Review …And Oceans – Cosmic World Mother

…AND OCEANS haben, gelinde gesagt, eine bewegte Bandgeschichte. Bis zur Mitte der 2000er Jahre glich der Werdegang der Finnen jenem ihrer norwegischen Kollegen The Kovenant: Spielte die Band gegen Ende der Neunziger noch Black Metal der symphonischen Sorte, kam mit der Jahrtausendwende der abrupte Schwenk in Richtung Industrial Metal und die Gruppe wechselte ihren Namen. Während The Kovenant seit „SETI“ (2003) nichts Neues von sich hören lassen haben, waren die Finnen unter dem Namen Havoc Unit weiterhin aktiv. Vor diesem Hintergrund hat wohl niemand kommen sehen, dass …AND OCEANS mit „Cosmic World Mother“ wieder ein Album unter ihrem alten Namen und in ihrem einstigen Stil vorlegen und damit ein grandioses Comeback vollführen würden.

Dass manch ein Rezensent gar so weit geht, „Cosmic World Mother“ auf eine Stufe mit Dimmu Borgirs „Spiritual Black Dimensions“ (1999) zu stellen oder es zumindest zum besten Symphonic-Black-Metal-Album seit ebenjenem Meilenstein zu erklären, kommt nicht von ungefähr. Eine gute Dreiviertelstunde lang zeigen …AND OCEANS sich in nahezu sämtlichen Bereichen in Höchstform. Mathias Lillmåns, der kurz vor der Aufnahme der Platte Originalsänger Kena Strömsholm ersetzt hat, leistet mit seinen garstigen Screams noch den unspektakulärsten Beitrag zur Musik. In seiner Performance gibt sich der Finntroll-Fronter nichtsdestotrotz kräftig und flexibel genug, um den Songs seinen Stempel aufzudrücken.

Seine wahre Pracht entfaltet das fünfte Album des Sextetts jedoch eindeutig über die Instrumentierung. Die gesamte Platte ist zum Bersten voll mit übermächtigen, epischen Tremolo-Riffs, die …AND OCEANS hin und wieder mit bedeutungsschweren, tristen Gitarrenleads umspielen („Five Of Swords“), während Kauko Kuusisalo die Drums unermüdlich mit punktgenau platzierten, blitzschnellen Schlägen eindeckt.

Der unbestreitbare Star des Albums sitzt jedoch am Keyboard: Anstatt gekünstelt ein ganzes Orchester zu simulieren, verpasst Antti Simonen den Songs mit seinem Instrument einen kalten, außerweltlichen Klang, durch den „Cosmic World Mother“ eine fremdartige, überirdische Atmosphäre ausstrahlt. Zugleich nimmt Simonen gekonnt auf die Umtriebe der Band im Electronic-Bereich Bezug, indem er manche der Tracks mit synthetischen Sounds und Beats ausstattet („Apokatastasis“) und damit maßgeblich zur spacigen Ästhetik des Albums beiträgt. Besser hätten …AND OCEANS ihre künstlerische Entwicklung kaum kanalisieren können.

Seinen imposanten Titel trägt „Cosmic World Mother“ vollkommen zu Recht, klingt das Album doch wie die Vertonung einer mächtigen Wesenheit planetarischen Ausmaßes. Anstatt ihren alten Namen ohne die entsprechende Rückbesinnung wieder anzunehmen oder in einem Anflug verklärter Nostalgie ihre Erfahrungen als Havoc Unit über Bord zu werfen, haben …AND OCEANS das Beste aus ihrem kreativen Fundus herausgeholt. Das Ergebnis ist ein fantastisches Symphonic-Black-Metal-Album, das seinen geringfügigen Mangel an Eingängigkeit mit seinem stimmigen, homogenen Klangbild und seiner überwältigenden Ausstrahlung spielend wettmacht. Hiermit haben …AND OCEANS sich praktisch aus dem Nichts an die Spitze ihres Genres katapultiert.

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Wertung: 8.5 / 10

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