Volbeat w/ Stuck Mojo, Serum 114

  • Hamburg, Große Freiheit 36
  • 10. Oktober 2008

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier – daher ist es nicht verwunderlich, dass ich am vergangenen Freitag beinahe wie immer an Konzerttagen zur Markthalle gepilgert wäre; dort hätten mich Endstille erwartet, doch da das nun gar nicht meine Musik ist, dankte ich der omnipräsenten höheren Macht dafür, dass sie mich in die (tatsächlich ausverkaufte) Große Freiheit 36 zu VOLBEAT, STUCK MOJO und SERUM 114 geleitete. Schon vor der Lokalität wurde klar: VOLBEAT sind längst kein Geheimtipp mehr und quer durch alle Hörerschaften ein Begriff – so kam es vor mir zu einem Gespräch, in dem ein nicht gerade volljähriges Mädel ihren Besuch beim Justin Timberlake-Konzerte erwähnte; mein Gesichtsausdruck zu diesem Zeitpunkt ließ sich sicher gut mit dem beliebten Emoticon „o_O“ umschreiben. Drinnen erwartete mich STUCK MOJOs Tourmanager Toby Robinson wegen des für später angesetzten Interviews, und nach einem kurzen Gespräch nahm ich meinen Platz auf den Rängen, etwa drei, vier Meter oberhalb des Bodens, ein. Wenn schon nicht erste Reihe (diese war blitzschnell besetzt gewesen), dann wenigstens gute Aussicht!

Nach einigem Platzwechseln machte ich es mir am Geländer bequem und erwartete den Auftritt von SERUM 114 – kann mir einer sagen, was das für Musik ist? Ich wusste es bis zu diesem Abend nicht, und das änderte sich auch nicht, da die Band (wie STUCK MOJO es kurz darauf bekanntgaben) aus zeitlichen Gründen erst bei der Aftershow-Party im Headbangers‘ Ballroom spielen konnte. Für mich persönlich keine Einbuße, war ich doch eh wegen der anderen beiden Bands vor Ort. So eröffneten schließlich die amerikanischen Südstaaten-Rap-Metaler von STUCK MOJO mit „Rising“ den Abend, zunächst noch vor höchstens halbvoller Halle. Von der ersten Minute an boten die Herren um Reimemeister Lord Nelson und Gitarrero und Zweitsänger Rich Ward eine astreine Show auf der Bühne: Während sich Sean Delson (Bass) und Mike Martin (Leadgitarre) schon recht viel bewegten, waren die beiden erstgenannten ständig am Rumhüpfen (wie schafft Ward es nur, dabei noch Gitarre zu spielen?) und feuerten das Publikum an; vor der Bühne hatte sich eine kleine, aber sehr enthusiastische Fanmenge versammelt und feierte mächtig ab. STUCK MOJO spielten Abräumer wie „Southern Pride“ (mit ausgedehntem Mitsingpart), „Metal is dead“, dem langen und fast epischen „Open Season“ und machten einfach eine Mordsstimmung, wozu nicht zuletzt Spiel- und Bewegungsfreude der Protagonisten beitrugen. Zwischendurch wurde ein zu „Southern Pride“ tanzender Fan gepriesen – Zitat Rich Ward: „This guy has the best dancemoves I’ve ever seen!“ Und, ganz großer Pluspunkt: Ein knackiges, nichtmal eine Minute langes, aber geiles Drumsolo von Steve Underwood! So geht das, Leute, nehmt euch mal ein Beispiel – in der Kürze liegt die Würze. Nach einer guten Dreiviertelstunde hatten STUCK MOJO ihr Set abgeschlossen und verschwanden, von ihren Fans (aber wirklich auch fast nur von diesen, unverständlicherweise) gefeiert, von der Bühne.

Nun füllte sich der Saal schlagartig; die meisten VOLBEAT-Fans waren dem doch recht harten Rap Metal offensichtlich nicht gewachsen. Etwas anderes hätte ich bei diesem durchmischten Publikum aber auch nicht erwartet: Die klassischen Metaler waren deutlich in der Unterzahl, dazu gab es Typen in Collegejacken, reichlich Trend-Emos (meine Herrn, wie sieht das nur aus) und Frauen, die auf die Frage „Was hörst du für Musik?“ mit extrem hoher Wahrscheinlichkeit „Eigentlich alles“ (und eben VOLBEAT) antworten würden; zusätzlich stieg die Temperatur innerhalb kurzer Zeit um gefühlte 20 Grad.
Eine halbe Stunde dauerte es, bis die Dänen schließlich auf die Bühne kamen und mit großem Jubel von der Menge empfangen wurden. Im Vorfeld hatte ich mehrfach gehört, dass die Herren um den oft mit Elvis in Verbindung gebrachten Frontmann Michael Poulsen große Livequalitäten haben, und in den folgenden eineinhalb Stunden hatte ich genug Gelegenheit, mich davon zu überzeugen zu lassen: Tatsächlich feierten Volbeat auf der Bühne fast genauso ab wie STUCK MOJO. Am meisten stach dabei Gitarrist Thomas Bredahl hinaus, der mit umgehängter Gitarre tatsächlich fast in Elvis-Manier tanzte und dazu headbangte. Der Rest der Band beschränkte sich auf Headbangen und gelegentliches Posen, Poulsen – ebenfalls mit Gitarre ausgerüstet – wirkte bei seinen nicht besonders anspruchsvollen Soli etwas hüftsteif, aber er ist eben einfach eine coole Sau und kann sich das leisten. Doch was die Bühnenaction vielleicht zeitweise an Leben vermissen ließ, das strahlte die Musik dreimal wieder aus: Mit dem Titeltrack des neuen Albums „Guitar Gangsters & Cadillac Blood“ wurde der Reigen eröffnet, über die gesamte Zeit mit Knallern wie „A Moment Forever“ und „The Garden’s Tale“ forgesetzt und mit Liedern wie „Maybellene I Hofteholder“ (sehr witzig angekündigt) und „The Human Instrument“ abgerundet. Dass VOLBEAT eigentlich kaum etwas anderes als Spitzensongs in ihrem Repertoire haben, muss ich wohl kaum erwähnen – es hat schon durchaus seinen Grund, dass die Band so extrem an Popularität zugelegt hat. Über den musikalischen Tiefgang kann man sich natürlich streiten, aber live funktioniert das perfekt; wie viel Party bei „Sad Man’s Tongue“ (Poulsens Vater gewidmet) oder „Radio Girl“ (zu Beginn leichte Intonationsschwierigkeiten von Poulsen) auf der Fläche vor der Bühne war, muss ich wohl kaum sagen. Völlig nassgeschwitzt lud die Band ihre Fans zur Aftershow-Party ein, während der Abend für mich mit dem Interview mit Rich Ward von STUCK MOJO weiterging.

Summa summarum sind VOLBEAT und STUCK MOJO ein Paket, das man sich nicht entgehen lassen sollte – hier bekommt man zwei Bands geboten, die völlig zurecht für ihre Livequalitäten bekannt sind und diese auch tatsächlich bieten können. Wenn ihr die Tour in eurer Stadt haltmacht und ihr noch Tickets ergattern könnt – nichts wie hin!


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