Interview mit Titan Fox von Hammer King

Rein aus Sicht des Marketings machen HAMMER KING alles richtig: Mit ihren Faschings-Outfits nebst entsprechender Kriegsbemalung heben sich die Power Metaller sofort von manch anderem Vertreter des Genres ab. Obendrein hat sich die Truppe mit dem namensgebenden Hammer King ein auf jede Situation anwendbares Maskottchen erschaffen und sorgt so für einigen Wiedererkennunsgwert, ohne auch nur einen Ton gespielt zu haben – was für Sodom, Powerwolf und Iron Maiden funktioniert, kann für HAMMER KING nicht verkehrt sein. Dass der Erfolg von HAMMER KING nicht bei der Vermarktung endet, zeigt ihr neues Album, das schlicht den Bandnamen trägt, denn hier hat die Truppe ein zeitlos gutes Power-Metal-Album mit ordentlich Druck abgeliefert. Aus gegebenem Anlass setzten wir uns mit Frontmann Titan Fox in Verbindung, der uns alles über das neueste Dekret des Hammerkönigs verriet.
Das Logo der deutschen Power-Metal-Band Hammer King

Hallo und danke, dass du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast. Wir leben in seltsamen Zeiten – alles gut bei dir?
Hi Thomas, vielen Dank für das Interview! Es sind in der Tat seltsame Zeiten und vieles da draußen ist wahrlich beunruhigend. Ich könnte nun sagen, dass wir ja im Kingdom Of The Hammer King leben, wo der König kein Corona duldet und es deshalb auch keine Einschränkungen gibt, aber natürlich müssen wir immer mal wieder in die „echte Welt“ und dann betrifft es uns natürlich auch. Ich sag es mal so: Wir waren die totalen Gewinner, wenn man das überhaupt so sagen kann. Wir hatten ohnehin gerade eine Konzertpause, weil wir das Studio Greywolf bereits gebucht hatten und daher konnten wir alles genauso machen, wie wir es geplant hatten. Und es gab vieles zu tun!

Seit eurer letzten Platte „Poseidon Will Carry Us Home“ sind etwa drei Jahre vergangen. Was war seither bei euch los?
Wir haben unseren ersten Line-Up-Wechsel überstanden und in Gladius Thundersword einen neuen Bassisten eingearbeitet. In der ganzen Zeit ist sehr viel passiert, denn nach unserem Drei-Track-Demo hatten wir einige Labelangebote, worunter erfreulicherweise unser Wunschpartner Napalm Records war. Aber wir haben nicht nur ein neues Label, sondern in Jacob Hansen einen neuen Mann für Mix und Master, mit Péter Sallai einen Partner für das Artwork und in OV Thunder Clothing für das Outfit. Und in unserem direkten Team um die Band gibt es auch noch einige neue Leute. Wir haben die Offtime also intensiv genutzt und da die Shows nun wieder losgehen, kann ich sagen, es hat tatsächlich alles genau gepasst!

Das Cover des gleichnamigen Albums von Hammer KingGerade habt ihr euer neues, selbst betiteltes Album veröffentlicht. Was möchtest du uns darüber erzählen?
Ich war immer sehr direkt, wenn ich über unsere Alben gesprochen habe. Ich hielt „Kingdom Of The Hammer King“ in seiner Naivität immer für unser bestes Album, aber „Hammer King“ ist für mich nun endlich der Befreiungsschlag geworden. Als ich den finalen Mix durchgehört habe, war ich zum ersten Mal in meinem Leben von einem eigenen Album beeindruckt! Das Album hat einen ziemlichen Druck und ist dabei sehr transparent, zudem finde ich die Reihenfolge der Songs sehr gelungen und wir haben zum ersten Mal seit dem Debut wieder eine riesige Dichte an livetauglichen Songs.

Warum trägt euer viertes Album schlicht den Bandnamen? Ist dies jetzt das definitive HAMMER-KING-Referenzwerk?
Ich wurde gestern in einem Interview gefragt, ob für jemandem, der uns nicht kennt, das neue Album klarmachen würde, wer HAMMER KING sind. Ich bin mir sicher, dass das so passt. Aber für den Namen gibt eigentlich zwei andere Gründe: All unsere Alben waren immer wie Bücher, die Geschichten zu einem bestimmten Thema der HAMMER-KING-Legende enthielten. Das Debüt beschrieb erst einmal das Reich und die Bediensteten, „King Is Rising“ die Kriege und Kreuzzüge des Königs, während „Poseidon Will Carry Us Home“ die Seefahrten und die Cape Horn Umrundung vertonte. Als wir des Kings Songs für das vierte Album arrangierten, fiel uns auf, dass sie textlich viel mit dem König selbst zu tun hatten. Da lag es nahe, den King zum ersten Mal aufs Cover zu packen und das Album nach ihm zu benennen. Dann kam der Wechsel zu Napalm hinzu und die Tatsache, dass uns nun viele Leute zum ersten Mal hören. Es passte also zusammen.

