King Dude w/ Kælan Mikla, ​The Dark Red Seed

  • München, Feierwerk (Kranhalle)
  • 26. September 2018

Erst im August veröffentlichte KING DUDE „Music To Make War To“, wie sein nunmehr siebtes Album betitelt ist. Unterstützt von den isländischen KÆLAN MIKLA und THE DARK RED SEED, dem Soloprojekt seines Mitstreiters Tosten Larson, geht der Amerikaner nun auf die von seinen Fans lange herbeigesehnte Europatour.

Aus dem Stress des Alltags in die Kranhalle gekommen, fällt es zunächst nicht ganz leicht, sich auf die Musik von THE DARK RED SEED einzulassen: Alleine und nur mit seiner Gitarre bewaffnet spielt der King-Dude-Musiker Tosten Larson einen ruhigen, düsteren Sound, irgendwo zwischen Drone, Doom und atmosphärischem Rock. Nach einigen Minuten Einwirkzeit packt THE DARK RED SEED das Publikum trotzdem – vielleicht nicht zuletzt, weil Videos gewaltiger Sonneneruptionen auf Großleinwand ihren Teil zur stimmigen Gesamtatmosphäre beitragen. Die rund 50 Fans in der Halle spenden nach rund 30 Minuten jedenfalls anständig Beifall.

Der Bruch zu dem was folgt, könnte kaum härter sein: Um 20:45 Uhr betreten mit wallenden Röcken KÆLAN MIKLA die Bühne – drei (natürlich) blonde Isländerinnen, ganz offensichtlich Gewinnerinnen des aktuellen Hypes um Musik von der angesagten Insel. Denn was die aus einem Poetry-Slam-Projekt hervorgegangenen KÆLAN MIKLA hier abliefern, rechtfertigt allein kaum die Begeisterung, die der Band aktuell entgegenschlägt: Zu mäßig spannenden Beats gibt es, neben unbeholfenem Ausdruckstanz, eine wenig überzeugende Gesangsdarbietung zu hören. Mögen die auf isländisch verfassten Texte als Poetry Slam vielleicht funktionieren – als Bandkonzept ist das Ganze zumindest zu hinterfragen. Eine gewisse Fanbase scheint das Trio sich jedoch bereits aufgebaut zu haben. Zumindest die teils sogar euphorischen Reaktionen der augenscheinlich vermehrt aus der Schwarzen Szene rekrutierten Fans in der mittlerweile gut gefüllten Kranhalle lassen darauf schließen.

Zumindest über eine Band sind sich heute bereits im Vorhinein alle einig: Als TJ Cowgill und KING DUDE die Bühne betreten, gibt es schon dafür ordentlich Applaus. Mit „Velvet Rope“ vom aktuellen Album „Music To Make War To“ starten KING DUDE auch gleich mit einem schmissigen Song. Wenngleich die Musik zu überzeugen weiß, enttäuscht die Show zunächst dennoch etwas: Hinter so kraftvoller, ausdrucksstarker Musik erwartet man immer auch geheimnisvolle Charaktere – TJ Cowgill wirkt jedoch eher gewöhnlich, der Rest seiner Band, vor allem Gitarristin Josephine Olivia, ziemlich reserviert bis lustlos. Wenngleich sich daran leider bis zur Zugabe nichts ändert, können Songs wie das kraftvolle „I Wanna Die At 69“ oder „In The Garden“ auch in der Live-Darbietung voll überzeugen.

Je weiter die Show fortschreitet, desto mehr taut jedoch auch Cowgill auf: Mal ein Spaß in der Ansage, mal eine kleine Anekdote zwischendurch. Als er zur Zugabe dann alleine zurückkommt, um zunächst am Piano, dann an der Gitarre noch einige Songs darzubieten, ist die Stimmung gleich viel gelöster – im finalen Ohrwurm „Lucifer’s The Light Of The World“ singt schließlich im Chorus das gesamte Publikum mit.

Setlist KING DUDE

  1. Velvet Rope
  2. I Don’t Write Love Songs Anymore
  3. Twin Brother Of Jesus
  4. In The Garden
  5. Deal With The Devil
  6. Death Won’t Take Me
  7. I Wanna Die At 69
  8. Silver Crucifix
  9. Jesus In The Courtyard
  10. Dead Before The Chorus
  11. God Like Me
    Improvisation
  12. Lucifer’s The Light Of The World


Insgesamt muss der Konzertabend als durchwachsen beurteilt werden: Nach dem stimmungsvollen, musikalisch aber nicht gar so spannenden Einstieg mit THE DARK RED SEED liefern KÆLAN MIKLA eine streitbare Show ab, die wohl vornehmlich die eigenen Fans begeistert. Und obwohl KING DUDE musikalisch alles richtig machen, braucht es etwas, ehe die Musik ihre Stimmung volle entfalten kann – nicht zuletzt, weil es Cowgill etwas an Charisma, dem Rest der Band leider vor allem an ersichtlicher Spielfreude mangelt. Spätestens beim letzten Song des Abends ist die Stimmung in der Kranhalle dennoch perfekt und die Fans können zufrieden nach Hause gehen.

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