dann hinterher umso deutlicher zu machen, dass Sie andere Standpunkte vertreten.

Wie sehr ehrt es Sie, wenn das Auditorium den coppelianischen Kleidungsstil übernimmt oder gar nach schweißtreibenden Stunden nach weiteren Stücken lechzt?
CC: Beides sehen und hören wir sehr gerne. Wir freuen uns, wenn sich die Leute vernünftig anziehen und nicht in ihrer Arbeitskleidung zum Konzert kommen.
MC: Aber andere verdammen wir auch nicht.

D.h. Sie würden Coppelius allen Menschen empfehlen, die sich für eine besondere Art von Musik interessieren?
CC: Nein, wir würden Coppelius jedem nahelegen.
MC: Ich wollte gerade Ja sagen, aber gut…
CC: Nicht nur denen, die sich für Sondersparten interessieren. Coppelius können Sie in einem Seniorenheim und in einer Kindertagesstätte spielen.
MC: Im Seniorenheim sollte es aber etwas lauter sein.

Und wem würde die Musik eher gefallen?
CC: Das ist das, was ich damit sagen will: Ich glaube, sie würde allen gefallen – auch allen dazwischen. Deswegen wollte ich nicht einschränken, für wen wir spielen. Wir sind für alle da.

Welche Musik (außer der eigenen) führt sich Coppelius zu Gemüte, wo Sie denken „Ja, bitte, da capo, mehr davon!“?
CC: Ruhe, Stille, Frieden, Tacet, keine Musik, Pausen…fällt Ihnen noch etwas ein, Herr Coppella?
MC: Ich bin wieder Ihrer Meinung.
CC: Wenn die ganze Zeit ein solcher Krach um einen herum ist, besonders auf Konzertreisen, dann kann man keine Musik mehr hören.

Haben Sie gerade Ihre eigene Musik Krach genannt?
MC: Um kurz einzuspringen: Es geht nicht um die Musik, sondern die Lautstärke…
CC: Wenn Sie überlegen, welche Lautstärke im Publikum ankommt, dann können Sie sich vorstellen, welch ohrenbetäubender Krach auf der Bühne herrschen muss, z.B. direkt vor dem Schlagzeug – und das jeden Tag, auch beim Soundcheck. Das meine ich auch mit Krach: Es ist anstrengend und man freut sich über jeden Moment Tacet, den man kriegen kann.

Können Sie bitte noch kurz Ihre ersten Gedanken zu den folgen Begriffen mitteilen?

Emergenza
CC: Da waren wir mal dabei und es war schön.
MC: Ist das nicht ein italienisches Wort, das Notfall bedeutet?

Irgendwelche konkreten Erinnerungen?
CC: Wir haben in Berlin teilgenommen und waren nach mehreren Ausscheidungsrunden im Finale. Das hatten wir dank der meisten Stimmen auch gewonnen, doch irgendeine Jury hat entschieden, dass wir nicht den 1. Platz bekommen sollten. Das gab große Tumulte und irgendeine Gruppe, von der man später nie mehr etwas gehört hat, ist schließlich weitergefahren.
MC: Die Aufnahmen, die damals von uns gemacht wurden, haben wir umgehend strengstens verboten. Aber jeder kann sie auf YouTube sehen…

Iron Maiden
CC: Sehr talentierte Nachwuchskombo.
MC: Wir dachten lange, dass diese Band noch unsere Hilfe benötigt. Doch dann haben wir vor kurzem mitbekommen, dass sie von ihrer Musik inzwischen leben können. Aus diesem Grund haben wir nun etwas weniger Titel von ihnen im Programm.

Apocalyptica
CC: Die haben zwar mehrere Celli, aber keine Klarinetten, keinen Kontrabass…
MC: Dafür haben sie ein Schlagzeug und immer mal einen Sänger dabei. Sehr interessante Gruppe!
CC: Die Celli sind so verzerrt, dass man kaum mehr einen Unterschied zu Gitarren hört…
MC: Der Comte ist neidisch…
CC: Nein, dieses Mal nicht – auf die nicht.

Auf wen dann?
CC: Eine Unverschämtheit diese Frage!

Heavy Wood
CC: Könnte man die Musik nennen, die wir machen.
MC: Mit Sicherheit eine Wortschöpfung vom Comte. Ich mag es nicht.

Da Capo
CC: Spielen wir nach jedem Konzert.
MC: Aber Da Capo heißt eigentlich „von vorn“. Spielen wir jedes Konzert am gleichen Abend noch einmal?
CC: Nein nein, Herr Coppella. Das bedeutet, die schönsten Stellen noch einmal zu spielen – und das tun wir in gewisser Weise.
MC: Wenn Sie meinen. Ich möchte Ihnen nicht schon wieder widersprechen.
CC: Dann tun Sie das bitte nicht. Nächste Frage.
www.metal1.info
CC: Das ist mit Sicherheit eine Seite in den galvanischen Weiten des weltumspannenden Netzes. Ichkenne mich nämlich aus in solchen Dingen.
MC: Ich bin darin leider weniger bewandert. Aber der Comte wird mir sicherlich etwas zu lesen geben, wenn Sie es gestatten.
CC: Sie möchten uns jetzt sicherlich darum bitten, dass wir ein Dingsbums einsprechen, dass die Leute dann auf Ihrer Seite hören können.

Wenn Sie wollen…
CC: Wenn Sie wollen.

Was wollten Sie denn schon immer einmal loswerden in all ihren hundert Jahren, was Sie noch nie gesagt haben?
Hört selbst

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