Konzertbericht: Joe Bonamassa

2012-03-03 München, Muffathalle

Das München-Konzert von JOE BONAMASSAs „Dust Bowl“-Tour findet unter durchaus ungewöhnlichen Vorbedingungen statt: Erst drei Wochen zuvor und offenbar relativ spontan auf die Beine gestellt, darf der geneigte Fan sage und schreibe 76€ für die Eintrittskarte blechen. Ein stolzer Preis, bedenkt man einerseits, dass die Muffathalle, in der die Show steigen soll, normalerweise mit Ticketpreisen zwischen 25€ und 30€ auskommt, andererseits, dass der in Blueskreisen sicherlich hoch angesehene Bonamassa im deutschen Mainstream eine insgesamt doch äußerst geringe Reputation genießt. Doch wer Alben wie „Black Rock“, „Dust Bowl“ oder „The Ballad Of John Henry“ kennt und Joe zudem 2011 mit Black Country Communion auf Tour erlebt hat, lässt sich natürlich nicht abhalten, dennoch zum Konzert zu pilgern. So hielten es wohl viele andere auch, somit ist die Halle trotz der nicht optimalen Rahmenbedingungen an diesem Samstag gut gefüllt.

Wer vor dem Auftritt Angst hatte, dass die Songauswahl daneben gehen oder etwa die zum Teil relativ progressiven Songs des „Dust Bowl“-Albums live nicht funktionieren könnten, wird schnell eines besseren belehrt: Nach einem fulminanten Start mit „Slow Train“ geht auch „Last Kiss“ direkt in die Vollen, ein Song, der auf Album gar nicht so spektakulär wirkt, wie er sich dann bei angemessener Lautstärke und mit erweitertem Solo präsentiert.
Nach einem entspannten Zwischenspiel in Form von Gary Moores „Midnight Blues“, das als verruchte, abgeklärte Downtempo-Nummer daherkommt, folgt mit „Dust Bowl“ direkt ein weiterer Groove-Hammer. Und JOE BONAMASSA hat nach vier Songs unmissverständlich dargelegt, was den Blues Rock, vor allem live, seiner Meinung nach ausmacht: Frische Songansätze, die nicht zu sehr auf typischen Blues-Schemata herumreiten, ausufernde Improvisations-Soli (wo Bonamassa sowohl in Sachen Klang und Schlüssigkeit, als auch in der Auswahl der Sounds zu überzeugen weiß) und eine dicke Portion Abwechslung: Ob nun straighte Hard Rock-Nummern oder nachdenklicker Blues, hier ist alles präsent. So ist es auch nur plausibel, dass mit „You Better Watch Yourself“ eine äußerst klassische Old-School-Blues-Nummer folgt. Bonamassa hält sich und die Fans zwischen den Songs nicht lange mit Ansagen auf, lediglich vor „The Ballad Of John Henry“ legt er sehr selbstironisch dar, dass er auf den zwölf Studioalben, die er bisher aufgenommen hat, keinen einzigen Hit verzeichnen konnte und somit auch garantiert, dass man so etwas auch auf dem neuen Album, das im Mai erscheinen soll, nicht zu hören bekommen wird.
In Sachen Songauswahl kann JOE BONAMASSA live also offenbar nichts falsch machen: Jeder Song, der kommt, zündet sofort, und zwar zumeist noch deutlich stärker als auf den Alben. Auch, was die Performance angeht, glänzen alle Beteiligten, trotz des Fokus, der offensichtlich auf Joe liegt, hat man das Gefühl, einer wirklich funktionierenden (und selbstredend perfekt eingespielten) Band zuzusehen. Kritik lässt sich höchstens am Sound äußern, hier dafür aber leider auch nicht zu knapp: Ist der Soundbrei während der ersten Nummern nicht zu überhören, erschlägt im weiteren Verlauf der Show Bonamassas unangenehm lauter Gesang die Instrumente und im Speziellen die extrem coolen Basslines sieht man meistens eher, als dass man sie hört. Ob diese Umstände nun vom Tontechniker verschuldet oder tatsächlich so gewollt sind, verkommt dabei zur Nebensache – Hier wäre jedenfalls noch einmal deutlich mehr drin gewesen.

Wartet man gegen Ende der Show, nach dem furiosen „Woke Up Dreaming“, bei welchem Bonamassa noch einmal all sein Können, diesmal auf der Akustikgitarre, unter Beweis stellt, und dem bedächtigen „Mountain Time“ eigentlich nur noch auf das ZZ Top Cover „Just Got Paid“, das bei den bisherigen Shows oft als Zugabe diente, wird heute ein – durchaus erfreuliches – Alternativprogramm geboten. Beth Hart, die 2011 mit Bonamassa ein Album aufnahm, spielte an diesem Abend parallel im Münchner Backstage, lässt es sich aber nicht nehmen, nach ihrer Show noch in der Muffathalle vorbeizuschauen und zum Abschluss in „I’ll Take Care Of You“ und „For My Friend“ ihre unnachahmliche Rockröhre zu präsentieren. Sehr sympathisch, und ein weiteres Beispiel dafür, dass der Szenezusammenhalt, oder wenigstens die Kooperation unter Blues/Rock-Musikern noch deutlich stärker ausgeprägt ist, als dies im Metal häufig der Fall ist.

Schlussendlich hat sich die Show trotz der hohen Ticketpreise gelohnt. Kein einziger Song, der langweilte, kein einziges mal, dass der Spaß am Spielen, der Bonamassa zu jeder Sekunde anzumerken ist und der sich vor allem in spontanen, teils auch humorigen Solo-Einfällen äußert, aufgesetzt wirkt. Hier waren Musiker am Werk, die nicht nur hinter dem stehen, was sie tun, sondern auch noch das Material im Gepäck haben, damit dies dem Hörer auch etwas nützt. Für 30€ wäre es definitiv noch cooler gewesen, aber bereuen braucht man den Besuch dieser Show eben auch nicht. Ganz große Klasse, der Mann, und jemand, der noch eine lange, große Zukunft im Rock-Geschäft vor sich hat.

Setlist:
01. Slow Train
02. Last Kiss
03. Midnight Blues
04. Dust Bowl
05. You Better Watch Yourself
06. Sloe Gin
07. The Ballad Of John Henry
08. Lonesome Road Blues
09. Song Of Yesterday
10. Steal Your Heart Away
11. Blues Deluxe
12. Young Mans Blues
13. Woke Up Dreaming
14. Mountain Time
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15. I’ll Take Care Of You
16. For My Friend

Publiziert am von Marius Mutz

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