Review Katla. – Móðurástin

2010 krachte es gewaltig auf Island: Der Vulkan mit dem für alle Nicht-Isländer unaussprechlichen Namen Eyjafjallajökull brach aus und legte den Flugverkehr in ganz Europa lahm. 2015 krachte es auf der Insel erneut gewaltig, wieder mit Einfluss auf den Flugverkehr: Für ihre anstehende Europatour buchten die Shootingstars der isländischen Rock-Szene, Sólstafir, einen Flug für einen gewissen Hallgrímur Jón Hallgrímsson anstelle ihres bisherigen Schlagzeugers Guðmundur Óli Pálmason – Höhepunkt und zugleich Finale eines langjährigen Disputs innerhalb der Band.

Der Streit landete vor Gericht, im Mai veröffentlichten Sólstafir dessen ungeachtet mit „Berdreyminn“ ihr erstes Album in neuer Besetzung. Nun ist auch Guðmundur mit einem neuen Projekt zurück auf der musikalischen Bildfläche: KATLA – ausgerechnet benannt nach einem der größten aktiven Vulkane Islands.

Mit von der Partie ist Fortíð-Sänger und Multi-Instrumentalist Einar Thorberg Guðmundsson, der auch KATLA. mit seiner kristallklaren Stimme prägt – ein signifikanter Unterschied also zu Sólstafir, bei denen Fronter Aðalbjörn ja vornehmlich durch seine dreckige, nicht immer ganz saubere Art zu Singen auffällt. Musikalisch lassen sich gewisse Parallen ziehen: Auch KATLA. versuchen sich an düsterem Rock, der sich psychedelischer Elemente, melancholischer Instrumentierung (Piano, Cello, Frauengesang) und isländischer Texte bedient. Auch KATLA. lassen dabei gelegentlich ihre Black-Metal-Wurzeln durchblicken. Und auch KATLA. sind überaus talentiert, mit ihrer Musik eine schwer greifbare, Atmosphäre der Wehmut zu erzeugen. Doch KATLA. ist weit mehr als nur eine Alternative zu Sólstafir.

Stimmungsvoll und vielschichtig arrangiert, bieten die acht Songs ein spannendes Wechselspiel zwischen ruhigen und eruptiven Passagen: Mal baden KATLA., getragen von wunderschönen Cleangitarren, in Melancholie, mal strotzt die Musik des Duos, von rauen Zerrgitarren getrieben, nur so vor Kraft. An individueller Qualität mangelt es den Stücken also nicht – darüber hinaus punktet „Móðurástin“ im Ganzen mit musikalischer Vielfalt: So klingen KATLA. auf ihrem Debüt mal eher nach Dark Pop à la Seigmen (wie im wirklich starken „Nátthagi“) oder – durch Einar Thorbergs klaren Gesang – nach Folk (Black) Metal im Stile von Solefald („Kul“), lassen es zwischendurch aber auch ordentlich scheppern. Das rotzige  „Móðurástin“, in dem KATLA. dann auch noch mit Frauengesang auftrumpfen, ist hierfür ein gutes Beispiel.

Um einen ähnlichen Höhenflug wie die Sólstafir hinzulegen, dürfte die Musik von KATLA. etwas zu speziell, zu wenig „Mainstream-tauglich“ sein. Losgelöst von diesem zwangsläufig aufkommenden Vergleich weiß das Duo jedoch auf ganz eigene Art zu überzeugen: Mit spannender, emotionaler und einzigartiger Musik, der es nicht an Größe fehlt, um aus dem langen Schatten von Sólstafir herauszuspringen. Allen Fans stimmungsvoll-düsterer Klänge, aber auch allen Sólstafir-Fans, die sich für „Gummis“ musikalischen Werdegang interessieren, sei „Móðurástin“ deswegen dringend ans Herz gelegt.

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Wertung: 9 / 10

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