Taake w/ Urgehal, Koldbrann

  • München, Metropolis
  • 24. März 2007

Was für eine Formation, das hat sich jeder gedacht, als bekannt wurde, dass die drei norwegischen Black-Metal-Bands zusammen einige Konzerte in Deutschland geben. Gleich zweimal True Norwegian Black Metal, einmal die Nekrotisk Inkvisition, einmal derben Satanic Metal der Alten Schule, und desweiteren auch noch die für Skandale sorgende Truppe Taake. Oder doch nur dreimal gute Musik?
So weit so gut, ich habe dem Auftritt von TAAKE ohne das Wissen um den Auftritt in Essen entgegen sehen können, war am Ende aber dennoch weniger mild gestimmt.

Das Metropolis ist gut gefüllt, aber nicht zu voll. Man möchte sagen, dass TAAKE sicherlich der Magnet des Abends waren, aber auch einige dem Urgestein des Black Metal namens URGEHAL nicht widerstehen haben können. Und mit KOLDBRANN, die einem ihre Musik so gut reindrücken, kann man auch nie etwas falsch machen.

KOLDBRANN spielen den Opener des Abends und ziehen von Anfang bis Ende ihre Show durch. Wer Koldbrann schon einmal gesehen hat, weiß ja, dass sie weder zu viel noch zu wenig tun. Sie umgarnen das Publikum mit ihrem hölzernen und rauh-melodischem Sound, ohne übertrieben zu wirken. Insgesamt eine sehr ruhige Band, die nur mit ihrer Musik Aggressionen zeigt. Die Band und vor allem aber Frontmann Mannevond haben sich meiner Meinung nach (seit dem Auftritt auf dem Up From The Ground 2006) unglaublich gesteigert. Mannevond wirkt überzeugter und sicherer, die Band eher wie eine Gemeinschaft, sodass die einzelnen Stücke noch hiebfester rüberkommen und ihre Wirkung verdoppeln, als wie sie es über Vinyl schon tun.
Das beste Stück ist für mich wie seit jeher „Kaosmanifest“ vom ersten Album. Dieses wurde natürlich auch gespielt, wie auch andere Klassiker des ersten und des zweiten Albums. Koldbrann waren wirklich verdammt überzeugend heute, und ich freue mich darauf, sie bald wieder zu sehen.

Lang herbei gesehnt und schon sind sie da: URGEHAL, die Herrscher des Untergrundes. Seit 15 Jahren aktiv und seit jeher auf dem gleichen Pfad unterwegs. Fünf herausragende Alben sind in dieser Zeit entstanden.
Koldbranns Sänger Mannevond ist bei Urgehal Aushilfsbassist und hatte so nur eine kurze Verschnaufpause bis zum nächsten Gig. Der Rest der Band ist seit Anfang an dabei und strahlt auch heute eine Einheit aus, mit der sie mich gleich in ihren Bann ziehen. Sänger Trondr Nefas grinst hämisch und amüsiert ins Publikum während er die erste Saite anschlägt. Zu seiner Linken steht Mannevond mit seinem knallroten Bass in der Hand und man sieht ihm an, dass er gerade psychisch von Koldbrann zu Urgehal wechselt. Rechts von Trondr Nefas steht Gitarrist Enzifer (aka Mr Triggerhappy Lepermessiah), wie üblich mit seiner etwas außergewöhnlichen Kopfbedeckung. Von Drummer Uruz ist nicht viel zu sehen, da dieser sich hinter seinem Drumset verkrümelt hat.
Und der Rausch beginnt. Mit voller Wucht schlagen die Norweger auf und in die Ohren ein, das ist wahre Blasphemie. Würgend, röchelnd und zugleich mit amüsiert blitzenden Augen macht der Sänger den Anwesenden klar, das er gerade das tut, was ihn ungeheuer erfüllt. Ein Stück folgt dem nächsten, quer durch die Diskographie Urgehals. Obwohl sich die Alben alle voneinander unterscheiden und die Stücke natürlich nicht in der chronologischen Reihenfolge gespielt werden, ergibt die Musik ein Bild aus Tönen, Klängen und Worten, das man unentwegt anstarren muss. Auch das Publikum hat sichtlich großen Gefallen an der satanischen Truppe gefunden, und jeder lässt seinen Gefühlen freien Lauf.
Eine phantastische Performance, der hitzige und überzeugte Geist Urgehals kommt durch und durch zum Vorschein, und beweist wiedermal, dass es tatsächlich immer noch Bands der alten Generation gibt, die es auch heute noch zu 100% drauf haben. Große Klasse, bleibt nur zu sagen!

Nach dem Auftritt von Urgehal werden nicht viele Worte verloren, da mein Begleiter und ich noch in ihrer Musik schwelgen. Doch dann geht links und rechts von uns das Gerede los, über den „Skandal in Essen“, „ob Taake denn heute überhaupt spielen?“ und ähnliches. Ganz schnell ist geklärt, dass die Benebelten/Vernebelten heute Abend aufkreuzen werden, denn der Umbau der Bühne ist schon im Gange und die samtroten Vorhänge sind noch offen.
Schließlich ist es so weit: Høsts Live Musiker kommen auf die Bühne und positionieren sich jeder in seiner Ecke. Ohne dem Publikum einen Blick zu schenken, warten sie etwas lustlos auf Herrn Høst, der etwas verzögert auf die Bühne flitzt und sich gleich mit dem Rücken zum Publikum stellt. Schon zu diesem Zeitpunkt war es offensichtlich, dass der Auftritt ein Reinfall wird. So lange haben wir auf einen Auftritt von Taake gewartet, so oft und intensiv den Alben „Nattestid“, „Bjoergvin“ und „Doedskvad“ gelauscht, und jetzt scheint nur ein tollwütiger kleiner Bengel auf der Bühne zu stehen, der gar nicht weiß, was er da tut, aber doch so überzeugt von sich selbst und seiner Musik ist.
Die (im wahresten Sinne des Wortes) Show beginnt und das Geschramme geht los. Der erste Kick von Sänger Høst geht ins Publikum und er kreischt sich die Seele aus dem dürren Leib. Seine Gastmusiker verpassen ihre Einsätze, verspielen sich, gucken so gelangweilt oder verächtlich ins Publikum und reißen dämliche Grimassen, sodassklar wird, dass man nichts mehr von TAAKE zu erwarten hat. Natürlich sollen auch die Tritte erwähnt werden, die der Sänger dem Publikum weiterhin etwa alle drei Minuten verpasst. Das schreit geradezu nach billiger Aggression und einem Aufmerksamkeit erregenden Haudrauf-Verhalten.
Høst hat nicht mal den Ansatz einer melodischen Stimme, sondern kann nur zwischen der Tonlage A1 und A2 hin und her wechseln, wobei das A1 für stupides unpassendes Gekreische steht, und A2 für ein UGH!. Wobei es nicht bei einem UGH! bleibt, sondern es sind immer gleich drei aufeinmal. Und die UGH!s, die er so toll in der Musik auf seinen Alben einzusetzen vermag, sind hier völlig fehl am Platz – einfach spontan irgendwo reingequetscht. Die Anerkennung gegenüber Taakes Musik ist schnell verloren und wir machen uns auf den Weg zur Bar und trinken noch gemütlich einen, bevor wir uns dann vorzeitig auf den Weg nach Hause begeben.
An Taake besteht in Hinsicht auf Konzerte keinerlei Bedarf mehr, schade drum. Die Alben müssen von einem wahren Könner abgemischt werden, so viel steht fest.


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