CD-Review: Decapitated - Anticult

Juli 2017

Besetzung

Rafał Piotrowski – Gesang
Waclaw “Vogg” Kieltyka – Gitarre
Hubert Wiecek – Bass
Michal Lysejko – Schlagezug

Tracklist

01. Impulse
02. Deathvaluation
03. Kill The Cult
04. One-Eyed Nation
05. Anger Line
06. Earth Scar
07. Never
08. Amen


Drei Jahre sind vergangen, seit die polnischen Death-Metal-Giganten von DECAPITATED mit „Blood Mantra“ ihren Fans eine kräftige Umorientierung ihres Sounds präsentierten. Weniger Tech-Death, mehr Groove. Nun steht unter dem Titel „Anticult“ das dritte Werk seit der Wiederbelebung der Band in den Regalen und auch hier wird der Weg, der mit „Carnival Is Forever“ begann, konsequent fortgesetzt.

Das heißt allerdings nicht, dass „Anticult“ spielerisch nicht anspruchsvoll geworden ist. Ganz im Gegenteil, was DECAPITATED hier abliefern ist in puncto technischer Versiertheit sehr stark. Aber die für das Tech-Death-Genre üblichen, abgehakten Songstrukturen und das klassische Stakkato-Riffing tauchen auf der neuen Scheibe noch weniger auf, als auf dem Vorgänger. Vielmehr sind sie als Stilmittel eingesetzt, wie etwa während „One Eyed Nation“, das dadurch unheimlich brachial rüberkommt. „Anger Line“ hingegen kommt deutlich moderner und grooveorientierter daher, ebenso wie „Earth Scar“, welches dem Hörer schier den Kopf vom Rumpf schraubt und in der Brigde starke Gojira-Anleihen durchscheinen lässt. Zudem gibt es mit dem abschließenden „Amen“ noch einen starken Melo-Death-Doom-Song, bei dem die Truppe einen sehr gelungenen Ausflug in gänzlich neue Territorien wagt.

DECAPITAED haben auf „Anticult“ die Entwicklung der beiden Vorgänger konsequent fortgesetzt und landen damit stilistisch irgendwo in der Schnittmenge aus Meshuggah, Vader, Machine Head und Gojira, mit ein paar Fear-Factory-Einflüssen. Diese Vielfalt an abgedeckten Schattierungen des (Death-) Metal führt allerdings bei aller spielerischer und kompositorischer Klasse dazu, dass man den Tod im Death Metal als Stilbezeichnung für DECAPITATED tatsächlich fast einklammern muss. Denn mit reinem Death Metal hat „Anticult“ nur begrenzt was am Hut. Vielmehr sind die Polen mit ihrer neuen Platte eine extremere Version von Lamb Of God, was sicher nicht per se als Kritik aufzufassen ist.

Dennoch werden sicher viele Fans von „Organic Hallocinosis“ oder „Winds Of Creation“ mit der neuen Ausrichtung von DECAPITATED ihre Probleme haben. Wer allerdings nicht auf Tech-Death-Metal versessen ist, sondern mit fetten, harten Grooves etwas anfangen kann, dem sei „Anticult“ wärmstens empfohlen, denn was die Band hier abgeliefert hat, ist von allerhöchster Qualität.

Bewertung: 8 / 10

Geschrieben am

3 Kommentare zu “Decapitated – Anticult”

  1. Simon Bodesheim

    Auch wenn mir da der Großteil der Decapitated-Fans widersprechen wird:

    Bestes Decapitated-Album – bestes Album 2017 (bisher). Meisterwerk!

  2. Christoph Emmrich Post Author

    Ob es ihr bestes Album ist weis ich nicht so genau – aber es ist definitiv eine sehr geile Platte geworden. Man muss „Anticult“ halt echt losgelöst von Sachen wie „Organic Hallucinosis“ betrachten.

  3. Simon Bodesheim

    Ja, das auf jeden Fall. Aber, wie du auch im Review schreibst, im Verlauf der letzten Alben war die Entwicklung konsequent und absehbar. Blood Mantra und Carnival Is Forever haben ja auch schon immer wieder mit diesen Groove-Anleihen gespielt.

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