Wo siehst Du Unterschiede – oder Parallelen – zu eurem vorherigen Album?
Die Parallelen sind die sehr eingängigen Songs, auch wenn die Dichte seit dem Debüt nicht mehr so hoch war – eine Parallele zu „Poseidon“ sind die zwei epischeren Tracks, denn das hatten wir auf der „Poseidon“ zum ersten Mal. Der Unterschied ist dann der Sound, der erhöhte Druck der Songs an sich und der stärkere Gesang. Onward and upward – so soll es weitergehen!

Auf eurer neuen Platte befindet sich mit „Hammerschlag“ mal wieder ein Song, der Deutsch und Englisch verbindet. Was macht für euch den Reiz daran aus?
Es war ein reiner Zufall! Wir hatten die Musik etwa ein halbes Jahr nachdem wir Gerre auf einem Benefiz-Festival getroffen hatten, wo Tankard Headliner waren. Da hatten wir in einer einseitigen Bierlaune ausgemacht, dass wir einen Song zusammen machen sollten. „Hammerschlag“ passte da musikalisch ziemlich gut und Gerre war sofort dabei. Als wir die Musik arrangiert hatten, war der Line-Up-Wechsel grad passiert und das war eine harte Erfahrung. Irgendwann meinte unser Drummer Dolph, das wäre ein regelrechter Hammerschlag gewesen – da guckte ich ihn an und sagte sofort „das ist genau der Titel für den neuen Song!„. Wir checkten das zuerst auf Englisch, wo es aber einfach nicht diese – typische deutsche – Härte und Präzision hat. Und da die Situation für uns ein Hammerschlag war, durfte es dann auch auf Deutsch so in den Text. Einen komplett deutschen Song wollten wir allerdings nicht, da ich Englisch lieber mag und auf Englisch auch besser klinge – und vermutlich sogar weniger Akzent habe.

Ein Foto von Hammer-King-Frontmann Titan FoxBassist K.K. hat euch letztes Jahr nach fünf Jahren und drei Alben verlassen. Wie kam es dazu und wer ist sein Nachfolger?
Es war eine sehr schwere Sache. Eine Band ist wie eine Ehe, nur eben aus mehr als zwei Leuten. In einer Ehe gibt es die tollen Phasen, die routinierten Phasen und leider auch manchmal die Phasen, wo es nicht mehr rund läuft, weil die Leute sich zu arg auseinanderentwickelt haben. Da gibt es keine Schuldigen, nur die Tatsache. Wir haben das eben erlebt und auf einige sehr gute Jahre sind dann eben welche gefolgt, wo es nicht mehr rund lief. Niemand hat sich das gewünscht – such is life. Gladius Thundersword wurde uns von Chris Glaub vom Breakout Magazine empfohlen und es war einfach unwiderstehlich! Er brachte eine gewisse Aura mit sich, die ihm schnell den Titel des Größenwahnsinns-Beauftragten verlieh, was eine gute Sache ist! Ich denke, dass uns das allen zur richtigen Zeit die nötige Energie gegeben hat und wir dadurch sehr viel auf einmal erarbeiten konnten. Und nun geht es eben Vollgas weiter.

Wie liefen das Songwriting und die Aufnahmen zum neuen HAMMER-KING-Album ab?
Wir haben eine klassische Arbeitsweise. All music and lyrics are written by thy Majesty, the HAMMER KING. Irgendjemand von uns empfängt die Musik dann und bringt sie mit nach Castle Rockfort, unseren Proberaum. Dort arbeiten wir dann immer live als Band, denn via Internet macht das für uns keinen Sinn. Wir brauchen zumindest Drums und eine Gitarre. Gesang kann, muss aber nicht gleich sein. Wir gehen dann so weit, wie wir kommen und nehmen das Ganze mit einem Raummikrofon auf. Im Idealfall kommen wir hierbei bis zum Refrain, was dann automatisch bis zur Mitte des Songs bedeutet. Dann lassen wir die Sachen ruhen und wenn sie uns beim erneuten Anhören spontan gefallen, arbeiten wir weiter. Was wir beim vierten Album verändert haben, ist die wesentlich höhere Zahl der Songideen. Wir hatten über 30, wovon wir dann etwa zwölf benutzt haben. Wir haben für HK5 bereits angefangen zu schreiben, da werden wir wohl noch mehr Ideen haben.

