CD-Review: Belenos - Argoat

Besetzung

Loïc Cellier – Gesang, Instrumente

Tracklist

01. Karvden
02. Bleizken
03. Argoat
04. Nozweler
05. Huelgoat
06. Dishualder
07. Duadenn
08. Steuziadur
09. Arvestal


Schon seit über zwanzig Jahren spielt Loïc Cellier mit seinem Soloprojekt BELENOS Black Metal der keltischen Sorte und doch ist es um die Ein-Mann-Band nie allzu lang still geworden. Das letzte Ergebnis von Celliers unermüdlicher künstlerischer Aktivität war die 2018 veröffentlichte, etwas missverständlich betitelte Compilation „Best Of Live“, die durchaus ihre Vorzüge hatte, aber sicherlich kein Must-Have war. Auf seinem achten Full-Length-Album „Argoat“ setzt BELENOS nun dort an, wo der Vorgänger „Kornôg“ drei Jahre zuvor endete. War letztere Platte noch dem Element Wasser und dem Meer in der keltischen Mythologie gewidmet, so setzt sich der Bretone diesmal mit der Erde, der wilden Fauna und den mystischen Wäldern im Kontext des antiken, heidnischen Glaubens seiner Heimatregion auseinander.

Konzeptionell mag sich „Argoat“ von den früheren Alben unterscheiden, aus musikalischer Sicht bewegt sich BELENOS hingegen weiterhin strikt innerhalb der Grenzen seines bisherigen Reviers. Regelmäßige, wenn auch meist nur kurze Ausflüge ins Folk-Terrain in Form von scharrenden Streichern („Dishualder“) und geheimnisträchtigen Akustikgitarren („Argoat“) sorgen für mystische, zeitlose Stimmung, hauptsächlich speisen sich die bis zu siebeneinhalb Minuten langen Tracks jedoch aus dem Black Metal der zweiten Welle. Diesbezüglich zeigt sich BELENOS so stilgetreu wie eh und je, sodass beispielsweise das Intro von „Bleizken“ mit seinem Wolfsgeheul und seinen unheilvoll aufbrausenden Gitarren ebenso gut einer norwegischen Platte aus den 90er Jahren entsprungen sein könnte.

„Argoat“ besteht somit im Wesentlichen aus garstigen Screams, rauem Tremolo-Picking, donnerndem Double-Bass-Drumming und stürmischen Blast-Beats, welche dank der organischen, druckvollen Produktion mit der größtmöglichen Wucht erschallen. Der glücklicherweise nicht zu dick aufgetragene Pagan-Einschlag äußert sich hingegen in den hymnischen Clean-Vocals, die im Laufe des Albums immer wieder passend platziert werden. Hinsichtlich der stilistischen Kohärenz und der klanglichen Qualität macht Cellier demnach eigentlich alles richtig. Womit BELENOS auf der Platte allerdings nicht dienen kann, ist einprägsames, markantes Songwriting.

Dabei stört es an sich gar nicht so sehr, dass die auf „Argoat“ zum Einsatz kommenden Stilelemente schon seit Jahrzehnten einen langen Bart haben. Was den Hörwert der Black-Metal-Nummern schmälert, ist vielmehr der Mangel an denkwürdigen Passagen. So gut die Songs beim Hören auch klingen, danach hat man sie bis auf einige sporadische Ausnahmen schnell wieder vergessen. Diesbezüglich hätte BELENOS gut daran getan, das Album um ein paar der weniger aussagekräftigen Tracks zu kürzen. Es muss ja nicht immer eine Spielzeit von 52 Minuten sein.

Aus technischer Sicht lässt „Argoat“ im Grunde genommen nichts zu wünschen übrig. Die Instrumente sind gekonnt eingespielt, die Stimmung durchwegs auf erhabene Weise düster und der Sound wunderbar kraftvoll. Dennoch findet sich darauf nicht ein einziger Song, der einen unverkennbaren, prägnanten Klang besitzt, weshalb es nur wenig Gründe gibt, BELENOS anstelle einer anderen Band aus demselben musikalischen Umfeld zuzuhören. Wer der Glanzzeit der Second Wave immer noch nachtrauert und auf Folk-Anleihen nicht allergisch reagiert, ist bei BELENOS immerhin einmal mehr auf der sicheren Seite – vorausgesetzt, man erwartet hier keine bahnbrechenden, musikalischen Großtaten.

Bewertung: 6.5 / 10

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