Euer viertes Album markiert gleichzeitig euren Wechsel zu Napalm Records. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?
Napalm Records waren immer unser Wunschpartner – und ich betone immer, dass wir bei Cruz Del Sur Music sehr glücklich waren. Enrico Leccese, der Labelboss, ist ein ganz feiner Kerl und ein echter Freund. Aber letztlich waren wir nie ganz kompatibel mit den Bands bei Cruz Del Sur und Napalm schienen uns immer genau die Fans zu bedienen, die wir ansprechen. Daher sind wir jetzt extrem froh und genießen die viel größere Promo total!

Die Corona-Pandemie wirkt sich auf alle Bereiche des Lebens aus, aber es scheint, als würden Live-Clubs und tourende Bands besonders hart getroffen. Wie geht es euch nach fast anderthalb Jahren damit?
Wenn das Touring jetzt tatsächlich wieder losgeht – und es sieht ganz danach aus – dann sind wir durch die Zeit dieses gewissen Reboots, den wir der Band verpasst haben, quasi unbeschadet davongekommen. Aber es war erschreckend, das zu sehen. Zum ersten Mal seit 20 Jahren habe ich keine Wishbone-Ash-Show im Januar besucht – und zum ersten Mal in meinem Leben als Musiker seit 19 Monaten nicht auf der Bühne gestanden.

Bassist Gladius Thundersword von Hammer KingAugenblicklich ist vieles noch nicht absehbar, aber macht ihr schon Tourpläne für den Zeitpunkt, wenn Konzerte wieder möglich sein werden?
Eine der guten Sachen an Napalm Records ist Napalm Events. Wir werden also im Booking einen Partner haben, der uns hoffentlich gut unterbringen kann. Natürlich wird es zuerst sehr voll sein, denn die Tourneen von 2020 und von 2021 werden alle innerhalb weniger Monate gleichzeitig über uns kommen, aber es wird sicherlich etwas passendes dabei sein für uns. Wir sind jedenfalls hochmotiviert und wollen so viel live spielen, wie es geht. Unsere Musik ist definitiv dafür gemacht, live gespielt zu werden!

Besten Dank für Zeit und Antworten. Zum Abschluss ein Brainstorming: Was fällt dir spontan zu folgenden Begriffen ein?
Festivals: Wollen wir unbedingt spielen, so viele wie möglich. Was haben wir alle die Festivals vermisst!
Pay To Play: Wenn es den Einsatz wirklich wert ist, dann kann man das machen. Doch prüfe, wer sich bindet …
Kingdom Of The Hammer King: Großartiges, sehr naives Album mit massenhaft coolen Livetracks. Sehr unbeschwert. Und das Kingdom ist ein guter Ort zum Leben.
Manowar: Album eins bis vier unsterblicher Metal, Album fünf und sechs brachialer Mainstream Metal, danach folgt die Treppe in den Keller. Album sieben hat Momente, Album acht einige gute Songs, Album neun zwei gute Songs und dann bin ich raus. Manowar hat mir natürlich Ross The Boss ins Leben gebracht, wofür ich immer dankbar sein werde.
Konzeptalbum: Wie Pay To Play – kann sinnvoll sein, wenn es wirklich passt. Ansonsten oft ziemlich ein kontraproduktiver Krampf. Wenn es Operation: Mindcrime ist oder etwas von Pink Floyd, dann gern!
HAMMER KING in zehn Jahren: Wenn alles gut geht, dann sind wir sehr aktiv und in ständigem Wachstum. Wir geben Vollgas.

Die letzten Worte gehören dir – gibt es noch etwas, was du unseren Lesern mitteilen möchtest?
Vielen Dank für das coole Interview! Wir werden ab sofort wieder live zu sehen sein, die Dates gibt es auf hammer-king.com, wo ihr auch direkt auf unseren Shop kommt. Dort gibt es alle Alben als CD und verschiedenfarbiges Vinyl, sowie Shirt und Hoodies, unseren exklusiven Faretrade Edelkaffee (no joke) mit Tassen und demnächst den King als Figur.
Vielen Dank für den Support, wir sehen uns hoffentlich alle bald leibhaftig – God bless the King, may the King bless you.

Ein Foto der Heavy-Metal-Band Hammer King

Dieses Interview wurde per E-Mail geführt.
Zur besseren Lesbarkeit wurden Smilies ersetzt.

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